Mit dem Zug durch Bulgarien und Rumänien reisen

Mit dem Zug durch Bulgarien und Rumänien zu reisen, ist eine großartige und sehr erschwingliche Möglichkeit, beide Länder zu erkunden. Das gut ausgebaute Schienennetz führt euch durch beeindruckende Landschaften und sehenswerte Städte. Unterwegs könnt ihr eine Menge interessanter Eindrücke über Land und Leute gewinnen. Während unserer Rundreise haben wir vor allem den Zug genutzt und nur gelegentlich auf Busse zurückgegriffen – eine Kombination, die trotz einiger Herausforderungen gut funktionierte. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen und gebe euch wertvolle Tipps zum Zugfahren in Bulgarien und Rumänien: von der (Online-) Buchung von Tickets über den Komfort der Züge bis hin zur Auswahl der Strecken (mit Tipps, wann der Bus die bessere Wahl ist).
Warum Bulgarien und Rumänien mit dem Zug?
Das Zugfahren in Bulgarien und Rumänien ist längst nicht so populär wie in Westeuropa, wo moderne Hochgeschwindigkeitszüge Reisende in kürzester Zeit ans Ziel bringen. Entsprechend schwerfällig war die Recherche im Vorfeld unserer 3-wöchigen Rundreise durch Bulgarien und Rumänien, um herauszufinden, ob meine Pläne tatsächlich praktikabel waren. Beide Länder stehen ohnehin nicht ganz oben auf den Listen vieler Reisender, und wer sich dennoch auf den Weg macht, entscheidet sich häufig für einen Mietwagen.
Dabei verfügen Bulgarien und Rumänien über ein gut ausgebautes Schienennetz, das große Städte ebenso wie viele kleinere Orte miteinander verbindet. Für Reisende, die Wert auf entschleunigtes Reisen legen, unterwegs die Landschaft genießen oder einfach spontan reisen möchten, sind die Züge eine hervorragende Wahl. Sie bieten eine gemütliche und authentische Möglichkeit, die Länder zu entdecken.
Ein weiterer Pluspunkt: Die Fahrpreise sind im Vergleich zu Westeuropa äußerst günstig, was Zugreisen besonders für Budgetreisende attraktiv macht.
Zugfahren in Bulgarien
In Bulgarien hatten wir angenehme Fahrten mit dem Zug. Im Folgenden erfahrt ihr, wie das Zugsystem in Bulgarien funktioniert, wie unsere Route verlaufen ist und welche Herausforderungen uns begegnet sind.
Züge und Streckennetz
Das Schienennetz wird von der Bulgarischen Staatsbahn (BDŽ) betrieben und erstreckt sich über mehr als 4.000 Kilometer, so dass die größeren Städte gut erreichbar sind. Es gibt verschiedene Arten von Zügen, darunter Schnellzüge, Regionalzüge und Nachtzüge. Während Regionalzüge mehr Zwischenstopps einlegen und dadurch länger unterwegs sind, gelangt man mit den komfortableren Schnellzügen zügiger ans Ziel.
Überblick zu nationalen Verbindungen
Die beliebtesten Reiseziele innerhalb Bulgariens sind die Hauptstadt Sofia, die zweitgrößte Stadt Plovdiv sowie die Küstenstädte Burgas und Varna. Ruse – auch oft als kleines Wien bezeichnet – ist als bulgarisch-rumänische Grenzstadt eher bei rumänischen und bulgarischen Touristen bekannt, lohnt aber ebenfalls einen Abstecher.
Überblick möglicher Verbindungen (direkt):
| Verbindung | Reisedauer |
| Sofia nach Plovdiv | ca. 3 h |
| Sofia nach Burgas | ca. 8 h |
| Sofia nach Varna | ca. 8 h |
| Sofia (-Sever) nach Ruse | ca. 7 h (umgekehrt nur 6 h) |
| Plovdiv nach Burgas | ca. 4,5 h |
Tipp: Für eine erste Rundreise durch Bulgarien empfiehlt es sich, in Sofia zu starten, anschließend einen Zwischenstopp in Plovdiv einzulegen und von dort weiter an die Küste nach Burgas zu reisen. Obwohl Sofia das wichtigste Verkehrsdrehkreuz des Landes ist, führen die Verbindungen aufgrund der westlichen Lage der Stadt oft zu längeren Reisezeiten in die beliebten Urlaubsregionen. Ab Burgas sind Busse die bequemere Wahl, um entlang der Küste nach Varna und weiter nach Ruse zu gelangen. Von Ruse aus könnt ihr entweder direkt nach Bukarest (mit Zug oder Bus) fahren oder nach Sofia mit dem Zug zurückkehren.
Unsere Route in Bulgarien
Von Sofia sind wir mit einem Regionalzug (sah aus wie ein deutscher Regionalexpress) nach Plovdiv gefahren. Sitzplatzreservierung gab es keine, man suchte sich einfach einen freien Platz. Die Reisezeit dauerte knapp drei Stunden, weil der Zug an gefühlt jeder Milchkanne hielt. Landschaftlich war die Strecke weniger beeindruckend, dafür fand ich es interessant, dass es die schmucklose Ostarchitektur auch in die kleinsten Orte geschafft hat: Überall ragten anonyme Klötzer in die Luft. Die Bahnhofsgebäude waren entweder in erbarmungswürdigem Zustand oder ganz neu hergerichtet, freie Flächen oft zugemüllt. Das war ein ziemlicher Kontrast zum Stadtbild von Sofia, wo wir gerade herkamen.
Von Plovdiv ging es nach ein paar Tagen weiter nach Burgas. Diesmal hatten wir einen Schnellzug erwischt mit reserviertem Sitzplatz, der deutlich moderner und flotter unterwegs war. WLAN gab es an Bord nicht, dafür aber immerhin Steckdosen, so dass ich mein Handy aufladen konnte.
In Bulgarien war dies auch unsere letzte Fahrt, da die Strecke von Burgas nach Varna mit dem Zug doppelt so lange wie mit dem Bus dauert. Ruse konnte ich zeitlich leider nicht mehr unterbringen, so dass wir mit einem Direktbus von Varna nach Bukarest gefahren sind.
Tipp: Die direkte Busverbindung von Varna nach Bukarest kann man bei Pegasus für 49 Leva/25,05 Euro buchen. Da dies nur Minibusse mit nicht allzu vielen Plätzen sind, lohnt es sich rechtzeitig zu reservieren.
Preise und Zugtickets kaufen
Die Fahrkarten in Bulgarien sind sehr günstig. Ein Ticket von Sofia nach Plovdiv, der zweitgrößten Stadt des Landes, kostet in der ersten Klasse nur 13,80 Leva/7,06 Euro und in der zweiten 11 Leva/5,62 Euro (Stand Nov. 2024). Für das Ticket von Plovdiv nach Burgas habe ich in der zweiten Klasse 17,20 Leva/8,79 Euro bezahlt. Meine Tochter fuhr kostenlos mit. Lediglich die Sitzplatzreservierung kostete ein Lew/0,51 Euro.
Die Tickets kann man entweder online im Voraus kaufen oder direkt am Bahnhof. Auf der Seite der BDŽ kann man sich über mögliche Verbindungen informieren und direkt Tickets buchen. Für die Seite gibt es auch eine englische Spracheinstellung. Man muss nur ein Konto vorher anlegen und bekommt die Tickets dann per E-Mail. Eine App wird nicht angeboten. Für meine Tochter war ich mir nicht sicher, welchen Discount ich angeben musste, so dass ich die Tickets an den Bahnhöfen vor Ort erstanden habe.
In Sofia kaufte ich unsere Tickets am Bahnhof Poduyane. Praktischerweise führte eine Straßenbahn unweit unserer Unterkunft im Zentrum direkt dorthin, sodass wir unsere Fahrt bequem von dort aus starten konnten. Da am Schalter niemand Englisch sprach, nutzte ich eine Übersetzungs-App, tippte ein, wo wir hin wollten, und erhielt problemlos das Ticket.
In Plovdiv angekommen, habe ich am Bahnhof direkt die Fahrkarte für die Weiterfahrt nach Burgas gekauft, was auch hier nur mit Übersetzungs-App funktioniert hat.
Komfort und Ausstattung der Züge
Beim Regionalzug konnte man zwischen erster und zweiter Klasse wählen, was für mein Empfinden keinen spürbaren Unterschied gemacht hätte. Der preisliche Aufschlag ist allerdings gering, so dass man hier nichts verkehrt machen kann. Im Schnellzug konnte man nur zweite Klasse buchen, was vom Komfort her völlig ausreichend war. Die Sitze waren breit und ich hatte genügend Beinfreiheit. Steckdosen zum Aufladen elektronischer Geräte waren vorhanden. Das ist aber kein flächendeckender Standard, sondern von Zug zu Zug je nach Baureihe verschieden. WLAN gab es nicht. Beide Züge waren inklusive der Toiletten (!!) sehr sauber.
Die Züge waren zwar nicht die allerschnellsten, aber – wie ich in Rumänien festgestellt habe – es geht auch noch deutlich langsamer.
Etwas schwierig war der Ein- und Ausstieg mit Kind und Buggy, da die Gleise und der Wartebereich teilweise ebenerdig waren, die erste Treppe recht hoch war und die Türen recht schmal. Die Leute waren aber immer sehr hilfsbereit, und ohne, das ich fragen musste, bot man mir immer an, Kind oder Buggy in den Zug zu heben oder herauszutragen.
Aber Vorsicht, wenn ihr allein mit Kindern reist: Gebt euer Kind NIEMALS beim Aussteigen in die Hände fremder Menschen! Die meisten Menschen helfen einfach nur gerne, wenn man die Hände voll hat, es reicht aber einer aus, der dann mit eurem Kind davonstürzt. Von genau so einem Fall habe ich tatsächlich einmal gelesen. Wenn es um das eigene Kind geht, kann man nicht vorsichtig genug sein. Nehmt immer euer Kind in den Arm und überlasst jemand anderem den Buggy!
Orientierung an den Bahnhöfen
Die größte Herausforderung bestand tatsächlich in der Orientierung an den Bahnhöfen. Dort sollte man sich darauf einstellen, mit Englisch nur selten weiterzukommen. Nur einmal gelang mir mit einem Mitarbeiter eine rudimentäre Kommunikation mit Händen und Füßen. Sobald ihr wisst, von welchem Gleis der Zug abfährt, könnt ihr direkt nachschauen, wo sich das Gleis befindet. Bei uns wurden die Züge schon deutlich vor der Abfahrtszeit bereitgestellt, was genug Zeit bot, um alles in Ruhe zu überprüfen. Das bietet sich deswegen an, weil es an den Gleisen (noch) keine elektronischen Zuganzeigen gibt.
Die Bahnhöfe selbst waren oft Baustellen. Man kann also davon ausgehen, dass dort kräftig modernisiert wird und das Erscheinungsbild in ein paar Jahren ganz anders sein wird. Wegen der Umbauarbeiten war mir aber teilweise nicht ganz klar, ob wir wirklich am richtigen Gleis warten.
Bevor wir eingestiegen sind, habe ich also immer sichergestellt, dass es wirklich der richtige Zug ist. Die Durchsagen erfolgten ausschließlich auf Bulgarisch, sodass sie nicht weiterhalfen. An den Zügen selbst ist der Zielort oft an den Türen angeschrieben. Daher lohnt es sich, im Vorfeld einmal nachzusehen, wie der Name des Zielorts auf Bulgarisch geschrieben wird. Und wenn ihr unsicher seid: einfach nachfragen! Die meisten Leute sind sehr hilfsbereit. In Sofia habe ich auf den Zug gezeigt und „Do Plovdiv?“ (nach Plovdiv) gefragt. Darauf folgte dann ein „da“ – also ja – und ein Nicken.
Ganz anders präsentierte sich übrigens der Bahnhof in Burgas: Leuchtend gelb, in einem schönen sanierten Altbau, bei strahlendem Sonnenschein, Möwengeschrei und dem Geruch nach Meer in der Nase. Da kam automatisch Urlaubsstimmung auf.


Zugfahren in Rumänien
In Rumänien war das Zugfahren schon etwas abenteuerlicher. Hier gab es zwar weniger Sprachbarrieren und Orientierungsprobleme, allerdings stellte mich die Zusammenstellung der Route vor gewisse Probleme. Eine Verbindung war aufgrund von Bauarbeiten komplett eingestellt, was ich allerdings erst vor Ort festgestellt habe, so dass Improvisation angesagt war.
Zugsystem und Streckennetz
Die Rumänische Staatsbahn (CFR) betreibt eines der größten Schienennetze in Europa mit über 11.000 Kilometern Strecke. Ähnlich wie in Bulgarien gibt es verschiedene Zuggattungen: von Intercity- und Schnellzügen bis hin zu Regionalzügen, die entlegenere Orte ansteuern.
Überblick zu nationalen Verbindungen
| Verbindung | Reisedauer |
| Bukarest/București Nord nach Kronstadt/Brașov | ca. 2,5 h |
| Bukarest nach Hermannstadt/Sibiu | zw. 5 und 6 h |
| Bukarest nach Schäßburg/Sighișoara | ca. 6 h |
| Hermannstadt nach Schäßburg | ca. 4,5 h (ein Umstieg) |
| Hermannstadt nach Klausenburg/Cluj Napoca | zw. 5 und 6,5 h (ein Umstieg) |
Die Routengestaltung per Zug war in Rumänien deutlich schwieriger als in Bulgarien. Denn auch, wenn die Distanzen auf der Karte nicht so groß scheinen, dauern die Zugfahrten teilweise eine gefühlte Ewigkeit. Die Strecke von Hermannstadt nach Klausenburg beträgt nur etwa 180 km. Trotzdem dauern die Zugfahrten unter der Woche mehr als 6 Stunden. Nur sonntags gibt es eine schnellere Verbindung von etwa 5 Stunden. Von Hermannstadt nach Temeswar/Timișoara sind es etwa 280 km. Mit dem Zug dauert es allerdings satte 7,5 bis 8 Stunden, um dorthin zu kommen. Damit wäre ein kompletter Reisetag erledigt.
Darüber hinaus solltet ihr auf die Abfahrtszeiten der Züge achten: Manche Verbindungen starten entweder sehr früh morgens zwischen 6:00 Uhr und 7:00 Uhr oder erst nachmittags mit Ankunft am späten Abend, was ich beides nicht als optimal empfinde.
Tipp: Wer Rumänien mit dem Zug bereisen möchte, sollte vorher genau prüfen, wie die Verbindungen zwischen den geplanten Städten ausschauen. Dabei solltet ihr euch nicht auf Google Maps stützen, sondern euch bei der CFR direkt informieren. Bei Google Maps werden teilweise Verbindungen angezeigt, die nicht buchbar sind. Zwischen Hermannstadt und Klausenburg wird beispielsweise eine Direktverbindung von etwa 4 Stunden ausgewiesen, die es zumindest derzeit (Stand Nov. 2024) nicht gibt.
Meine Route in Rumänien
Da ich das erste Mal in Rumänien war und etwa anderthalb Wochen Zeit hatte, wollte ich Bukarest und Transsilvanien sehen. Um nicht um 5:00 Uhr morgens für eine frühe Verbindung aufstehen zu müssen und um möglichst wenig Zeit im Zug zu verbringen, sah die Route wie folgt aus:
| Strecke | Reisezeit | Kosten |
| București Nord nach Sibiu | 9:57 Uhr – 15:44 Uhr (5,75 h) | 93,50 Lei/17 Euro (Kind 49 Lei/9,85 Euro) |
| Sighișoara nach Brașov | 9:18 Uhr – 12:36 Uhr (3,25 h) | 51 Lei/10,25 Euro |
| Brașov nach București Nord | 11:12 Uhr – 13:59 Uhr (2,75 h) | 35,50 Lei/7,13 Euro |
| București Nord nach Aeroport Henri Coanda (Flughafen) | 17:50 Uhr – 18:11 Uhr ( 20 Min.) | 7 Lei/1,41 Euro |
Landschaftlich toll war die erste Hälfte der Strecke von Bukarest nach Hermannstadt, also etwa bis Kronstadt. Die Strecke führte durch dichte, urige Wälder. Dunkle Baumkronen und riesige Farne bildeten eine märchenhafte Atmosphäre. Diese Stimmung passte perfekt zur geheimnisvollen Aura des in der Nähe von Kronstadt gelegenen Schloss Bran, das vor allem als Dracula-Schloss berühmt ist. Zwischendurch ging es durch einige stockfinstere Tunnel, weil die Zugbeleuchtung während der Durchfahrt ausblieb.
Wie ihr seht, fehlt die Verbindung zwischen Sibiu und Sighișoara. Ich hatte mich nur vorher grob bei Google Maps vergewissert, dass es eine Verbindung gibt, die nicht allzu lange dauert (laut Google etwa 2 Stunden), aber nicht bei CFR geschaut. Als ich in Hermannstadt ankam und direkt am Bahnhof ein Ticket für die Weiterfahrt kaufen wollte, wurde mir mitgeteilt, dass die Strecke zurzeit wegen Gleisbauarbeiten gesperrt sei und es nur eine Verbindung ganz früh morgens (Start zwischen 5:00 Uhr und 6:00 Uhr) gebe, bei der ich insgesamt drei Mal umsteigen und eine Etappe mit dem Bus fahren müsse. Mir sind fast die Augen aus dem Gesicht gefallen. Direkte Busverbindungen gab es auch nicht, die Mitarbeiterin meinte aber, dass ein Minibus die Strecke bedienen würde.
Also munter gegoogelt und dann bin ich tatsächlich auf ein Angebot von Olteanu Travel gestoßen, das man online buchen kann. Los geht’s immer morgens um 9:30 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Hauptbahnhof bei der kleinen Kirche. Ankunft in Schäßburg ist um 11:15 Uhr beim Penny-Markt. Man kann die Tickets für 70 Lei zwar auch direkt beim Fahrer kaufen, da es sich aber um einen Van handelt, passen nur etwa 10 Leute rein. So genau wird darauf zwar nicht geachtet und für eine Frau, die noch mitwollte, rutschte eine Reihe eben etwas enger zusammen, aber wenn man sichergehen will, tatsächlich dort wegzukommen, würde ich auf jeden Fall online buchen.
Dieses Beispiel zeigt schön, dass man sich auf Google nicht exklusiv verlassen sollte und man trotzdem mit ein wenig Improvisation immer irgendwie von A nach B kommt. Ansonsten gab es aber keine Überraschungen mehr und alles klappte wie geplant.
Preise und Zugtickets kaufen
Die Preise sind verglichen mit Bulgarien etwas höher, aber gegenüber westeuropäischen Preisen immer noch sehr günstig. Die teuerste Fahrkarte kostete 17 Euro für die Strecke von Bukarest nach Hermannstadt. Ansonsten habe ich nicht mehr als zehn Euro je Strecke gezahlt. Am einfachsten kauft man die Tickets direkt in der App der CFR (sowohl im App-Store als auch im Play-Store erhältlich; die App heißt: CFR Călători bilete online). Dort kann man alles auf Englisch einstellen und das Handling ist super einfach.
Kinder bis fünf Jahre müssen nichts zahlen, wenn sie keinen eigenen Platz benötigen. Bei der ersten Fahrt nach Hermannstadt war ich mir wegen der Auslastung nicht sicher und habe wegen der recht langen Fahrt von sechs Stunden einen Extra-Platz für meine Tochter gebucht. Der Ticketpreis kostete etwas weniger als die Hälfte meines Tickets. Im Nachhinein war diese Buchung überflüssig, da die Sitzplätze ziemlich breit waren – wir da also auch locker zu zweit drauf gepasst hätten – und der Zug sowieso ziemlich leer war.

Dementsprechend habe ich für die restlichen Züge kein weiteres Ticket für meine Tochter gebucht, was bis auf die letzte Strecke von Kronstadt nach Bukarest völlig okay war. Bei der letzten Fahrt war der Zug ziemlich voll und wir hatten nur einen Platz in einem vollen Vierer. Wir haben uns dann einfach woanders hin gesetzt und Glück gehabt, dass keiner den Platz beanspruchte. Die Fahrt war aber auch nicht so lang, so dass wir auch den Vierer überlebt hätten.
Komfort und Ausstattung der Züge
Die Züge waren ebenfalls sauber, die Sitzpolsterung einigermaßen bequem und ich hatte genügend Beinfreiheit. Ob die erste Klasse einen großen Unterschied gemacht hätte, kann ich nicht sagen, ich fand den Komfort der zweiten Klasse aber völlig ausreichend. Auch hier hatte ich nicht den Eindruck, dass es feste Standards gibt, sondern mehr von der jeweiligen Baureihe abhängt, was im Zug verfügbar ist. WLAN und Steckdosen gab es nur bei unserer ersten Fahrt nach Hermannstadt.

Die Zustände der Toiletten waren leider in allen Zügen gruselig: dreckig, alt und intensiv stinkend. Wenn es nicht anders geht, Luft anhalten und schnell erledigen. Mein Kind hätte ich dort nicht hineingelassen. Für solche Fälle habe ich immer ein klappbares Töpfchen dabei.
Orientierung an den Bahnhöfen
Anders als in Bulgarien war die Orientierung an den Bahnhöfen unkompliziert. Die Gleise waren stets ausgeschildert, Schilder konnte man ohne Probleme lesen und Durchsagen erfolgten teilweise auch auf Englisch.
Die Bahnhöfe selbst wirkten teilweise ein wenig in der Zeit stehengeblieben. Auf dem Bukarester Hauptbahnhof verliefen die Gleise ebenerdig zu den Wartebereichen. Leute liefen einfach über die Gleise, ohne dass sich jemand daran störte. Das ist natürlich ein Sicherheitsrisiko, aber ich finde es trotzdem toll, wenn nicht immer alles zu Tode reglementiert ist und etwas mehr Gelassenheit herrscht. Als der Zug einfuhr, stand der Schaffner in der offenen Tür und pfiff laut, damit keiner im Weg steht.

Auch hier hatte ich wieder Probleme, mit Kind und Gepäck in den Zug rein- und rauszukommen, mir wurde aber immer Hilfe angeboten.
Auf dem Bukarester Bahnhof habe ich übrigens einen Bücherautomaten entdeckt. Eine klasse Idee, die ich an noch keinem anderen Bahnhof gesehen habe.

Praktische Tipps für eure Zugreise in Bulgarien und Rumänien
▸ Sprache und Kommunikation
Rumänisch ist eine romanische Sprache und wer Spanisch oder Italienisch kann, wird auch vieles auf Rumänisch verstehen. Zumindest kann man es lesen und sich so am Bahnhof orientieren. Bei Bulgarisch ist es schon deutlich schwieriger, da man es meist weder verstehen noch lesen kann. Das fühlt sich dann ein bisschen wie China in Europa an. Es ist hilfreich, sich zumindest die Städtenamen auf Bulgarisch anzuschauen, damit man auf den Zuganzeigetafeln – sofern vorhanden – die Richtung sehen kann bzw. den Zielort an der Zugtür entziffern kann.
Wenn ihr sichergehen wollt, fragt andere Leute um euch. Bei jüngeren Leute stehen die Chancen auf Englisch gut, bei den Älteren würde wohl eher Russisch helfen. Ansonsten einfach auf das Gleis zeigen und mit „Do (nach) + Städtenamen?“ fragen oder eine Übersetzungs-App benutzen.
▸ Fahrpläne und Pünktlichkeit
Die Züge in Bulgarien und Rumänien sollen zwar nicht zu den pünktlichsten gehören, aber in dieser Hinsicht bleibt die Deutsche Bahn mit Sicherheit unangefochten auf Platz 1. Beide Züge in Bulgarien waren pünktlich. Unsere erste Fahrt in Rumänien hatte eine zehnminütige Verspätung und bei der Fahrt von Schäßburg nach Kronstadt gab es eine Verspätung von etwa 20 Minuten. Da sind wir Schlimmeres gewohnt. Einen gewissen Zeitpuffer würde ich aber auf jeden Fall einplanen.
Wenn man die Fahrkarten aber schon einige Zeit im Voraus gebucht hat, lohnt es sich am Vortag zu prüfen, ob die Verbindung tatsächlich so stattfindet, da es z. B. bei Bauarbeiten zu Änderungen kommen kann. Darauf wird auf der Webseite der BDŽ auch ausdrücklich hingewiesen.
Google Maps kann als Anhaltspunkt dienen, ihr solltet euch aber keinesfalls auf die genannten Verbindungen verlassen, da sie teilweise nicht existieren oder veraltet sind. Checkt daher immer bei den offiziellen Anbietern BDŽ und CFR, welche Züge tatsächlich fahren.
▸ Rumänische Zugtoiletten am besten vermeiden
Rumänische Zugtoiletten sind leider – man muss es so deutlich sagen – eine eklige Angelegenheit. Daher empfiehlt es sich, morgens einen Kaffee oder Tee weniger zu trinken und vor der Abfahrt noch einmal eine Toilette aufzusuchen. Wenn es gar nicht anders geht, Nase zu und durch. Desinfektionstücher können nicht schaden und wenn ihr mit Kleinkindern reist, sind faltbare Töpfchen eine prima Alternative.
▸ Sicherheit
In Bulgarien habe ich mich durchgehend sicher gefühlt. Auch in Rumänien war dies grundsätzlich der Fall – mit einer Ausnahme: die Gegend rund um den Bahnhof in Bukarest. Da wir vor unserem Rückflug nur noch eine Nacht in Bukarest hatten, wählte ich ein Hotel direkt gegenüber dem Bahnhof. Die Atmosphäre dort war jedoch alles andere als angenehm. Auf der Straße lungerten viele Männer herum, im kleinen Supermarkt gegenüber wurde lautstark gepöbelt, und im Hotel eskalierte mitten in der Nacht eine Auseinandersetzung auf dem Flur vor meinem Zimmer. Diese Gegend würde ich nur besuchen, um direkt einen Zug zu nehmen, und ansonsten meiden.
Unabhängig vom Reiseziel gilt: Achtet an Bahnhöfen immer auf eure Wertsachen, um es Taschendieben nicht zu leicht zu machen. Auch in den Zügen ist Vorsicht geboten – vermeidet es, während der Haltepausen Toilettenbesuche oder Kaffeepausen einzulegen, damit niemand die Gelegenheit nutzen kann, unbeobachtet mit euren Sachen auszusteigen.
▸ “Fundbüro“
Sollte euch einmal etwas verloren gehen, ist an den Bahnhöfen offenbar die Polizei dafür zuständig. Bei unserer letzten Fahrt ließen wir eine Jacke im Zug liegen und suchten nach einem Fundbüro Am Bukarester Bahnhof. Stattdessen wurden wir an die Polizei verwiesen und fanden uns in einem kleinen Kabuff mit Schiebefenster wieder – die Atmosphäre erinnerte stark an frühere Ostblock-Zeiten.
Dann öffnete sich eine Tür und ein Polizist fragte, was ich wollte. Nachdem ich ihm alles erklärt hatte, verschwand er wieder und 5 Minuten später kam eine Frau heraus und stellte mir dieselbe Frage. Ich antwortete, dass sich bereits ein Kollege darum kümmere, worauf sie grinsend meinte, der könne kein Englisch. Also schilderte ich mein Anliegen erneut. Zehn Minuten später erschien ein dritter Polizist und ich erklärte die Situation noch einmal. 15 Minuten später erschien immerhin derselbe Polizist wieder und meinte, er hätte das Reinigungsteam abtelefoniert – leider ohne Erfolg. Für den Fall, dass die Jacke noch auftauchen sollte, bat er mich um meine Telefonnummer und speicherte sie direkt in seinen WhatsApp-Kontakten. Herrlich unkompliziert. Datenschutz? Interessiert hier keinen, es wird einfach gemacht, was praktisch ist. Die Herangehensweise gefiel mir. Die Jacke blieb leider unauffindbar.
▸ Transport zum Flughafen
Für den Transport zum Flughafen vom Bukarester Zentrum ist der Zug eine hervorragende Wahl. In nur 20 Minuten könnt ihr so staufrei zum Flughafen gelangen. Tickets kosten nur 1,40 Euro und können über die App gebucht werden. Die Züge fahren ab 13:50 Uhr bis 19:50 Uhr alle 40 Minuten.

Mein Fazit
Unsere Zeit in Bulgarien und Rumänien war großartig, und ich kann nur jedem empfehlen, diese beiden Länder einmal zu bereisen. Ob der Zug (kombiniert mit dem Bus auf einigen Strecken) oder ein Mietwagen die bessere Wahl ist, hängt ganz von euren Reisezielen und Vorlieben ab. Wer schnell von A nach B kommen möchte, ist mit einem Mietwagen besser beraten, da die Züge, besonders in Rumänien, eher gemächlich unterwegs sind. Außerdem solltet ihr darauf vorbereitet sein, dass Verbindungen gelegentlich ausfallen können und improvisiert werden muss.
Auch für kleinere Orte abseits der Hauptverbindungen ist ein Mietwagen oft die bessere Wahl, da diese mit dem Zug nur schwer und meist sehr zeitaufwendig zu erreichen sind. In Rumänien liegen zum Beispiel viele der beeindruckenden Kirchburgen in abgelegenen Ortschaften, die mit der Bahn kaum zugänglich sind. Einige dieser Orte kann man aber auch im Rahmen von Tagesausflügen z. B. über GetYourGuide besuchen. Dasselbe gilt für einen Ausflug über die Transfogarascher Hochstraße, einen der schönsten Gebirgspässe Europas.
Wer aber vor allem die größeren und touristischeren Ziele ansteuert und sich von den beschriebenen Unzulänglichkeiten nicht abschrecken lässt, findet im Zug eine großartige Alternative. Es ist eine ideale Möglichkeit, Land und Leute intensiv kennenzulernen, beeindruckende Landschaften zu genießen und dabei äußerst günstig zu reisen.