Tagesausflug Gibraltar: Die besten Tipps und Infos

Ein Tagesausflug nach Gibraltar lohnt sich in jedem Fall, wenn ihr für einen Tag in britisches Flair mit definitiv besseren Temperaturen eintauchen wollt. Damit ihr eine tolle Zeit in Gibraltar verbringt, verrate ich euch hier meine besten Tipps und Infos.
Gibraltar: Erbe aus der Kolonialzeit
Die britische Enklave Gibraltar ist ein Überbleibsel der Kolonialzeit, das im 21. Jahrhundert sehr aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Die Spanier hätten Gibraltar gerne zurück und die Engländer wohl im Prinzip nichts dagegen. Tja, wenn da nicht die sturen Einwohner Gibraltars wären, die in großer Geschlossenheit weiter zu Großbritannien gehören möchten. Innerhalb von 300 Jahren haben sie ihre ganz eigene Mentalität und Lebensart entwickelt. Dazu beigetragen hat auch der Umstand, dass Spanien 1969 die Grenzen zu Gibraltar geschlossen hatte, um den Druck auf Großbritannien zu erhöhen. Auch nach der Grenzöffnung 1985 wurde das Verhältnis beider Seiten durch schikanöse, langwierige Grenzkontrollen belastet. Dies besserte sich erst im Laufe der 1990er Jahre.
Gibraltar eilt der Ruf voraus, eine Steueroase zu sein. Insbesondere seit dem Brexit bemüht sich Gibraltar jedoch, dieses Image loszuwerden. Denn die Einnahmen des britischen Überseegebiets stammen nicht mehr überwiegend aus dem Finanzsektor, sondern zu einem beträchtlichen Teil auch aus dem Tourismus. Da die meisten Touristen als Tagesausflügler nach Gibraltar kommen, setzt diese Form des Tourismus unkomplizierte Grenzübertritte voraus. Dafür sind gute Beziehungen zu Spanien wichtig.
Einige Dinge wie Zigaretten, Spirituosen oder Parfum sind allerdings günstiger zu haben als auf der spanischen Seite. Dies liegt daran, dass Gibraltar freiwillig auf eine Erhebung von Umsatz- oder Mehrwertsteuern verzichtet. Da die Einwohner Gibraltars auch besser verdienen als die Andalusier, gibt es wenig Anreize für die Einwohner Gibraltars, zu Spanien gehören zu wollen, und Gibraltar wird wohl noch eine ganze Weile britisch bleiben.
Wie kommt man nach Gibraltar?
Die meisten werden Gibraltar im Rahmen eines Tagesausflugs oder für ein bis zwei Tage besuchen, wenn sie ohnehin vor Ort sind. Wir haben Gibraltar ebenfalls in unsere Andalusien-Rundreise eingebunden. Da Gibraltar aber auch über einen eigenen Flughafen verfügt, besteht natürlich die Möglichkeit, per Flugzeug anzureisen. Direktverbindungen gibt es nur ab Großbritannien, ansonsten mit Zwischenstopp und ziemlich teuer.
In Andalusien waren wir mit dem Bus unterwegs. Das hatte zwar den Vorteil, dass sich nicht die Frage gestellt hat, wohin mit dem Mietwagen. Dafür waren wir natürlich weniger flexibel und auf die starren Buszeiten angewiesen.
Wir fuhren von Marbella bis nach La Línea de la Concepción, was auf der spanischen Grenzseite zu Gibraltar liegt. Nach meinen Recherchen gab es nur einen Bus von Avanza, der von der Busstation Marbella nach La Línea fuhr, so dass ich diesen schon im Vorfeld gebucht hatte. Mein Ticket kostete 13,30 Euro, das meiner Tochter 6,40 Euro. Nachmittags sollte es weitergehen nach Tarifa. Der letzte Direktbus fuhr leider bereits um 16:00 Uhr (Busgesellschaft TG Comes, Ticket für 7,59 Euro, Kleinkinder gratis), so dass nur rund fünf Stunden für den Ausflug nach Gibraltar verblieben.
Wie man es nicht macht…
Ich hatte zwar Bedenken, dass das vielleicht etwas zu knapp wäre und überlegte noch, mit Umstieg in Algeciras nach Tarifa zu fahren. Da mir die Größe Gibraltars jedoch recht übersichtlich schien, dachte ich, dass das schon klappen würde. Auf dem Plan stand, mit der Seilbahn auf den Affenfelsen hoch und wieder runter zu fahren. Anschließend wollte ich einen Bummel durch die Gässchen Gibraltars machen, den botanischen Garten besuchen und Fish and Chips bei einem Pint Bier futtern. Soweit der Plan… die Warteschlange bei der Seilbahn hat leider alles über den Haufen geworden. Sagenhafte zwei Stunden hat es gedauert, bis wir endlich nach oben fahren konnten. Nach dem Affenfelsen blieb nur noch Zeit, um durch das Städtchen zu rasen statt zu bummeln, um den Bus nach Tarifa nicht zu verpassen. Hätte ich das Ganze nochmal zu planen, würde ich es anders angehen. Dazu gleich mehr.
Gibraltar auf der Durchreise: Wohin mit dem Gepäck?
Wer Gibraltar ebenso als Tagesausflug quasi auf der Durchreise besuchen möchte und keinen Mietwagen gebucht hat, hat Gepäck dabei, dass er nicht den ganzen Tag mit sich herumschleppen möchte. Momentan gibt es drei Möglichkeiten für die Gepäcklagerung:
- in La Línea bei Nannybag (in der Calle Carboneros, 6 Euro für 24 Stunden unabhängig von Größe und Gewicht),
- am Flughafen (zwischen 3 und 6 Pfund je nach Größe); ich konnte aber keine konkreten Zeiten ausmachen, für wie lange Gepäck dort gelagert werden kann und es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Service womöglich nicht immer bereitgestellt werden kann, so dass gebeten wird, sich vorher telefonisch zu erkundigen,
- in Gibraltar am Fährterminal bei Radical Storage (5 Pfund pro Tasche pro Tag).
Ich hatte Glück und konnte mein Gepäck direkt im Busbahnhof lagern. Dort gibt es ein paar wenige Fächer. Der Service wurde zum Zeitpunkt meiner Reise noch nicht zur Verfügung gestellt, netterweise durfte ich ihn trotzdem nutzen. Ansonsten scheint mir Nannybag eine gute Möglichkeit, weil die Gepäcklagerstelle in der Nähe des Busbahnhofs liegt und 24 Stunden nutzbar ist. Die Gegend um das Fährterminal ist unspektakulär. Daher würde ich diesen Gepäckstore nur empfehlen, wenn man auch tatsächlich zur Fähre muss. Der Flughafenservice scheint am wenigsten attraktiv zu sein, da keine festen Öffnungszeiten garantiert werden und man sich im Vorfeld erkundigen muss, ob zum gewünschten Zeitpunkt tatsächlich jemand vor Ort ist.
Tipps für einen optimalen Tagesausflug
Wenn man auf ein paar Dinge achtet, kann man seinen Tagesausflug nach Gibraltar voll auskosten:
▸ Zeitgestaltung
Man sollte sich einen ganzen Tag Zeit nehmen, um Gibraltar stressfrei zu besuchen. Ein halber Tag kann ausreichen, je nachdem, wieviel Programm man auf dem Affenfelsen machen möchte. Dann sollte man den Ausflug aber möglichst früh starten oder am Nachmittag, wenn die Touristenmassen durch sind. Für diejenigen, die erst am Vormittag starten, empfehle ich, auf die Seilbahn zu verzichten und stattdessen mit einem Minibus auf den Felsen zu fahren. Das dürfte deutlich flotter gehen. Alternativ einfach eine Übernachtung in Gibraltar oder la Línea einplanen.
▸ Anreise
Wenn man mit dem Mietwagen unterwegs ist, empfiehlt es sich, auf der spanischen Seite zu parken und die Grenze zu Fuß zu überqueren. Das geht schneller und man hat mehr Zeit für den eigentlichen Ausflug. Auch sind Parkplätze in Gibraltar knapp und teuer.

Mit dem Bus ist man weniger flexibel. Nach Tarifa fuhr der letzte Direktbus bereits um 16:00 Uhr ab. Man kann aber auch nach Algeciras fahren und dort nach Tarifa umsteigen. Ist zwar etwas umständlicher, dafür gibt es aber auch abends Verbindungen. In die andere Richtung nach Marbella gibt es ebenfalls bessere Verbindungen.
▸ Transport nach der Grenze ins Zentrum
Die Grenzformalitäten waren in fünf Minuten erledigt. Anschließend hat man mehrere Möglichkeiten, um ins Zentrum zu gelangen:
Zu Fuß
Wenn man über ausreichend Zeit verfügt, kann man sich den Spaß gönnen, über die Landebahn zu laufen. Wann wird einem das schon einmal geboten? Insgesamt dauert die Strecke ins Zentrum etwa 20 Minuten. Sollte gerade ein Flugzeug landen oder starten, hat man was zu gucken und zu fotografieren. Man muss dann aber eine Weile warten, bis die Wege wieder freigegeben werden. Aus diesem Grunde sollte man das auch wirklich nur dann machen, wenn man genügend Zeit hat.
Noch etwas skurriler fand ich das Prozedere auf den Scilly Islands: Dort habe ich eine Wanderung gemacht und dann tauchte eine Ampel im Grünen (!) auf und zeigte rot an. Ich war noch dabei, mich zu fragen, was das soll und ob das vielleicht ein Scherz für Wanderer sei, als sich ein Propellerflugzeug näherte, an mir vorbeiflog und landete. Ich hatte nicht gewusst, dass sich oberhalb der kleinen grünen Anhöhe der Flugplatz der Insel befand und der Wanderweg die Flugschneise kreuzte.
Per Shuttlebus
Wer mit der Seilbahn auf den Affenfelsen hochfahren möchte, sollte das Ticket unbedingt vorab online buchen. Das Ticket ist zwar nicht günstiger, man kommt aber schneller dran. Darüber hinaus wird ein Shuttle-Service angeboten, der einen direkt von der Grenze zur Seilbahn bringt.
Per Linienbus
Da der Linienbus genau vor meiner Nase stand und abfahrbereit war, habe ich den Bus genommen. Ins Zentrum und von dort wieder zurück fährt die Linie 5. Man zahlt entweder in Pfund oder Euro. Meine Tochter fuhr gratis mit, Erwachsene zahlen 2,40 Euro für eine Fahrt. Der Bus fährt durch einen Tunnel unterhalb des Flughafengeländes und ist daher das Mittel der Wahl (alternativ Taxi), wenn man knapp mit der Zeit ist.
Per Taxi
Taxis waren in beide Richtungen immer verfügbar.
▸ Besuch auf dem Affenfelsen
Auf dem immerhin 426 Meter hohen Affenfelsen kann man hervorragende Aussichten auf Gibraltar, La Linea und den afrikanischen Kontinent genießen, im dortigen Restaurant einen Stopp einlegen und einige Sehenswürdigkeiten anschauen.
Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage an der Meerenge von Gibraltar hat der schroffe Felsen eine wichtige militärische Bedeutung. Früher konnten die Briten über ihren Stützpunkt in Gibraltar den Zugang zum Mittelmehr kontrollieren. Während des Zweiten Weltkriegs wurden innerhalb des Felsens 50 km Tunnel angelegt, wo Tausende von Soldaten ausharrten sowie Lebensmittel und Geräte lagerten. Zusätzlich zu den künstlich geschaffenen Tunnelanlagen kommen noch Höhlen aufgrund natürlicher Erosion hinzu, so dass die als uneinnehmbar geltende Festung von innen löchrig wie ein Schweizer Käse ist.
Die meisten werden den Felsen wohl wegen ihrer Namensgeber sehen wollen, den etwa 300 frei lebenden Berberaffen. Einer Legende zufolge werden die Briten solange über Gibraltar herrschen, wie dort Affen leben. Also werden sie gehegt und gepflegt, sprich gefüttert. So kontaktfreudig, wie die Viecher sind, wird das aber eher damit etwas zu tun haben, dass die Affen nicht allzu übergriffig gegenüber den Besuchern werden.
Seilbahnticket online buchen
Nach intensiver Recherche hatte ich mich dazu entschlossen, nur die Aussicht von dort oben zu genießen, nicht aber die weiteren Attraktionen des Affenfelsens zu besuchen. Dazu passte am besten die Seilbahnfahrt hin und zurück für 19 Pfund (23 Euro). Am Seilbahngebäude angekommen, sah ich schon die lange Schlange. Da ich vergessen hatte, das Online-Ticket zu buchen, reihte ich mich in die Schlange für die Prepaid-Tickets ein und wollte während des Wartens die Buchung vornehmen. Mit Glück hat das geklappt, die Netzverbindung war unterirdisch schlecht. Also besser rechtzeitig erledigen. Das Online-Ticket kann ich nur empfehlen, weil die Wartezeit meiner Schlange schon satte zwei Stunden betrug, die Schlange ohne Tickets hat bestimmt 2,5 Stunden gebraucht. Das Online-Ticket tauscht man dann am Schalter gegen ein richtiges Ticket um.

Kein Essen auf den Affenfelsen mitnehmen
Überall liest man den Hinweis, dass man wegen der Affen kein Essen – auch nicht in Tüten (den Hinweis habe ich leider erst vor Ort gelesen) – mitbringen soll. Da ich mit meiner Tochter den ganzen Tag unterwegs war, hatte ich ein paar Snacks dabei, in Kunstoffdosen doppelt in Tüten eingepackt. Half alles nichts. Sobald wir oben angekommen waren, kam schon der erste Affe, und riss zunächst einer Mitreisenden etwas aus der Hand. Als er mich wahrgenommen hatte, hat er mich regelrecht verfolgt, zusammen mit einem weiteren Affen. Wir haben uns quasi in das Restaurant “gerettet”. Den Buggy habe ich leer zusammen mit weiteren Buggys draußen stehen lassen. Von der Glastür aus konnte man dann beobachten, wie ein Affe ankam und alle Buggys gründlich untersuchte, ob sich nicht doch noch ein Krümel Essbares irgendwo befindet.

Dass die dort lebenden Affen nicht viele Hemmungen haben, ist ja hinlänglich bekannt, aber so extrem hatte ich es mir dann doch nicht vorgestellt. Es macht den Aufenthalt also deutlich entspannter, wenn man wirklich nichts Essbares dabei hat. Da ich das wegen meiner kleinen Tochter auch nicht ganz ungefährlich fand, habe ich, nachdem die Luft rein war, nur ein paar Minuten die Aussicht genossen. Die allerdings war wirklich herausragend. Man konnte auf Gibraltar und La Línea sowie nach Afrika schauen.


Dann sind wir wieder runtergefahren, diesmal ohne anzustehen. Dank der langen Wartezeit für die Fahrt auf den Felsen hinauf hätten wir ohnehin nicht viel mehr Zeit gehabt.
Sehenswürdigkeiten des Affenfelsens
An Sehenswürdigkeiten hat der Felsen einiges zu bieten: Man kann mit der Seilbahn hochfahren (kostet mit dem Eintritt zum Naturschutzgebiet inklusive aller Sehenswürdigkeiten 34,50 Pfund), dann den Felsen hinablaufen und dabei die verschiedenen Attraktionen wie den Skywalk, die Tropfsteinhöhle St Michael’s Cave, die Windsor Suspension Bridge und das Military Heritage Center mit verschiedenen Tunnelanlagen (World War II Tunnel) besuchen. Dafür sollte man etwa drei Stunden einplanen.
Es gibt übrigens einen Wegeplan vor Ort, wo auch mit Kinderwagen kompatible Wege eingezeichnet sind. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass die sehr schmalen Sträßchen, die den Felsen hinabführen, auch von Minibussen, die die Sehenswürdigkeiten abfahren, heruntergebrettert werden, was laut einiger Erfahrungsberichte nicht ganz ungefährlich sein soll.

Alternative zur Seilbahn: Minibus
Aus dem Grund oder wenn man keine Lust hat, die Strecke zu laufen, kann man eine solche Tour in einem Minibus buchen. Dabei werden die wichtigsten Attraktionen abgefahren, man hat eine gewisse Zeit vor Ort und kann dann weiterfahren. Das könnte mit einem Buggy ganz praktisch sein, da man den im Wagen zurücklassen kann und beispielsweise mit einer Trage die Treppen in die Tropfsteinhöhle besser hinunter- und heraufsteigen kann. Im Nachhinein würde ich statt der Seilbahn eine solche Tour buchen. In der Zeit, die wir in der Warteschlange verdaddelt haben, hätten wir schon den ganzen Felsen gesehen und anschließend entspannt durch die Main Street bummeln können.
▸ Weitere Attraktionen bei einem Tagesausflug in Gibraltar
Wer genügend Zeit hat, kann sich den rot-weißen Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert am Europa-Point (dem südlichsten Punkt der Iberischen Halbinsel) anschauen, im Botanischen Garten einen Stopp einlegen (dort soll es auch einen tollen Kinderspielplatz geben) oder entspannt durch die Main Street bummeln und in einem der Pubs Fish & Chips futtern und dabei ein Pint trinken.

Am Ende (oder besser am Anfang) der Main Street gelangt man zum Grand Casemates Square, benannt nach der dortigen Kasemattenanlage. Ein schöner atmosphärischer Platz, an dem dank der vielen Pubs, Bars und Restaurants eine Menge los ist und wo viele kulturelle Veranstaltungen Gibraltars stattfinden. Das war nicht immer so. Früher wurden dort öffentliche Hinrichtungen durchgeführt. Bis in die 1990er Jahre wurde die Hälfte des Platzes als Parkplatz genutzt.

Geht man durch den Torbogen hindurch, gelangt man zur Bushaltestelle, wo man wieder den Bus Nr. 5 zur Grenze nehmen kann. Auch ein Taxistand befindet sich hier.
Fazit
Ein Tagesausflug nach Gibraltar ist absolut lohnenswert. Pubs mit Fish and Chips und roten Telefonhäuschen sind eine skurrile Abwechslung. Dazu könnt ihr grandiose Aussichten vom Affenfelsen genießen.