Status-quo-Verzerrung überwinden, Veränderungen angehen

Status-quo-Verzerrung: Strichmännchen in der Mitte, dass sich nicht entscheiden kann, ob es durch die Tür 1 auf der linken Seite oder Tür 2 auf der rechten Seite geht

Vor zwei Jahren habe ich einen bedeutenden Schritt gewagt, der mein Leben völlig verändert hat: Ich habe mich endlich selbständig gemacht. Die Idee dazu geisterte schon lange in meinem Kopf herum, denn ich fühlte mich festgefahren. Seit Jahren arbeitete ich in derselben Position, im selben Unternehmen, mit denselben täglichen Routinen. 

Ich fühlte mich gefangen in einer Endlosschleife aus Monotonie und Vorhersehbarkeit. Oft fragte ich mich, ob das wirklich alles ist und ob ich nicht mehr aus meinem Leben machen könnte. Die Aussicht, jahrelang so weiterzumachen, war unerträglich, aber auch der Gedanke an eine Veränderung war angsteinflößend genug, dass ich jahrelang weiter ins Büro getrottet bin.

Ängste verhindern Veränderung

Ängste sind sehr wirkungsvoll, um uns von grundlegenden Veränderungen abzuhalten. Angst erzeugt Unbehagen und Unsicherheit, wovor unser Unterbewusstsein uns schützen möchte.

  • Was passiert, wenn ich nicht genug Mandanten/Kunden akquirieren kann?
  • Was passiert, wenn ich meinen Lebensstandard nicht aufrechterhalten kann?
  • Was passiert, wenn ich scheitere?

Ja, was passiert denn dann?

Egal, wie irrational Ängste sein mögen, sie werden oft stärker gefürchtet als der Ist-Zustand. Mögliche Verbesserungen redet man sich klein. In der Rückschau waren meine Ängste völlig unbegründet. Ja, der Anfang war nicht leicht und es hat ein wenig gedauert, bis sich alles eingespielt hat. Aber das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung war von Anfang an unbezahlbar. Ich würde alles tun, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Dies setzt übrigens Energien und Kreativität frei, von deren Existenz ich bislang gar nichts wusste. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht eingestellt, ganz im Gegenteil. Und ich fühle mich deutlich motivierter und erfüllter als in den Jahren zuvor.

Was ist die Status-quo-Verzerrung?

Was mich jahrelang unzufrieden in meiner Komfortzone verharren ließ, war der unbewusste Wunsch, dass alles so bleibt wie es ist. Und damit bin ich nicht allein: Viele halten an nicht erfüllenden Beziehungen fest, statt sich zu trennen, oder scheuen vor neuen beruflichen Herausforderungen zurück.

Dieses psychologische Phänomen ist als Status-Quo-Verzerrung (oder Ist-Zustand-Verzerrung) bekannt und ein großer Hemmschuh für positive Veränderungen. Lieber halten wir an dem fest, was wir kennen und gewohnt sind, selbst wenn Veränderungen besser oder notwendig wären. Dieses Verhalten resultiert aus einem natürlichen menschlichen Bedürfnis nach Stabilität und Sicherheit. Veränderungen werden oft als riskant und unsicher wahrgenommen, weshalb wir uns lieber an das Gewohnte halten, auch wenn es uns unzufrieden macht. Diese Verzerrung kann sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Leben zu einer Stagnation führen und hindert uns daran, unser volles Potenzial auszuschöpfen.

5 Tipps gegen die Status-quo-Verzerrung

Selbstreflexion: Klarheit über Ziele und Ängste schaffen

Im ersten Schritt solltet ihr euch bewusst machen, wo Veränderungsbedarf besteht. Welche Ziele wollt ihr erreichen und was möchtet ihr ändern? Für diesen Prozess kann ein Vision Board hilfreich sein. Reflektiert auch über die Ängste, die euch davon abhalten, eure Ziele zu erreichen (z. B. finanzielle Sorgen, Angst vor negativen Reaktionen oder Überforderung). Überlegt, was das Schlimmste ist, das passieren könnte, und wie wahrscheinlich es ist. Viele Ängste verlieren ihren Schrecken, wenn ihr euch Worst-Case-Szenarien vorstellt. Stellt dem die möglichen Vorteile gegenüber und denkt darüber nach, was passieren würde, wenn ihr nichts verändert.

Tipp: Schreibt eure Gedanken und Ziele auf. Konkret formulierte Ziele und benannte Ängste können helfen, klarer zu denken und rationale Entscheidungen zu treffen. Regelmäßiges Tagebuchschreiben kann dabei unterstützen, Muster zu erkennen und die wahren Ursachen der Unzufriedenheit aufzuspüren.

Kleine Schritte planen und umsetzen

Der Gedanke an große Veränderungen kann überwältigend sein und uns davon abhalten, aktiv zu werden. Daher ist es oft hilfreich, in kleinen Schritten vorzugehen. Zerlegt eure Ziele in kleinere Etappen, die ihr nach und nach umsetzen könnt. Jeder kleine Erfolg stärkt euer Selbstvertrauen und motiviert euch weiterzumachen.

Unterstützung suchen

Veränderungen müssen nicht alleine bewältigt werden. Unterstützung von Freunden, Familie und Coaches kann sehr hilfreich sein. Darüber hinaus solltet ihr euch ein Netzwerk mit Gleichgesinnten aufbauen. Ein solcher Austausch kann sehr inspirierend wirken und neue Ideen und Perspektiven aufzeigen. 

Der bekannte Unternehmer und Motivationstrainer Jim Rohn prägte einst den gern zitierten Satz:

“Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst.”

Jim Rohn

Wenn ihr euch also verändern wollt, umgebt euch mit Menschen, die so sind, wie ihr werden wollt. Tretet Gruppen oder Gemeinschaften bei, die eure Ziele und Interessen teilen. Viele unterschiedliche Angebote zur Vernetzung gibt es auf der Plattform Meetup.

Flexibilität und Anpassungsfähigkeit entwickeln

Veränderungen verlaufen selten nach Plan. Daher ist es wichtig, flexibel und anpassungsfähig zu bleiben, wenn unerwartete Herausforderungen auftreten. Anstatt an einem starren Plan festzuhalten, solltet ihr eure Strategie überprüfen und bei Bedarf anpassen. Mit der Zeit werdet ihr resilienter, könnt Rückschläge besser wegstecken und lernt daraus. Diesen Muskel kann man auch bewusst trainieren, indem man beispielsweise neue Aktivitäten ausprobiert.

Fazit

Veränderungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und bieten uns die Möglichkeit, zu wachsen und uns weiterzuentwickeln. Die Status-quo-Verzerrung kann uns jedoch daran hindern, diese Veränderungen anzugehen. Veränderungen bringen immer ein gewisses Risiko mit sich, doch es ist wichtig, diese Risiken realistisch einzuschätzen und sich nicht von irrationalen Ängsten leiten zu lassen. Indem wir uns über unsere Ziele klar werden, kleine Schritte machen, unsere Komfortzone verlassen, Unterstützung suchen und flexibel bleiben, können wir den Mut finden, aus unseren lähmenden Routinen auszubrechen und unser Leben aktiv zu gestalten. Veränderungen mögen anfangs zwar beängstigend sein, aber sie bieten die Möglichkeit neuer Erfahrungen, Erkenntnisse und eines erfüllteren Lebens. Lassen wir uns von den Chancen inspirieren und nutzen wir die Möglichkeiten zur Veränderung!

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