Städtetrip Danzig: Reisetipps, Kultur, Essen

Danzig ist eine wunderschöne Hafenstadt mit hanseatisch-maritimem Flair, die sich bestens für einen Städtetrip eignet. Nehmt euch ein Wochenende Zeit, um durch die Gassen mit ihren prächtigen Bürgerhäusern zu schlendern, Bernsteinschmuck zu bewundern und lokale Spezialitäten zu probieren. Und vielleicht entdeckt ihr beim Bummeln auch kleine Löwen…

Danzig: Ein Mix aus Geschichte und Moderne

Danzig – oder Gdańsk – ist eine charmante Hafenstadt an der Ostsee, in der man Kultur, Strand und Essen wunderbar kombinieren kann. Einst eine mächtige Hansestadt, wurde sie im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht. Dank großartiger polnischer Wiederaufbauarbeit ist davon im Zentrum Danzigs nichts mehr zu bemerken. Beim Schlendern durch die Rechtstadt könnt ihr prachtvolle Häuserfassaden und gotische Kirchen bestaunen. Mit 460.000 Einwohnern ist Danzig die sechstgrößte Stadt Polens und wächst stetig weiter. Zusammen mit den Nachbarstädten Zoppot (Sopot) und Gdingen (Gdynia) bildet Danzig die Verwaltungseinheit “Trojmiasto” (Dreistadt), in deren Einzugsbereich knapp 750.000 Einwohner leben.

Das maritime Flair ist in Danzig allgegenwärtig: Hafenkräne ragen in den Himmel, alte Speicherhäuser und Segelschiffe erinnern an die reiche Handelstradition der Stadt, und das Möwengeschrei begleitet euch auf Schritt und Tritt. Danzig ist eine lebendige und sich stetig wandelnde Stadt, in der an jeder Ecke gebaut und saniert und verschönert wird. Wer noch Flecken des rauen alten Danzigs erleben will, sollte sich beeilen.

Neben hilfreichen allgemeinen Reisetipps bekommt ihr im folgenden Beitrag einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, Hintergrundinfos zu den zentralen Stadtteilen, der bewegten Geschichte Danzigs sowie kulinarische Empfehlungen.

Allgemeine Tipps für einen Städtetrip nach Danzig

Mit hilfreichen Tipps für eure Anreise und zeitliche Organisation, zum Geldabheben und Parken sowie zur Standortwahl eurer Unterkunft könnt ihr euren Besuch besser planen:

Anreise nach Danzig

Danzig ist mit allen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar, so dass es davon abhängt, von wo aus ihr startet. Von Berlin aus fahren wir entweder mit dem Auto oder dem Zug. 

Per Auto

Mit dem Auto gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ihr nutzt die mautfreie Strecke über Stettin an der Küste entlang (von Berlin ca. 550 km) oder die Mautautobahn über Posen (ca. 580 km, 50 Zloty/11,69 Euro Maut). Sie ist zwar etwas länger, es fährt sich aber bequemer. Zeitlich macht es keinen nennenswerten Unterschied. Es variierte bei unseren Fahrten laut Google Maps von 10 Minuten bis 30 Minuten, je nach Verkehrslage. Mit Stopps haben wir ungefähr sieben Stunden gebraucht.

Mit dem Zug

Auch mit dem Zug kommt man von Berlin aus gut nach Danzig. Es gibt täglich vier Verbindungen mit Umstieg in Posen (sonntags nur drei, ca. 6 Stunden) und eine Direktverbindung mit einem EC (ca. 5,5 Stunden). Die günstigsten Tickets starten ab 29,90 Euro je Strecke. Falls ihr bei spontanen Reiseplanungen keine günstigen Tickets mehr findet und Zeit keine primäre Rolle spielt, kann es deutlich günstiger sein, eine Verbindung in die nächste polnische Grenzstadt zu buchen und von dort über die polnische Bahnseite bis nach Danzig. Beispiel: Ab Stettin oder Posen kostet eine Fahrt 2. Klasse nach Danzig etwa 70 Zloty/16,37 Euro.

Zurück sind die Verbindungen leider schlechter, so dass es sich lohnt, die Direktverbindung um 9:25 Uhr (täglich außer freitags) zu nehmen. Die Umstiegsverbindungen dauern um die acht Stunden und teilweise muss man sogar zweimal umsteigen.

Mit dem Flugzeug

Wenn Auto oder Zug nicht in Frage kommen, bietet sich ein Flug nach Danzig an. Direktflüge (Stand Juli 2024) gibt es von Hamburg (Wizz Air, Ryanair), Dortmund (Wizz Air), Düsseldorf (Eurowings), Frankfurt am Main (Lufthansa) und München (Lufthansa). Der nach Lech Wałęsa benannte Flughafen Danzigs ist der drittgrößte Polens und liegt etwa zehn Kilometer westlich der Stadt. Von dort kann man entweder mit dem Zug oder dem Bus (Linie 210) zum Danziger Hauptbahnhof fahren oder ihr nehmt euch ein Taxi (soll rund 60 Zloty/14,03 Euro ins Zentrum kosten, sonntags teurer).

Wieviel Zeit benötigt man für eine Städtereise nach Danzig?

Das hängt natürlich ganz von euren Vorlieben ab und wieviel Zeit euch zur Verfügung steht. Ohne Ausflüge in die Umgebung reichen für einen ersten Besuch bereits 2 oder 3 Tage aus. Wer die Stadt etwas intensiver kennenlernen möchte, den ein oder anderen Museumsbesuch einplant und einen Ausflug, beispielsweise nach Zoppot oder zur Marienburg in Betracht zieht, sollte mit 5 bis 7 Tagen rechnen.

Geld abheben und bezahlen in Danzig

Kreditkarten werden fast überall akzeptiert und geben einen guten Kurs. Solange ihr eine Kreditkarte habt, bei der keine Fremdwährungsgebühren berechnet werden, empfiehlt es sich also immer, die Kreditkarte einzusetzen. 

Um etwas Bargeld kommt man jedoch nicht herum, zum Beispiel, wenn man an einem Straßenstand etwas kaufen möchte, bei manchen Parkplätzen, in Geschäften am Strand oder bei Toiletten. Leider trifft man fast überall auf die Abzocke-Automaten von Euronet. Selbst bei Automaten der Millenniums-Bank erscheint der Hinweis, dass der Automat von Euronet betrieben wird. Euronet-Automaten bieten eine Währungsumrechnung mit einem unglaublich schlechten Kurs an und verlangen darüber hinaus knapp 20 Zloty/4,68 Euro an Automatengebühren.

Tipp: Bei Automaten der Pekao-Bank könnt ihr kostenfrei Geld abheben bis zu 500 Zloty/116,92 Euro. Da wir meistens mit Kreditkarte bezahlt haben, hat uns der Betrag ausgereicht. Auch hier wird eine Währungskonversion angeboten, die ihr ablehnen müsst, aber keine Automatengebühr verlangt.

Parken in Danzig

Wer mit dem Auto in Danzig unterwegs ist, findet fast überall einen Parkplatz. Im Stadtzentrum sind die meisten Parkplätze kostenpflichtig, die Tarife sind aber günstig (ab ca. 1 Euro/Stunde, je nach Parkzone von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr oder 20:00 Uhr, bar oder mit Karte). Die gebührenpflichtigen Zeiten findet ihr auf den Parkautomaten. Einmal haben wir die Parkuhr übersehen und prompt ein Knöllchen verpasst bekommen. Kostet 130 Zloty/30,40 Euro, wenn man innerhalb von 14 Tagen zahlt, anschließend 200 Zloty/46,77 Euro.

Tipp: Kostenlos parken kann man (noch) auf der Speicherinsel auf dem Parkplatz gegenüber den Hotels Novotel und Grano.

Während des dreiwöchigen Dominikanermarkts, der immer Ende Juli/Anfang August beginnt, ist das Stadtzentrum großflächig abgesperrt. Die Absperrungen werden bereits zwei Wochen vorher zum Aufbau des Marktes errichtet. Wer zu dieser Zeit mit dem Auto nach Danzig reist und eine Unterkunft im Zentrum hat, muss außerhalb des Sperrgebiets parken. Vor Beginn des Festes kommt man nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung durch, die von Ordnern kontrolliert wird.

Wo übernachten bei einem Städtetrip nach Danzig?

Wenn man nur für ein paar Tage in Danzig ist, lohnt sich eine zentrale Unterkunft in der Rechtstadt oder auf der Speicherinsel. Aufpassen muss man im Sommer bei Apartments direkt an der Mottlau-Promenade oder in deren unmittelbarer Nähe, da es dort ordentlich laut werden kann. Wer mit dem Auto kommt, sollte auf Parkmöglichkeiten achten, da Parken im Zentrumsbereich fast überall kostenpflichtig ist. In der Altstadt wohnt man immer noch nah dran, die Preise sind aber in der Regel etwas niedriger.

Wir hatten beim letzten Mal eine tolle, gut ausgestattete und sehr ruhige Unterkunft in der Rechtstadt unweit des Krantors, die in einem idyllischen Innenhof mit Terrasse gelegen war, wo wir morgens mit Kaffee und Kirchturmglocken in den Tag gestartet sind.

Ebenfalls großartig war ein Apartment auf der ruhigeren Seite der Speicherinsel (wenn man von der Rechtstadt über die Grüne Brücke geht, nach rechts). Dort hatten wir bodentiefe Fenster mit einer Terrasse zur Niederstadt hin, konnten die Sonne aufgehen sehen und die Möwen beim Kreisen über dem Fluss beobachten, herrlich. Einen Parkplatz gab es in der Tiefgarage unter dem Haus, bequemer ging es kaum.

Buchtipps

Literarischer Reiseführer Danzig, Peter Oliver Loew

Der literarische Reiseführer von Danzig ist ein ganz tolles Buch, das ich jedem Danzig-Reisenden nur ans Herz legen kann. Auf unterhaltsame Art führt der Autor mit acht Spaziergängen durch die Stadt und lässt dabei literarische Zitate von Personen, die in Danzig gelebt oder die Stadt besucht haben, zu den jeweiligen Orten einfließen. Dies führt zusammen mit den vielen Fotos aus alten und neuen Zeiten dazu, dass man ein intensiveres Gefühl für die jeweiligen Gegenden und ihre Stimmungen bekommt. Die ISBN lautet: 978-3936168792 (Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V.).

Die Danziger Trilogie, Günter Grass

Die sogenannte Danziger Trilogie besteht aus dem berühmtesten Roman „Die Blechtrommel“ sowie „Katz und Maus“ und „Hundejahre“. Die Werke sind zwar inhaltlich selbständig, stehen aber durch gemeinsame Figuren und Schauplätze im Zusammenhang zueinander. Zeitlich spielen sie im Danzig vor, während und nach dem 2. Weltkrieg.

Grass stammt aus dem ehemaligen Stadtviertel Langfuhr (heute das unaussprechliche Wrzeszcz), das mittlerweile zum hippen Studentenviertel geworden ist. Vor allem dort findet man die Schauplätze seiner Romane, z. B sein ehemaliges Elternhaus in der Ulica (Ul.) Lelewela 13 oder seine Schule, das Conradinum. An manchen Stellen weisen auch Schilder mit Romanzitaten auf solche Schauplätze hin. Die Berliner Zeitung hat die Spuren von Günter Grass in Danzig in einem lesenswerten Artikel zusammengestellt. Man kann auch entsprechende Stadtrundgänge buchen.

Rundgang durch Danzigs Rechtstadt 

Der Bezirk „Śródmieście” heißt übersetzt „Innenstadt“ und umfasst alle zentralen Gebiete Danzigs. Das eigentliche Zentrum der Stadt bildet jedoch die Rechtstadt. Der Name erinnert daran, dass sie im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden nach deutschem Recht gegründet wurde.

Ein Rundgang durch die Rechtstadt ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Hier schlägt das Herz von Danzig, und die reiche Geschichte der Stadt ist an jeder Ecke spürbar, besonders, wenn man die historischen Fassaden der schmalen Häuser betrachtet.

Zerstörung und Wiederaufbau der Rechtstadt

Obwohl: So richtig historisch sind die Fassaden nicht, denn die Rechtstadt war nach Ende des 2. Weltkriegs zu etwa 90 % zerstört. Übrig blieb nur ein Trümmerfeld mit verkohlten, gespenstisch aufragenden Resten von Fassaden. Wer sich ein Bild von den Ausmaßen der Zerstörung machen möchte, sollte sich die informative Ausstellung mit viel Bildmaterial im Rechtstädtischen Rathaus anschauen.

Es ist der hervorragenden Rekonstruktion der Polen zu verdanken, dass die Rechtstadt heute wieder den Glanz alter Zeiten verströmt. Kein Areal weltweit wurde nach Kriegszerstörung so komplett wiederaufgebaut wie die Rechtstadt Danzigs. Wenn man sich die kümmerlichen Reste der Altstädte von z. B. Hannover und Köln vergegenwärtigt, wird schnell deutlich, wie besonders diese Leistung war. Das ist umso bemerkenswerter, als die neue polnische Bevölkerung Danzigs, die überwiegend aus den an die Sowjetunion abgetretenen Gebieten stammte, keinerlei Bezug zu Danzig hatte und die kommunistische Führung Polens anderes im Sinn hatte, als eine ehemalige deutsche Stadt aus Schutt und Asche wiederauferstehen zu lassen.

Hardliner wollten die Ruinen einfach als Mahnmal des Krieges stehenlassen und eine neue Stadt am Hafen aufbauen. Die Alternative dazu bestand darin, die Trümmer komplett abzuräumen und darauf hübsche Ostblockriegel für eine neue Arbeiterstadt zu errichten.

Glücklicherweise konnten sich andere Stimmen durchsetzen, die das großartige Kulturerbe Danzigs vor ihrer Auslöschung retteten. Sonst könnten wir heute nicht durch die Gassen der Rechtstadt bummeln und dabei das Gefühl haben, uns auf den Spuren einer alten ehrwürdigen Hansestadt zu bewegen. 

Der polnischen Führung machte man das Geld für eine historische Rekonstruktion mit dem Argument locker, dass ein solcher Wiederaufbau symbolhaft für die Wiedervereinigung Danzigs mit Polen stünde und durch die Nutzung vorhandener Fundamente günstiger sei. Beim Wiederaufbau knüpfte man dementsprechend an die Zeiten an, als Danzig unter der Schutzherrschaft der polnischen Krone stand und verzichtete weitgehend auf preußische Elemente. Dabei griff man auf alte Vorlagen oder Gemälde als Vorlage zurück oder ließ einfach der Fantasie freien Lauf. Die komplexen Gestaltungen wurden oft stark vereinfacht rekonstruiert. Im Ergebnis wurde das Idealbild einer Stadt geschaffen.

Aber auch zeitgemäßere Hygienevorschriften sorgten dafür, dass Danzig nicht mehr in seiner ursprünglichen engen Form wiederaufgebaut werden konnte. Neue Vorgaben sahen mehr Fenster für ausreichendes Tageslicht vor, so dass breitere und weniger tiefe Bauten entstanden mit mehr Freiflächen und Grün. Dem fielen einige der romantischen engen Gassen und die Hinterhäuser zum Opfer. Die rekonstruierten schmalen Fassaden sind eine geschickte optische Mogelpackung: Dahinter verbergen sich moderne Wohnungen, die meist zwei oder drei unterschiedlich gestaltete Fassaden vereinen.

Dieses Danzig hat es so zwar nie gegeben, das Ergebnis der neuen alten Rechtstadt ist aber angesichts der immensen Zerstörungen und den anderslautenden Aufbauplänen der kommunistischen Führung mehr als beeindruckend. Heute zieht sie mit ihren vielen einladenden Cafés, Boutiquen und Kunstgalerien Einheimische und Touristen gleichermaßen an.

Rund um den langen Markt

Beginnt euren Spaziergang am Langen Markt (Długi Targ) und der Langgasse (ul. Długa). Dies ist der repräsentativste Bereich der Stadt, der auch Königsweg genannt wird, weil die polnischen Könige einmal im Jahr bei ihrem Danzig-Besuch hier durchzogen. Die Fußgängerzone wird gesäumt von prächtigen Bürgerhäusern einst wohlhabender Kaufleute und ist eine beliebte Flaniermeile.

Besonders sticht das Goldene Haus (auch Speymann- oder Steffenshaus genannt) mit seiner reich verzierten weiß-goldenen Fassade hervor (Długi Targ 41/42).

Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten am Langen Markt sind der Artushof und der Neptunbrunnen. Der imposante Bronzebrunnen symbolisiert die Verbundenheit der Stadt mit dem Meer und ist ein beliebter Treffpunkt.

Gleich dahinter erhebt sich der prächtige Artushof. Einst ein Sitz Danziger Bruderschaften, diente er später als Börse und ist heute Bestandteil des Historischen Museums. Die beeindruckende Fassade und der reich verzierte Innenraum mit erstklassigen Kunstwerken vermitteln einen Eindruck vom Reichtum und der Bedeutung Danzigs in der Hansezeit.

Tipp: Die Internetseite „Muzeum Gdańsk” bietet einen Überblick über viele Danziger Museen mit Öffnungszeiten, Schließtagen und Eintrittspreisen. Neben dem normalen Preis gibt es reduzierte Tickets und Sonderpreise für Familien. Dort könnt ihr für die meisten Ausstellungen auch Online-Tickets erwerben.

Artus-Hof
Adresse: Długi Targ 43/44, 80 831 Gdańsk
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr, montags 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Eintritt: 25 Zloty/5,85 Euro (reduziert 18 Zloty/4,21 Euro, Familien 67 Zloty/15,67 Euro), montags frei

Die Silhouette des Rechtstädter Rathauses dominiert mit ihrem schlanken in den Himmel emporragenden Turm den Langen Markt, obwohl sich das Rathaus bereits in der Langgasse befindet. Ein Besuch des darin befindlichen Historischen Museums lohnt sich wegen der prachtvollen Innenausstattung und der Ausstellung, die u.a. das Leben in Danzig – auch in Vorkriegszeiten – anschaulich darstellt.

Von Mai bis einschließlich September kann man die Aussichtsplattform des Rathausturms besuchen und eine tolle Aussicht auf Danzig genießen.

Rechtstädtisches Rathaus
Adresse: ul. Długa 46/47, 80 831 Gdańsk
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr, montags 12:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Eintritt Museum: 25 Zloty/5,85 Euro (reduziert 18 Zloty/4,21 Euro, Familien 67 Zloty/15,67 Euro), montags frei
Eintritt Turm: 18 Zloty/4,21 Euro (reduziert 12 Zloty/2,81 Euro), montags frei

Wenn ihr die Langgasse weiter entlang Richtung Goldenes Tor geht, seht ihr auf der rechten Seite das Uphagenhaus. Errichtet wurde das Haus mit der roten Fassade vom Danziger Kaufmann und Ratsherrn Johann Uphagen im 18. Jahrhundert und blieb im Familienbesitz, bis es 1910 in ein Museum umgewandelt wurde.

Falls ihr euch dafür interessiert, wie typische Häuser wohlhabender Kaufleute eingerichtet waren, könnt ihr das Haus besichtigen. Es ist in der Originalform rekonstruiert worden und in einigen Räumen befindet sich auch originales Mobiliar, das vor dem Krieg ausgelagert und damit gerettet wurde.

Uphagenhaus
Adresse: ul. Długa 12, 80 827 Gdańsk
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr, montags 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Eintritt: 25 Zloty/5,85 (reduziert 18 Zloty/4,21 Euro, Familien 67 Zloty/15,67 Euro), montags frei

Früher muss es in der Langgasse ziemlich eng gewesen sein, da sich vor vielen Häusern die für Danzig so typischen Beischläge – terrassenartige Vorbauten mit Treppen – befanden. Ursprünglich handelte es sich dabei um den Kellerräumen vorgelagerte Vorratskammern. Diese schlichten Holzbretterverschläge entwickelten sich mit der Zeit zu prachtvollen Terrassen vor dem Haus. Hier saß man beisammen oder speiste, und weil die reichen Kaufleute zeigen wollten, was sie hatten, wurden die Terrassen zusehends prachtvoller gestaltet, z. B. mit Balustraden, Skulpturen oder Reliefs.

Die Beischläge störten schon früher, denn je größer sie wurden, desto enger wurden die Straßen. Eingeschritten ist aber wohl niemand, bis sie irgendwann die Fortentwicklung des Verkehrs behinderten. In der Langgasse mussten die Beischläge schließlich der Straßenbahn weichen, die bis Anfang der 70er Jahre hier durchführte.

Noch zu sehen sind sie vor allem am Langen Markt und in der Frauengasse (ul. Mariacka), aber auch vereinzelt an anderen Stellen der Rechtstadt.

Danzigs Verteidigungsanlage

Die Langgasse endet mit dem Goldenen Tor. Durch dieses Tor betraten viele Besucher Danzigs früher die Stadt.

Seinerzeit war Danzig – heute kaum noch vorstellbar – mit riesigen Befestigungsanlagen und Wällen zum Schutz gegen Feinde umgeben. Um die Rechtstadt herum gab es eine Stadtmauer mit einer ganzen Reihe von Wachtürmen. Darüber hinaus war die Rechtstadt von einem Wassergraben begrenzt. Darauf verlaufen heute die stark befahrene Hauptstraße, die am Hauptbahnhof vorbeiführt, der Podwale Przedmiejskie (Vorstädtischer Graben), der über die Speicherinsel führt und der Podwale Staromiejskie (Altstädtischer Graben), der die Rechtstadt von der Altstadt trennt. 

Dadurch, dass sich die Innenstadt in einem eingemauerten Ring befand, war lange Zeit keine Ausdehnung des Stadtgebiets möglich. Dies erklärt die Enge der Gassen und die schmale und tiefe Bauweise der Häuser. Auf kleinem Raum musste baulich so viel wie möglich untergebracht werden.

Zu der Befestigungsanlage gehörten an dieser Stelle neben dem Goldenen Tor noch das Hohe Tor und die Peinkammer mit dem Stockturm. Besucher mussten also erst über eine Zugbrücke den Graben überwinden und dann durch das Hohe Tor schreiten. Anschließend ging es durch die Peinkammer und den Stockturm, um durch das Goldene Tor endlich in die Stadt zu gelangen. Klingt wie aus einem guten alten Ritterbuch.

Im Hohen Tor, das neben der stark befahrenen Hauptstraße ziemlich verloren wirkt, befindet sich eine Touristeninformation. Peinkammer und Stockturm können besichtigt werden. Wie der Name “Peinkammer” vermuten lässt, wurde der Ort später als Folterkammer genutzt. Manche Gefangenen wurden am Pranger an der Außenseite der Peinkammer hingerichtet, andere wurden in die engen, dunklen Zellen des Stockturms gesperrt. Lebendig sollen nur die wenigsten diesen Ort wieder verlassen haben.

Reste der Stadtmauer könnt ihr sehen, wenn ihr rechts vom Goldenen Tor über den Kohlenmarkt (Targ Węglowy) Richtung Laternengasse (ul. Latarnia) geht. Am Kohlenmarkt findet ihr auf der rechten Seite den etwas deplatziert wirkenden Strohturm. Geht ihr durch den schmalen Durchgang rechts neben dem Theater, gelangt ihr zur Laternengasse mit Resten der Stadtmauer und weiteren Wehrtürmen.

Markthalle Danzigs

Gleich in der Nähe befindet sich die Markthalle Danzigs. Markthallen besuche ich auf Reisen ausgesprochen gerne. Meist geht es dort sehr wuselig zu und sie verströmen eine besondere Atmosphäre mit ihren fremden Gerüchen, Fleisch- oder Fischbergen, Oliven oder Gewürzen. Dort kann man häufig auch lokale Spezialitäten probieren.

Auf den Danziger Markt trifft das nicht unbedingt zu. Von außen wunderschön anzusehen, ist der Markt an sich ziemlich unspektakulär. Im Erdgeschoss und im ersten Stock gibt es günstige Kleidung und Schuhe, im Untergeschoss sind u. a. Bäckereien und Fleischereien und eine öffentliche Toilette für 3 Zloty/0,70 Euro.

Was aber absolut sehenswert ist, sind die freigelegten romanischen Mauerreste in der Mitte des Untergeschosses, die auf das 12. Jahrhundert zurückdatieren. Dabei handelt es sich um Fundamente der ersten St. Nikolaus-Kirche, der ältesten bekannten Kirche in Danzig.

Wer gerne Eingelegtes isst, findet neben der Markthalle viele Stände, die v. a. eingelegte Gurken anbieten.

Überall Bernstein, Bernstein, Bernstein

Wenn man durch die Gassen der Danziger Rechtstadt bummelt, wird man ganz schnell auf Bernstein stoßen. An jeder Ecke wird das Gold der Ostsee angeboten. Ob als Kette, Ring, Armband, Ohrring, Anhänger oder Figur, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Anders als in anderen Städten oder Seebädern an der Ostsee, wo auch häufig Bernsteinschmuck angeboten wird, fällt hier die Menge der Schmuckläden und die Kunstfertigkeit der Verarbeitung auf. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Bernsteinverarbeitung hat eine lange Tradition in Danzig. Schon zu Zeiten der Römer wurde Bernstein aus dieser Region geschätzt und entlang der Bernsteinstraße, die von der Ostsee zum Mittelmeer führte, gehandelt. Für den Deutschen Ritterorden (13. bis 15. Jahrhundert) stellte der Export von Bernstein die Haupteinnahmequelle dar. Abbau und Handel wurden streng kontrolliert, was maßgeblich zum Wohlstand Danzigs beitrug. 

Im Mittelalter wurde Bernstein neben Schmuck auch für medizinische Zwecke verwendet. Man glaubte, dass Bernsteinpulver bei einer Vielzahl von Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Magenproblemen hilft. In Danzig gab es daher Apotheken, die Bernstein gemahlen und in Tinkturen als Heilmittel verkauft haben. 

Unter der Herrschaft der polnischen Krone (15. bis 18. Jahrhundert) entwickelte sich in Danzig die Blütezeit der kunstvollen Bernsteinverarbeitung und Danziger Künstler schufen exquisite Schmuckstücke und Kunstgegenstände. Sie waren auch entscheidend an der Erschaffung des berühmten, nach dem Zweiten Weltkrieg in Königsberg verschollenen Bernsteinzimmers beteiligt. 

Danzig gilt heute als die Welthauptstadt des Bernsteins, denn fast 90 % des weltweit vorkommenden und drei Viertel des bearbeiteten Bernsteins weltweit stammen aus Danzig und seiner Umgebung. Die Bernsteinverarbeitung stellt einen wichtigen Wirtschaftszweig dar und prägt die Identität der Stadt. So ist nur folgerichtig, dass Danzig Gastgeber der jährlich stattfindenden Bernsteinmesse “AMBERIF” ist. Auch gibt es an der Danziger Universität den weltweit einzigen Lehrstuhl für Bernsteinkunde, wo zu Bernsteinvorkommen, den chemischen Eigenschaften des Bernsteins und seiner historischen Bedeutung geforscht wird. 

Ein Meisterwerk der modernen Bernsteinverarbeitung findet ihr in der Brigittenkirche, in der ein beeindruckender Altar mit Tonnen von Bernstein geschaffen wurde.

Wer sich inspirieren lassen möchte, geht am besten in die Frauengasse, die vielleicht schönste Straße Danzigs. Sie strahlt noch am ehesten den alten Danziger Charme durch ihre vielen Beischläge und ihre Enge aus. Dort gibt es eine große Auswahl an Geschäften, die Bernstein verarbeiten und verkaufen. Vor den Souterrains stehen Verkaufstische oder Ständer mit einer Auswahl des angebotenen Schmucks. 

Anschließend könnt ihr eine Pause bei einem Bernstein-Bier einlegen oder, wenn ihr immer noch nicht genug bekommen habt, euch kunstvolle Exponate im Bernstein-Museum anschauen, das sich in der Großen Mühle befindet.

Bernsteinmuseum
Adresse: Wielkie Młyny 16, 1680-849 Gdańsk
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10:00 Uhr bis 18:00, montags 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Eintritt: 35 Zloty/8,18 Euro (reduziert 25 Zloty/5,85 Euro, Familien 94 Zloty/21,98 Euro), montags frei

Den Ausblick von der Marienkirche genießen

Am Ende der Frauengasse erhebt sich die Marienkirche, die größte Backsteinkirche der Welt, die bei eurem Rundgang nicht fehlen darf. Mit seinen gewaltigen Dimensionen ragt das gotische Bauwerk (erbaut von 1343 bis 1502) beeindruckend über die Dächer der Stadt und prägt das Danziger Stadtbild. Im Inneren erwartet euch ein imposanter, lichtdurchfluteter Raum, der durch die gotischen Spitzbögen und das weiße, schlichte Interieur eine fast schon mystische Atmosphäre ausstrahlt. Durch das dominierende Weiß kommen auch die tiefen bunten Glasfenster wunderbar zur Geltung. Bis zu 25.000 Personen finden hier Platz.

Besonders spannend ist auch die astronomische Uhr aus dem 15. Jahrhundert, die im Innenraum der Kirche thront. Mit über 14 Metern Höhe war sie seinerzeit die größte Uhr der Welt und zeigte nicht nur die Uhrzeit, sondern auch Kalenderdaten an. Darüber hinaus wurden Figurenspiele eingebaut, so dass z. B. Adam und Eva immer zur vollen Stunde die Glocke schlugen. Das Wunderwerk mittelalterlicher Mechanik versagte bereits 1553 seinen Dienst und konnte erst 1993 nach 440 Jahren des Stillstands wieder zum Laufen gebracht werden. Täglich um 11:57 Uhr wird das Figurenspiel gezeigt.

Ein weiteres Highlight, das sich wirklich lohnt, ist der Aufstieg auf den Turm. Ja, es sind fast 400 Stufen, die zunächst über eine schmale Wendeltreppe und dann auf normalen Treppen entlang der Kirchturmmauern hochführen.

Unterwegs hört man viel Gekeuche, Pusten und Flüche, aber oben angekommen, werdet ihr mit einem grandiosen 360-Grad-Panorama über die gesamte Stadt und die Ostsee belohnt. Ihr könnt die Gassen der Rechtstadt, die prächtigen Fassaden und die vielen Kräne im Hafen aus einer völlig neuen Perspektive erleben. An klaren Tagen reicht der Blick bis zur Westerplatte und zu den Stränden der Umgebung – der perfekte Ort, um die Seele baumeln und den Blick schweifen zu lassen.

Turmaufstieg Marienkirche
Adresse: Podkramarska 5, 80-834 Gdańsk
Öffnungszeiten: täglich von 10:00 Uhr bis 19:30 Uhr
Eintritt: 18 Zloty/4,20 Euro (reduziert 10 Zloty/2,34 Euro), bar oder mit Karte

Nach dem Abstieg könnt ihr euren Besuch in der Marienkirche entspannt in einem der netten kleinen Cafés in der Nähe ausklingen lassen.  

Bummel an der Mottlau

Von der Marienkirche spaziert ihr in wenigen Minuten durch eines der historischen Stadttore direkt zur Uferpromenade an der Mottlau, auch als Lange Brücke bekannt. Besonders im Sommer ist hier einiges los, wenn sich Touristen und Einheimische auf der beliebten Promenade tummeln. In den zahlreichen Cafés und Restaurants könnt ihr das bunte Geschehen entspannt bei einem Getränk beobachten und die maritime Atmosphäre genießen.

Auf dem Wasser sind heute nur noch Fähren, Ausflugsschiffe und kleine Boote oder Paddler zu sehen, früher aber war die Lange Brücke der Hafenkai, an dem zahlreiche Schiffe anlegten und entladen wurden. Es herrschte geschäftiges Treiben auf den damals noch schmalen Holzbohlenwegen. Statt schicker Restaurants wimmelte es von zwielichtigen, lauten Hafenkneipen, in denen Seeleute und Hafenarbeiter betrunken rein- und rausfielen und nach Bier und Schnaps stanken.

Das Lokal „Danziger Bowke” (Gdański Bowke) an der Promenade ist natürlich keine finstere Kaschemme, der Name „Bowke” spielt aber auf windige Gestalten an, die oft betrunken an der Mottlau herumlungerten und Ärger verursachten.

(Erstes Bild der Langen Brücke: Photochrom aus der Sammlung der Library of Congress, public domain, via Wikimedia Commons)

Das Frachtgut der Schiffe landete in den großen Lagerhäusern der Speicherinsel. Die über 300 Speicher bildeten seinerzeit das größte Warenlager Europas. Es herrschte strenges Feuerverbot auf der Insel, was aber die Feuerwalzen des Krieges nicht aufhalten konnte: Zuerst 1813 beim Kampf der Preußen gegen Napoleon und zum zweiten Mal 1945 blieben nur noch verkohlte Ruinen übrig. 

Was man sich beim heutigen Anblick der Speicherinsel kaum vorstellen kann: Die Ruinen der Speicher bröckelten bis Anfang der 2010er Jahre vor sich hin. Ein polnischer Bekannter, mit dem wir durch die Stadt bummelten, erklärte uns, dass die Speicherinsel eine Kriegswüste gewesen sei und die Stadt eigentlich dort geendet habe. Der auf der anderen Seite der Mottlau liegende Stadtteil Niederstadt war ebenfalls lange Zeit dem Verfall preisgegeben und bekannt als finsteres, unsicheres Viertel. Mittlerweile erstrahlt die Speicherinsel mit ihren Bauten im Speicherstil in neuem Glanz und beherbergt vor allem Hotels und Restaurants.

(Foto Juli 2010: Steffen Voß, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons; Foto Sept. 2018: Tomasz Sienicki, [user: tsca, mail: tomasz.sienicki at gmail.com], CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, Bildbearbeitung: Aufhellung).

Entlang der Langen Brücke befinden sich insgesamt sieben Tore, mit denen früher der wasserseitige Zutritt zur Stadt gesichert wurde. Darunter auch das berühmte Wahrzeichen Danzigs, das Krantor. Bei seiner Erbauung zwischen 1442 und 1444 soll es der größte Hafenkran Europas gewesen sein. Im Inneren befindet sich heute das Nationale Maritime Museum.

Am Ende der Promenade gelangt ihr zum Fischmarkt. Hier muss es früher laut hergegangen sein, wenn die berühmten Danziger Fischfrauen Flundern, Aale oder Pomucheln angepriesen haben. Ein Teil des Marktes erstreckte sich auch auf angetäute Kähne im Wasser. Irgendwie überkommt mich bei der Vorstellung daran eine leichte Wehmut. Heutzutage prägen Touristen und Ausflugsschiffe das Bild des Hafens. Auch in der Rechtstadt scheint es nur noch Restaurants, Souvenirshops und Bernsteinläden zu geben, aber keine Metzger oder Schuhmacher, die Spuren des echten Lebens.

Aber Wandel findet immer statt, und er setzte im Hafengebiet schon viel früher ein. Denn je größer die Lastkähne wurden, desto schwieriger wurde es, den weit innen gelegenen Hafen Danzigs zu erreichen. Und so verlagerte sich der Hafen allmählich direkt an die Ostsee, die Schiffe in Danzigs Hafen wurden kleiner und kleiner, und Leben und Leute an der Langen Brücke veränderten sich.

Ein Abstecher ins Danziger Hafenareal lohnt sich definitiv – am besten erkundet ihr es bei einer Bootstour zur Westerplatte. Mit frischer Seeluft im Gesicht gleitet ihr vorbei an alten Hafenanlagen, riesigen Schiffen und rauchenden Kohleverladeplätzen. Zwischen dem Charme alter Industrieanlagen tauchen immer wieder schicke, moderne Apartmenthäuser auf, die direkt neben verfallenen Altbauten stehen – ein spannender Kontrast, der Danzig so besonders macht. Die Mischung aus großer maritimer Vergangenheit und urbanem Aufbruch ist hier förmlich zu spüren.

Tipp: Die Bootstouren zur Westerplatte starten beim Fischmarkt, wo ihr entweder mit dem Holzboot im Piratenstyle (Abfahrt immer zur vollen Stunde ab 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr, Kosten 85 Zloty/19,85 Euro für Erwachsene und 65 Zloty/15,20 für Kinder) oder der Fähre fahren könnt. Beide Schiffe fahren relativ zeitgleich ab, da für die Ausfahrt die Brücken geöffnet werden müssen. 

Ein faszinierender Anblick übrigens, wenn die Brücke auf einmal hoch in den Himmel ragt. Fußgänger müssen dann einige Minuten warten, wenn sie auf die andere Flussseite wollen. 

Auf der Spur der Danziger Hewelion-Löwen 

Gegenüber vom Fischmarkt seht ihr schon von weitem das Riesenrad auf der Bleihofinsel aufragen. In den umliegenden restaurierten Speichergebäuden befinden sich die Ostsee-Philharmonie, ein Hotel und ein weiterer Bereich des Nationalen Maritimen Museums. Dazu gehört auch die Sołdek, das erste nach dem Krieg in Danzig gebaute Schiff, das vor dem Museum liegt. Mit dem Mottlau-Ufer ist die Insel erst seit 2017 durch eine Klappbrücke verbunden. Als wir dort herumspaziert sind, haben wir per Zufall diesen kleinen Löwen entdeckt.

Nanu, dachte ich. Erinnerte mich irgendwie an die Zwerge von Breslau und ich fragte mich unwillkürlich, ob es davon noch mehr gibt. Ja, gibt es. Insgesamt 16 Bronzefiguren wurden im Danziger Stadtgebiet verteilt und sollen die Besucher auf besondere Orte aufmerksam machen. So kann man auf unterhaltsame Weise eine Rundtour durch Danzig gestalten. Der Löwe wurde ausgewählt, weil er ein wichtiges Symbol Danzigs darstellt, das sich auch im Wappen der Stadt wiederfindet. Der Name „Hewelion” ist ein Wortspiel, das sich aus dem Nachnamen des berühmten Danziger Astronomen Johannes Hevelius und dem englischen Wort für Löwe – “lion” – zusammensetzt. 

Leider waren wir da schon am Ende unseres letzten Aufenthalts angelangt, so dass wir nur noch einen weiteren Löwen vor dem Neuen Rathaus, im Gewand eines Stadtrats, entdeckt haben. Das Gebäude hat eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich und beherbergte u. a. das Generalkommando, den jeweiligen Hohen Kommissar des Völkerbundes und das Wehrkreiskommando.

Beim nächsten Besuch werde ich auf jeden Fall nach weiteren kleinen Löwen Ausschau halten.

Die Altstadt Danzigs entdecken

Vom Fischmarkt aus geht es hinter dem Schwanenturm, der aus dem 15. Jahrhundert als Teil der Befestigungsanlage Danzigs stammt, weiter in die Altstadt. 

Anders als die prächtig wiederaufgebaute Rechtstadt ist die Altstadt etwas bescheidener und weniger auf Hochglanz poliert, es wirkt alles ein wenig rustikaler. Kleine Gassen mit Kopfsteinpflaster, alte bröckelige Fachwerkhäuser, dazwischen schnöde Nachkriegsbebauung. Hier befindet sich auch die Polnische Post, die zu Bekanntheit gelangte, weil sie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen angegriffen wurde und die Postbeamten erbitterten Widerstand leisteten. Daran erinnert nun ein Museum im Gebäude.

Bei schönem Wetter lohnt sich ein Spaziergang entlang der Radaune, bei dem ihr auch zu der Kleinen und der Großen Mühle gelangt. Die Große Mühle auf der Radauneinsel wurde im 14. Jahrhundert vom Deutschen Orden errichtet und galt damals als die größte Mühle Europas. Mit ihren 18 Mühlrädern konnte sie bis zu 200 Tonnen Getreide pro Tag verarbeiten, genug, um die ganze Stadt mit Brot zu versorgen. Bis zu ihrer Zerstörung 1945 lief die Mühle fast ununterbrochen. Der historische Charme der Mühle wurde bei der Instandsetzung erhalten, im Inneren befindet sich heute das Bernsteinmuseum.

Bei der Kleinen Mühle hingegen handelte es sich entgegen ihrer Bezeichnung nicht um eine Mühle, sondern um einen Getreidespeicher. Darin wurden die Produkte der Großen Mühle gelagert. 

Gegenüber der Kleinen Mühle befindet sich die schon erwähnte Brigittenkirche mit ihrem riesigen Bernsteinaltar. Berühmt ist sie aber eher wegen ihrer Rolle während der Solidarność-Bewegung, als sie als Treffpunkt der Gewerkschaft diente. Dem Kampf der Werftarbeiter für Demokratie ist auch der Altar gewidmet. Als einzige Kirche Danzigs verlangt sie eine geringe Eintrittsgebühr. 

Brigittenkirche
Adresse: Profesorska 17, 80-001 Gdańsk
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10.00 bis 18:30, Sonntag 13:30 bis 18:30
Eintritt: 6 Zloty/1,40 Euro, Kinder 3 Zloty/0,70 Euro

Danziger Werft: Ausgangspunkt der Solidarność-Bewegung

Apropos Werft und Solidarność: Von der Altstadt aus gelangt ihr auch schnell zum Werftgelände. Wer sich für die Solidarność-Bewegung interessiert, sollte einen Abstecher zum Museum auf dem Werftgelände einplanen.

Beim Eingang zur Werft trefft ihr auf das ikonische Tor Nr. 2 der ehemaligen Lenin-Werft: 1970 schoss die Miliz hier auf streikende Werftarbeiter. An die Toten erinnert das wuchtige Denkmal vor dem Tor.

Zehn Jahre später wurde die Gewerkschaft Solidarność gegründet. Unmittelbarer Auslöser dafür war die Entlassung der Kranführerin Anna Walentynowicz, die wegen ihres Engagements in der Arbeiterbewegung gefeuert worden war, obwohl ihr nur noch fünf Monate bis zum Erreichen der Pension fehlten. Angeführt von Lech Wałęsa erzwangen sie mit ihren Streiks zwar zunächst die Zulassung unabhängiger Gewerkschaften, das Blatt wendete sich aber bald, indem 1981 das Kriegsrecht verhängt wurde und ihre Führer verhaftet wurden. Es war ihnen jedoch gelungen, Solidarność in eine landesweite dauerhafte Bewegung mit Millionen von Anhängern zu verwandeln. 1989 schließlich gewann die Bewegung in den ersten halbfreien Wahlen und ebnete damit den Weg für das Ende des Kommunismus in Polen sowie für demokratische Reformen in ganz Osteuropa.

Die Geschichte der Bewegung kann im Europäischen Zentrum der Solidarität nachvollzogen werden, das gleich hinter dem Tor Nr. 2 emporragt. Die beeindruckende Architektur des Museums mit rostigen Stahlwänden erinnert an die Schiffbau-Tradition Danzigs. Die Außenfassade aus Cortenstahl ist rau, industriell und soll an die Schiffsrümpfe erinnern, die hier einst gebaut wurden. Im Inneren überrascht das Erdgeschoss mit einem grünen Garten, der einen interessanten Kontrast zur strengen Außenhülle bildet und das Thema Hoffnung und Neuanfang symbolisiert.

Das Zentrum selbst ist nicht nur ein Museum, sondern ein lebendiger Ort des Dialogs und der Erinnerung. Hier könnt ihr in interaktiven Ausstellungen den Weg der Solidarność nachvollziehen, mit Bildern, Filmen und originalen Gegenständen wie z. B. das Führerhaus des Krans, in dem Anna Walentynowicz gearbeitet hat. Beeindruckend sind auch die hölzernen Tafeln, auf denen die Werftarbeiter 1980 ihre 21 Forderungen niederschrieben – sie gehören heute zum UNESCO-Welterbe.

Europäisches Zentrum für Solidarität
Adresse: pl. Solidarności 1, 80-863 Gdańsk
Öffnungszeiten: von Mai bis Sept. – montags bis freitags 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr, am Wochenende 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr; von Okt. bis April – montags und mittwochs bis freitags 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr, am Wochenende von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr, dienstags geschlossen
Eintrittspreise für die permanente Ausstellung inkl. Audioguide: 35 Zloty/8,18 Euro (reduziert 30 Zloty/7,02 Euro), weitere Ticketoptionen für Gruppen und Familien

Das Werftgelände wirkt heute ziemlich heruntergekommen, und ich fragte mich schon, ob hier überhaupt noch jemand arbeitet, als plötzlich eine ganzer Schwung Werftarbeiter auftauchte und vom Gelände strömte – offensichtlich war gerade Schichtende. Der heutige Zustand hat jedoch kaum noch etwas mit den Zeiten zu tun, als die Danziger Werft ein pulsierendes Zentrum der polnischen Schiffbauindustrie war. Während Ende der achtziger Jahre noch fast 15.000 Menschen hier beschäftigt waren, sind es heute weniger als 1.000.

Wer übrigens mal auf einen echten Hafenkran steigen möchte, kann dies völlig legal auf dem Żuraw M3 für 20 Zloty/4,68 Euro.

Kulinarische Tipps

Bei einem Städtetrip nach Danzig kommt ihr kulinarisch voll auf eure Kosten – besonders, wenn ihr Fisch liebt! Die Fischrestaurants entlang der Mottlau bieten frischen Ostseefisch, oft direkt vom Kutter auf den Teller. Ob gebratene Heringe, fangfrischer Dorsch oder geräucherter Heilbutt – hier schmeckt man die Nähe zum Meer. Wer Suppen mag, sollte unbedingt die schmackhafte Fisch-Bouillabaisse probieren, die in vielen Fischrestaurants serviert wird, oder eine erfrischende kalte Rote-Beete-Suppe, die fast überall auf der Karte steht. Ein Muss sind auch die Pierogarnias, die traditionellen Teigtaschen-Restaurants, wo ihr Piroggen in allen möglichen Varianten probieren könnt: gefüllt mit Fleisch, Pilzen, Sauerkraut oder süßen Früchten. Für eine nostalgische Reise in die polnische Alltagsküche solltet ihr eine der Milchbars besuchen. Diese einfachen, kantinenähnlichen Lokale servieren deftige Hausmannskost zu unschlagbaren Preisen – ideal für eine schnelle, authentische Mahlzeit.

Hier eine Auswahl:

Rybka na Wartkiej

Sehr empfehlenswertes Fischrestaurant mit gemütlicher Atmosphäre direkt an der Mottlau mit Blick auf das Riesenrad.

Rybka na Wartkiej
Adresse: Wartka 5, 80-841 Gdańsk
Öffnungszeiten: täglich 12:00 Uhr bis 22:00 Uhr

Targ Rybny

Gehobene Fischküche am Fischmarkt. Reservierungen sind zu empfehlen. Aufpassen beim Bezahlen, da in der Rechnung automatisch eine Servicepauschale von 10 % ausgewiesen wird.

Restauracja Targ Rybny Fishmarkt
Adresse: Targ Rybny 6C, 80-838 Gdańsk
Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 13:00 Uhr bis 22:00 Uhr, freitags bis samstags 12:00 bis 23:00 Uhr, sonntags 12:00 Uhr bis 22:00 Uhr
E-Mail für Reservierungen: restauracja@targrybny.pl

Restauracja Rybakówka

Gemütliches Fischrestaurant mit entspannter Atmosphäre und freundlichen Bedienungen auf der Speicherinsel.

Restauracja Rybakówka
Adresse: Stągiewna 7/1, 80-750 Gdańsk
Öffnungszeiten: täglich 12:00 Uhr bis 22:00 Uhr

Bar Mleczny Stągiewna

Ebenfalls auf der Speicherinsel ein paar Häuser weiter findet ihr die Milchbar „Bar Mleczny Stągiewna”, eine klassische Milchbar, die euch in die polnische Alltagsküche entführt. Hier bekommt ihr deftige Gerichte wie Pierogi, Schnitzel und Kartoffelbrei zu unschlagbaren Preisen – perfekt für ein schnelles und authentisches Essen. Die Atmosphäre ist einfach und unprätentiös, genau wie die Gerichte selbst.

Ihr schnappt euch ein Tablett, sucht euch an der Tafel ein Hauptgericht aus und bekommt es wie in einer Kantine von der Dame hinter der Vitrine. Salate, Desserts oder Getränke könnt ihr euch selbst nehmen. An der Kasse wird alles bezahlt.

Bar Mleczny Stągiewna
Adresse: Stągiewna 15, 80-750 Gdańsk
Öffnungszeiten: täglich 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Café Pikawa

Das Café Pikawa ist eine charmante Adresse in Danzig, wenn ihr auf der Suche nach einem gemütlichen Café für Kaffee und Kuchen seid. Mit seinem liebevoll-vintage eingerichteten Innenraum und der entspannten Atmosphäre lädt das Café für eine Pause ein. Auf der Terrasse könnt ihr die schöne Aussicht auf die Marienkirche bei hausgemachten Kuchen (z. B. Apfelstrudel) und kreativen Erfrischungsgetränken genießen.

Café Pikawa
Adresse: Piwna 14/15, 80-831 Gdańsk
Öffnungszeiten: montags bis freitags 10:00 Uhr bis 22:00 Uhr, am Wochenende 10:00 Uhr bis 23:00 Uhr

White Rabbit Consular Bar

Das White Rabbit liegt direkt am Langen Markt, so dass ihr bei Kaffee oder einem kalten Bier entspannt das bunte Treiben verfolgen könnt. Unter der Woche sogar recht günstig, da von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr Happy Hour ist. So haben wir für zwei Biere nur einmal bezahlt.

White Rabbit Consular Bar
Adresse: Dlugi Targ 11/12, 80-748 Gdańsk
Öffnungszeiten: täglich 12:00 Uhr bis 3:00 Uhr

Fazit

Danzig ist definitiv eine meiner Lieblingsstädte – eine Mischung aus maritimem Flair, historischen Ecken und ständigem Wandel. Die Hafenatmosphäre mit den vielen Wasserwegen, das allgegenwärtige Möwengeschrei und die frische Brise versprühen ein tiefes Gefühl von Freiheit und Weite. Die Stadt steckt voller Dynamik, entwickelt sich ständig weiter und es wird nie langweilig. Im Sommer ist man schnell an den Stränden oder kann eine Bootstour machen. Danzig ist nicht perfekt und trägt noch immer die alten Narben, die ihre Geschichte erzählen. Doch genau diese Mischung aus Vergangenheit und Aufbruch macht die Stadt so spannend und authentisch.

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