Die schönsten traditionellen Kaffeehäuser in Prag

Prag hat eine überaus lebendige und traditionsreiche Kaffeehauskultur. Heute möchte ich euch ein paar wunderschöne Kaffeehäuser vorstellen, die überwiegend bereits um die Jahrhundertwende eröffnet wurden und die ihr bei eurem nächsten Besuch in Prag nicht verpassen solltet.

Früher stellten Kaffeehäuser einen zentralen Ort des gesellschaftlichen Austauschs dar und waren beliebter Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen. Groß, mit hohen Decken, teilweise mit riesigen Kristallleuchtern, Stuck an den Wänden, voller Geschichte und mit einem angenehmen, professionellen Service, eine wunderbare Erfindung.

Stundenlang könnte ich darin verweilen bei einem leckeren Stück Kuchen und einem Kaffee oder Tee und das Treiben rund um mich herum beobachten. Die Atmosphäre genießen und dabei in einem Buch versinken. Einfach die Zeit plätschern lassen und sich nicht vom Blick auf die Uhr oder etwaigen Verpflichtungen stören lassen.

In Berlin sind solche Plätze leider Mangelware, ganz anders aber in Prag und Wien, wo ich regelmäßig hinfahre. Welches das schönste Kaffeehaus ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters, aber jedes hat seinen ganz eigenen Charme.

Café Louvre

Mein unangefochtenes Lieblingscafé in Prag ist das Café Louvre. Es öffnete seine Pforten bereits 1902 und bildete einen Treffpunkt für viele bekannte Persönlichkeiten der Prager Gesellschaft. An einigen Tischen befinden sich kleine Hinweistafeln, denen man entnehmen kann, wer ebenfalls schon an dieser Stelle gesessen haben soll. So kann es passieren, dass man sich in geistiger Gesellschaft mit Albert Einstein wiederfindet.

Auf allen Tischen liegen ein kleiner Block und ein Bleistift aus, eine kleine Hommage an die ehemals lebendige literarische Szenerie im Café Louvre. Franz Kafka und Max Brod waren Stammgäste und schrieben an ihren Manuskripten oder diskutierten über Gott und die Welt. Hier wurde auch der tschechoslowakische PEN-Club gegründet.

Früher dehnten sich die Räumlichkeiten bis in den Keller des Gebäudes aus, wo sich neben einem Jazzclub eine Weinbar und ein Restaurant befanden. Mit der Übernahme durch die Kommunisten begangen jedoch schwere Zeiten. 1948 wurde das Café geschlossen und das Interieur vernichtet. Erst im Zuge der Wende wurde das Café nach umfassender Renovierung 1992 in verkleinerter Form wiedereröffnet und versprüht seitdem wieder den großartigen Charme des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Der Innenraum ist sehr gemütlich gestaltet, mit Segmentbögen, Stuckdekor und Wänden in rosa und cremefarben.

Neben dem Café gibt es noch eine Sommerterrasse, einen weiteren kleinen Saal sowie einen großen Billardsaal im ersten Stock des Gebäudes. Seine Zeit kann man mit Zeitungslektüre oder auch mit Schach verbringen. Auf Anfrage stellt der Service ein Spielbrett zur Verfügung.

Man bekommt hier hervorragende Kaffeespezialitäten wie zum Beispiel den Café au lait als halben Liter aus dem Kännchen (für gerade einmal 3,50 Euro). Das Angebot umfasst Frühstück, Mittag- und Abendessen, wobei es mittags zusätzlich zur Karte wechselnde günstige Gerichte gibt. Wir haben hier schon mehrfach gefrühstückt und zu Mittag gegessen und waren immer sehr zufrieden. Großartig ist auch die Schokotorte mit flüssigem Kern.

Zum Frühstück empfiehlt es sich, einen Tisch online zu reservieren. Andernfalls muss man gegebenenfalls eine gewisse Wartezeit einkalkulieren.

Café Louvre
Národní třída 22, 1100 00 Prag 1 – Nové Město
www.cafelouvre.cz

Café Imperial

Ein ebenfalls sehr beeindruckendes Kaffeehaus, wenngleich ganz anders in der Atmosphäre als das Café Louvre, ist das Café Imperial im gleichnamigen Hotel. Es wurde 1914 im Art-Deco Stil eröffnet und ist deutlich pompöser. Die Wände sind mit einem Keramikmosaikdekor mit altertümlichen floralen und Tiermotiven gestaltet. Mit seinen Säulen, hohen Decken und Mosaikverzierungen erinnert es an eine französische Brasserie.

Das Café Imperial erlitt ein ähnliches Schicksal wie das Café Louvre: 1948 wurde es von den Kommunisten geschlossen, das Interieur zerstört und die Räumlichkeiten den Gewerkschaften übergeben. Nur die Mosaikverkleidung ist im Original erhalten. Nach einer umfassenden Renovierung im Zuge der Wende erfreut es sich seit seiner Wiedereröffnung wieder großer Beliebtheit.

Chefkoch ist der berühmte tschechische Fernsehkoch Zdeněk Pohlreich, was sich auch in der saisonalen internationalen Speisekarte widerspiegelt. Aufgrund der zahlreichen Besucher empfiehlt sich eine Reservierung mehrere Tage im Voraus. Auch wird auf einen gewissen Dresscode („smart casual“) Wert gelegt. Inwieweit tatsächlich darauf geachtet wird, scheint eher fraglich, weil wir auch einige Gäste mit Jeans, Hoodies und Turnschuhen gesehen haben.

Der Service ist in der Regel sehr aufmerksam, eine Hostess im Eingangsbereich prüft Reservierungen oder bei spontanen Besuchen, ob noch freie Tische vorhanden sind und führt an den Tisch. Allerdings wirkt alles ein wenig geschäftsmäßig und wenig herzlich. Im Louvre fühle ich mich wohler.

Das Essen ist allerdings klasse. Bei unserem letzten Besuch haben wir hier gefrühstückt, und meine Spiegeleier waren wirklich perfekt auf den Punkt.

Café Imperial
Na Poříčí 15, 110 00 Prag 1 – Nove Město
www.cafeimperial.cz

Kavárna Slavia

Das bekannteste Café in Prag ist das Kavárnia Slavia direkt an der Moldau. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1884 verbrachten hier neben Intellektuellen und Literaten vor allem Schauspieler ihre Zeit, was auf die Lage gegenüber dem Nationaltheater zurückzuführen ist.

Stammgäste waren unter anderen der Komponist Bedřich Smetana und der Schriftsteller Jaroslav Seifert, tschechischer Literaturnobelpreisträger. Von diesem ist überliefert, dass er im Café Slavia seinen Kaffee mit Absinth getrunken habe. Passend dazu hängt im Café das Gemälde „Der Absinthtrinker“ von Viktor Olivia (1902). Gleich neben dem Bild war der Stammplatz von Václav Havel, woran ein Foto von ihm erinnert.

Obwohl sich die literarische Szene eher im Café Louvre tummelte, ist es das Café Slavia, das häufig literarisch verewigt wurde, etwa in einem Gedicht des bereits erwähnten Jaroslav Seifert mit dem Namen „Café Slavia“ oder in einem eigenen Roman von Ota Flip aus dem Jahr 1985 mit demselben Titel.

Das Kavárna Slavia ist im Art Deco-Stil eingerichtet und hat einen deutlich größeren Gastraum als etwa das Café Louvre. Das macht es für mich allerdings auch etwas ungemütlicher. Es herrscht immer ein gewisser Geräuschpegel, welcher abends ab 17:00 Uhr noch von einem Klavierspieler begleitet wird. Verglichen mit dem Café Imperial ist das Slavia fast als schlicht zu bezeichnen. Es hat allerdings von allen Kaffeehäusern die mit Abstand beste Aussicht, nämlich durch breite Glasfenster direkt auf die Moldau und die gegenüberliegende Burg.

Anfang der 1990er Jahre mietete ein amerikanischer Investor das Kavárna Slavia und schloss das Café. Erst nach vielen Protesten fand 1998 eine feierliche Wiedereröffnung statt.

Kavárna Slavia
Smetanovo Nabrezi 1012/2
110 00 Prag 1 – Staré Město

Café Savoy

Das Café Savoy sieht zwar aus wie ein klassisches elegantes Kaffeehaus der Jahrhundertwende, kann allerdings nicht auf eine solch lange Tradition zurückblicken. Das tut seinem Charme jedoch keinen Abbruch.

Das Haus, in dem sich das Café Savoy befindet, stammt aus dem Jahr 1893. Daher liest man des Öfteren, dass das Café von 1893 stamme. Tatsächlich wurde hier auch über die Jahrhundertwende bis 1915 ein Café betrieben, man weiß jedoch nicht mehr, wie es aussah. Die Räume wurden anschließend einer anderen Nutzung zugeführt.

Erst bei Renovierungsarbeiten nach der Wende trat das wertvolle Deckenfresko unter der zuvor abgehängten Decke wieder zum Vorschein und wurde restauriert.

Das Café in seiner jetzigen Form existiert seit 2004. Bei der Inneneinrichtung haben sich die Betreiber nach eigenem Bekunden von Kaffeehäusern aus Wien und Paris inspirieren lassen und so eine Ästhetik geschaffen, die sich sehen lassen kann. Es gibt eine hauseigene Konditorei, die die Leckereien zu Kaffee und Tee herstellt. Daneben werden Frühstück, Mittagstisch sowie Abendessen angeboten.

Da das Café vor allem in der Frühstücks- und Mittagszeit gut frequentiert ist, empfiehlt sich eine Reservierung.

Café Savoy
Vítězná 5, 150 00 Prag 5 – Malá Strana
www.cafesavoy.ambi.cz

Café im Gemeindehaus (Obecní dům)

Das Café im Gemeindehaus (Kavárna Obecní dům) ist von allen Kaffeehäusern das prächtigste. Es befindet sich im Erdgeschoss des Gemeindehauses. Errichtet wurde es zwischen 1906 und 1912, nachdem deren Architekten Antonín Balšánek und Osvald Polívka zuvor einen Architektenwettbewerb der Stadt Prag gewonnen hatten. 

Früher befand sich an dieser Stelle der ehemalige Königshof, der 1904 abgerissen wurde und von dem nur noch der Übergang zum angrenzenden Pulverturm erhalten ist. An der prunkvollen Innenausstattung im Jugendstil wirkten zahlreiche bekannte Künstler und Bildhauer mit und erschufen so ein Gesamtkunstwerk, das seinerzeit auch wegen der Modernität seiner technischen Funktionen (z. B. Lüftungsanlage, Telefonzentrale, Aufzugssysteme) – einzigartig in Europa war.

Bestaunen kann man das Gebäude bei kommentierten Führungen. Neben dem Kaffeehaus befinden sich im Gebäude im ersten Stock der Smetana-Saal, in dem die bedeutendsten Konzerte des internationalen Musikfestivals “Prager Frühling” stattfinden, ein französisches und ein Pilsner-Restaurant sowie eine Reihe von sehenswerten Sälen. 

Auch politisch ist das Gemeindehaus in Erscheinung getreten. So wurde hier am 28. Oktober 1918 die Gründung der Tschechoslowakischen Republik ausgerufen. 1989 schließlich wurde das Gebäude zum Nationaldenkmal erklärt und es fanden hier erste Annäherungen zwischen den Kommunisten und Vertretern des Bürgerforums mit Václav Havel an der Spitze statt.

Wer reichhaltigen Jugendstildekor schätzt, kommt im Café des Gemeindehauses voll auf seine Kosten. Es ist im Gegensatz zu vielen anderen Prager Kaffeehäusern nicht dem Vernichtungsrausch der Kommunisten in die Hände gefallen und teilweise noch im Originalzustand erhalten. An anderen Stellen wurde nach Originalplänen nachgebaut. Aufgrund der Größe des Cafés findet man eigentlich immer ein Plätzchen, zumindest hatten wir bei unseren zwei Besuchen dort nie ein Problem, einen Tisch zu bekommen. Dennoch muss ich sagen, dass mir persönlich das Kavárna Obecní dům von allen genannten Kaffeehäusern am wenigsten gefallen hat. Meiner besseren Hälfte ging es übrigens auch so. Irgendwie sagte uns die Atmosphäre nicht zu und dazu war der Service an beiden Malen, die wir dort waren, sehr mittelmäßig.

Kavárna Obecní dům
Náměstí Republiky 5, 111 21 Prag 1 – Staré Město
www.kavarnaod.cz