Schloss Bran in Transsilvanien: Zu Besuch bei Dracula

Schloss Bran in Transilvanien: Ansicht von oben, inmitten einer grünen Waldlandschaft, im Bildvordergrund eine grüne Wiese und die Felsklippe, auf der das Schloss thront, links führt ein Weg zum Schloss, rechts ist ein Parkplatz mit 2 Autos zu sehen. Im Hintergrund sind vereinzelt Häuser zu erkennen. Stark bewölktes Wetter.

Schloss Bran ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rumäniens – und das aus gutem Grund: Majestätisch thront es auf Felsklippen inmitten der südlichen Karpaten und inspiriert seit jeher Mythen und Legenden. Dracula ist zwar die berühmteste, aber längst nicht die einzige. Wenn ihr Burgen mit rustikalem, mittelalterlichem Flair schätzt, seid ihr hier genau richtig. Was euch bei einem Besuch auf Schloss Bran erwartet und welche Tipps euren Ausflug zu einem besonderen Erlebnis machen, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Anreise zu Schloss Bran

Schloss Bran liegt etwa 30 km südwestlich von Braşov (Kronstadt) entfernt im kleinen Ort Bran (Törzburg), der von Bukarest aus in zweieinhalb bis drei Stunden erreichbar ist. Daher kann man Schloss Bran auch im Rahmen eines Tagesausflugs von Bukarest aus besuchen. Wer mit einem Mietwagen unterwegs ist, kann dann direkt zu Schloss Bran fahren. Ansonsten müsst ihr mit dem Zug erst nach Kronstadt und von dort mit dem Bus oder einem Uber bzw. einem Taxi weiterfahren.

Bequemer ist es allerdings, in Kronstadt zu übernachten und von dort aus zu Schloss Bran aufzubrechen. Dies geht ganz einfach, so dass ihr keine organisierte Tour buchen müsst.

Mit dem Mietwagen

Am schnellsten und flexibelsten ist die Anreise mit einem Mietwagen, da ihr völlig unabhängig von Zeitplänen der Busse einfach losfahren könnt. Die Fahrt von Kronstadt dauert ungefähr 30 Minuten, bei starkem Verkehr etwas länger. Es gibt mehrere Parkplätze gegen Gebühr und im Ort selbst kann ebenfalls geparkt werden, wenn ihr früh genug unterwegs seid.

Mit dem Bus

Da ich keinen Mietwagen hatte, sind wir mit dem Bus hingefahren, was auch sehr gut geklappt hat. Der Bus startet in Kronstadt vom Autogara 2 Transbus Codreanu (Adresse: Strada Avram lancu 114, Braşov 500068), ein kleiner, etwas verkommen wirkender Busbahnhof. Das graue regnerische Wetter tat sein Übriges für die etwas triste Atmosphäre.

Ein Ticket kostet 13 Lei/2,61 Euro und kann entweder per Karte am Ticketschalter des Bahnhofs oder in bar beim Fahrer bezahlt werden. Den richtigen Bus erkennt man am Schild vorne im Bus. Als vorletzter Halt steht dort fettgedruckt „Bran”. Kann man wirklich nicht übersehen. 

Die Kasse des Busfahrers bestand übrigens in einer simplen Schublade, was herrlich in der Zeit stehengeblieben wirkte.

Los geht es täglich ab 7:00 Uhr immer zur vollen Stunde den ganzen Tag über. In Bran ausgestiegen, müsst ihr – um zum Eingangsbereich des Schlosses zu gelangen – die Dorfstraße überqueren und ein Stück zurücklaufen, dann rechts in den Bazar rein.

Das sind diese wunderhübschen vorgebauten Souvenirbuden, wo allerhand Kitsch angeboten wird. Insbesondere hier wird versucht, mit dem Dracula-Mythos Kasse zu machen, z. B. mit einer Geisterbahn, Vampirtassen oder T-Shirts. Im Schloß selbst wird man davon glücklicherweise verschont. Ein Euronet-Automat darf hier natürlich auch nicht fehlen.

Die Haltestelle für die Rückfahrt ist gegenüber der Haltestelle von der Hinfahrt bei einer Fastfood-Bude. Links befinden sich einige Sitzmöglichkeiten. Ansonsten ist die Haltestelle nicht als solche erkennbar. 

Da der Bus im Nachbarort Moieciu (Moesch) immer stündlich um halb startet, ist der Bus ungefähr um Viertel vor in Bran. Die Fahrt selbst dauert ohne Stau etwa 45 Minuten.

Mit Uber oder Taxi

Neben Bus und Mietwagen bleibt als letzte Option noch ein Uber oder ein Taxi. Ein Uber nach Bran kostet um die 30 Euro. Schwierig dürfte es allerdings werden, ein Uber zurück nach Braşov zu bekommen. Für die Rückfahrt müsstet ihr dann auf ein Taxi oder den Bus zurückgreifen.

Eintrittspreise, Tickets, Öffnungszeiten und Besuchsdauer

Damit ihr euren Besuch auf Schloss Bran optimal planen könnt, habe ich einige praktische Informationen zu Eintrittspreisen, Ticketoptionen und Öffnungszeiten zusammengestellt:

Eintrittspreise (Stand Oktober 2024)

Das Standardticket für einen Erwachsenen kostet 70 Lei/14,06 Euro. Darüber hinaus gibt es einige Ermäßigungen: 

  • Senioren über 65: 50 Lei/10,04 Euro
  • Studenten: 40 Lei/8,03 Euro
  • Schüler: 20 Lei/4,02 Euro
  • Schulgruppen mit mehr als 20 Schülern: je 15 Lei/3,01 Euro

Kinder unter 7 sowie Personen mit Behinderungen haben freien Eintritt.

Ein Audio-Guide ist nicht inklusive und kostet 15 Lei/3,01 Euro extra. Zur Qualität kann ich nichts sagen, da ich mit meiner kleinen Tochter nicht dazu gekommen wäre, mir in Ruhe die Texte anzuhören und daher darauf verzichtet habe. In den Räumen befinden sich allerdings einige Hinweistafeln, so dass man schon eine gute Grundidee von den Räumlichkeiten, der Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner vermittelt bekommt.

Als weitere Extras kann man sich für 30 Lei/6,02 Euro den sogenannten Zeittunnel anschauen und für 20 Lei die Folterkammer. Aber dazu später mehr. 

Wo bekommt man die Tickets?

Tickets kann man online oder vor Ort erwerben. Gerade in der Hauptsaison macht ein Online-Ticket Sinn, um sich die Schlange vor den Kassen zu sparen. 

Vor Ort gibt es 8 Kassenmaschinen, an denen man bar oder mit Karte die Tickets kaufen kann.

Öffnungszeiten

Ein besonderes Augenmerk solltet ihr auf die Öffnungszeiten legen, da diese in der Nebensaison verkürzt werden. 

Hochsaison (1. Oktober bis 31. März):

Montags: 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Dienstags bis sonntags: 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Nebensaison (1. April bis 30. September):

Montags: 12:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Dienstags bis sonntags: 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Wieviel Zeit sollte ich für einen Besuch einplanen?

Je nachdem, wie intensiv ihr euch die jeweiligen Tafeln durchlest oder dem Audioguide lauscht und wieviel Fotos ihr macht, solltet ihr etwa 1,5 bis 2 Stunden für einen Besuch kalkulieren. Wir waren in 1,5 Stunden mit unserem Besuch fertig, wenn es jedoch nicht so voll gewesen wäre, hätten wir sicherlich noch eine halbe Stunde länger im Schloss verbracht. Auch haben wir auch keines der Extra-Angebote genutzt. 

Für das Dorf Bran braucht ihr keine weitere Zeit einzuplanen. Der Ort ist klein und sehr touristisch, so dass es sich nicht lohnt, dort länger herumzubummeln.

Tipps, wie man die Besuchermengen umgehen kann

Schloss Bran ist die Touristenattraktion Nr. 1 in Rumänien und entsprechend voll ist es dort leider auch, insbesondere, wenn gerade große Reisebusse ankommen. Da das Schloss innen recht klein ist, wird man bei entsprechenden Besucherzahlen gnadenlos von Raum zu Raum geschoben, so dass man kaum Zeit hat, sich den Audioguide in Ruhe anzuhören bzw. die Tafeln zu lesen und das Gesehene in Ruhe wirken zu lassen.

Die folgenden Tipps können helfen, Besuchermassen zu vermeiden und euren Besuch angenehmer zu gestalten:

  • Besuch in der Nebensaison: Grundsätzlich ist es am besten, wenn ihr euren Besuch in die Nebensaison legen könnt, da die Besucherzahlen in den Sommermonaten und Ferienzeiten mit Abstand am höchsten sind.
  • Unter der Woche: Verzichtet auf einen Besuch am Wochenende und geht stattdessen unter der Woche.
  • Nicht montags: Ich hatte nur an einem Montag Zeit und wähnte mich “sicher” vor Besuchermassen, da es bereits Oktober war und ein Wochentag. Montags öffnet das Schloss allerdings erst ab 12:00 Uhr, d. h. jeder, der einen Besuch in Erwägung zieht, hat bis 12:00 Uhr gut ausgeschlafen, gefrühstückt und wird um 12:00 Uhr dort sein. Dementsprechend voll war es dann auch bei meinem Besuch.
  • So früh wie möglich: Seid am besten direkt um 9:00 Uhr dort, wenn es losgeht, dann habt ihr die erste Stunde noch für euch. Ab 10:00 Uhr soll es sich schnell füllen. 
  • Alternativ – so spät wie möglich: Dies ist natürlich unberechenbarer, aber sofern ihr es morgens nicht einrichten könnt, stehen die Chancen auf einen ruhigen Besuch am Spätnachmittag sicherlich besser als mittags.

Was hat Schloss Bran mit dem Dracula-Mythos zu tun?

Schloss Bran wird häufig als „Draculas Schloss“ bezeichnet und intensiv im Zusammenhang mit der Dracula-Legende vermarktet. Es heißt, das Schloss habe Bram Stoker als Vorlage für das Schloss seines berühmten Vampirs in „Dracula“ gedient. 

In Stokers Roman (in Kapitel 27 bei Mina Harkers Tagebucheintrag vom 6. November) wird Draculas Schloss wie folgt beschrieben:

„Wir sahen die Burg in all ihrer imponierenden Größe oben auf dem Fels über einem tausend Fuß tiefen Abgrund schweben, und zwischen dem Fels und den angrenzenden Berghängen schien sich eine breite Schlucht aufzutun. Der Ort hatte etwas Wildes und Unheimliches.“

Diese Beschreibung passt nur zu Schloss Bran. Allerdings hat Stoker Transsilvanien nie selbst besucht und könnte lediglich durch ein Foto inspiriert worden sein.

Die Hauptfigur, Graf Dracula, soll auf Vlad III. Drăculea zurückgehen, einen walachischen Fürsten des 15. Jahrhunderts. Vlad war für seine Grausamkeit bekannt, besonders für das Pfählen seiner Feinde, was ihm den Beinamen „Vlad der Pfähler“ (Vlad Țepeș) einbrachte. Obwohl in der Ausstellung Vlad III. als Schlossherr zwischen 1431 und 1471 genannt wird, gibt es keine Beweise, dass er tatsächlich jemals auf Schloss Bran gelebt hat.

Stoker stieß in einer Bibliothek auf Informationen über den Fürsten, dessen Beiname „Dracula“ so viel wie „Sohn des Drachens“ oder „Sohn des Teufels“ bedeutet. Der Name faszinierte ihn offenbar so sehr, dass er ihn für seine Romanfigur übernahm.

Der heutige Ruf von Schloss Bran als „Draculas Schloss“ basiert also weniger auf historischen Tatsachen, sondern ist vielmehr das Ergebnis einer erfolgreichen touristischen Vermarktungsstrategie Rumäniens. 

Rundgang durch Schloss Bran

Nach dem Kassenbereich führt ein etwa 100 Meter langer Weg zum Schloss hinauf. Auf der rechten Seite des Weges vor dem Schloss befindet sich ein Kreuz aus dem 18. Jahrhundert, das 1922 auf Wunsch von Königin Maria von Rumänien dort zum Andenken an die Helden des Ersten Weltkriegs aufgestellt wurde. Von den Kommunisten vergraben, wurde es 2006 wieder an seine ursprüngliche Stelle gesetzt.

Der Zutritt zum Schloss erfolgt durch den Südturm. Über einige Treppen geht es durch eine große Holztür in den Eingangsbereich, wo die Tickets gescannt werden. 

Ursprung und Entwicklung von Schloss Bran

An den Wänden seht ihr zunächst eine Zeittafel mit den jeweiligen Schlossbewohnern. Schloss Bran wurde Ende des 14. Jahrhunderts als Festung gebaut, um die Grenze Transsilvaniens (damals noch Teil von Ungarn) zu verteidigen und die Handelswege durch die Bran-Schlucht zu schützen. Es diente auch als Zollstation. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer und wurde schließlich zur königlichen Residenz, als die Stadt Brașov es der rumänischen Königin Maria schenkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Kommunisten das Schloss und machten daraus ein Museum. Erst 2006 wurde es nach einem mehrjährigen Gerichtsverfahren an die Nachfahren der Königsfamilie zurückgegeben.

Der Rundgang durch Schloss Bran beginnt mit dem Aufstieg der Treppen und verläuft anschließend nach einer festen Route, die mit Pfeilen gekennzeichnet ist. Dabei geht es immer wieder treppauf, treppab, teilweise sind die Wege verwinkelt und eng. Kinderwagen oder Rollstühle sind hier also nicht nutzbar und dementsprechend habe ich den Buggy zusammengeklappt auf dem Rücken getragen.

Im Zentrum der Ausstellung: Königin Maria von Rumänien

Die Ausstellung konzentriert sich vor allem auf das Leben und die Persönlichkeit von Königin Maria von Rumänien. Sie war beim Volk äußerst beliebt, da sie eine entscheidende Rolle bei der Bildung des rumänischen Nationalstaats im Jahr 1918 spielte und sich intensiv um die Pflege von Kriegsverwundeten und Kranken kümmerte. Darüber hinaus war sie für ihr Engagement in der Wohltätigkeitsarbeit bekannt, was ihr großen Respekt und Zuneigung einbrachte.

Schloss Bran hatte für Königin Maria eine besondere persönliche Bedeutung, da es ihr 1920 von der Stadt Brașov als Dank für ihre Bemühungen um die Vereinigung Rumäniens geschenkt wurde. Sie ließ das Schloss nach ihren Vorstellungen umfassend renovieren und einrichten. Auf einer der Hinweistafeln heißt es, dass sie das Schloss “from a blind thing, into a home with many eyes looking all over the world” (verwandelt habe). Es war für sie also nicht nur ein Geschenk, an dem sie sich ab und zu aufhielt, sondern ein Ort, den sie aktiv nutzte und liebte.

Zimmer und Interieur des Schlosses

Das Schloss verfügt über 57 Zimmer. Bei dem ausgestellten Mobiliar handelt es sich größtenteils nicht mehr um die originalen Stücke, die Königin Maria dort einst genutzt hat. 

Es handelt sich entweder um originale Stücke vergangener Zeiten, die in lokalen Antiquitätengeschäften gekauft wurden, oder um Repliken. So sollte der historische Charakter der Räumlichkeiten bewahrt und ein Eindruck von Königin Marias Wohnstil vermittelt werden.

Der Rundweg führt u. a. zum Schlafzimmer von Königin Maria (die Türen sind noch original erhalten aus 1635), der ehemaligen Kapelle im Gotischen Raum und dem Ratssaal.

Von dort führt eine schmale Treppe nach oben. Dabei handelt es sich um einen Geheimgang, der hinter einem Kamin versteckt lag und erst 1920 bei den Renovierungsarbeiten Königin Marias entdeckt wurde. Die Treppe führt direkt in den 3. Stock und es passt nur jeweils eine Person durch. Nichts für Klaustrophobiker…

Oben angekommen, gelangt man ins Musikzimmer, einer der Lieblingsplätze der Königin. Von der Loggia aus kann man einen Blick in den wunderschönen Innenhof werfen. Auf der sich anschließenden Terrasse war es dann nicht mehr so spaßig, weil es einfach nur voll war. Die schöne Aussicht konnte ich bei dem Gedränge nicht so recht genießen.

Geister, Mythen und Legenden

Wieder zurück im Inneren des Schlosses, lernten wir in abgedunkelten Räumen die spukenden Bewohner kennen. Ein Schloss ohne Mythen, Legenden und Geistergeschichten wäre schließlich auch nur halb so schön.

Und die rumänische Mythologie kennt eine ganze Reihe davon: Da gibt es die Lele, weibliche Geisterkreaturen, die nachts in weißen Gewändern umhertanzen. Die Begegnung mit ihnen soll für plötzlich auftretende Krankheiten oder den Verlust des Verstandes verantwortlich sein. Da sie nur in Frühlings- oder Sommernächten erscheinen, wurde den Leuten empfohlen, zu diesen Zeiten das Haus nicht zu verlassen bzw. ein Bündel magischer Kräuter wie Wermut, Liebstöckel oder Schöllkraut dabeizuhaben.

Der Sensenmann ist eine düstere Gestalt, die den Tod bringt, oft beschrieben als dünne, blasse Figur bzw. als Skelett, das in einen langen weißen oder schwarzen Mantel gehüllt ist.

Die Strigoi sind die rumänische Version von Vampiren und Untoten, die von den Lebenden abhängen, um ihre Kräfte zu erhalten. Dazu saugen sie nachts Blut von den Lebenden. Um herauszufinden, ob ein Toter ein Strigoi war, untersuchten die Menschen die Gräber auf Löcher, und wenn es eines gab, übergossen sie es mit Knoblauchsoße. Die Leiche konnte auch exhumiert und ein Pfahl durch das Herz getrieben werden, wenn es nötig war.

Weitere Räumlichkeiten auf dem Rundgang durch Schloss Bran

Anschließend gelangten wir zum Esszimmer und zum Schlafzimmer von König Ferdinand, wo auch eine Krone und ein Zepter zu sehen sind. 

Mein kleiner Schatz war ganz begeistert von den Ritterausrüstungen und fragte ehrfurchtsvoll, ob die echt sind. Meine Gedanken kreisten eher darum, wie man sich unter diesen Dingern bewegen, geschweige denn kämpfen konnte.

Innenhof von Schloss Bran

Der letzte Part des Rundgangs führt durch den Verteidigungskorridor, der die Verteidigungstürme des Schlosses miteinander verband. Von dort hat man einen schönen Blick auf den Innenhof und auf den Brunnen. Heute steht er nur noch aus dekorativen Zwecken dar, früher verfügte er jedoch auch über eine geheime Kammer direkt über der Wasserlinie, die bei Angriffen als Versteck diente. Königin Maria von Rumänien ließ diese Kammer unter dem Schloss verlängern und einen Aufzug einbauen, damit sie schneller in den Park gelangen konnte. Wer diesen unterirdischen Weg sehen möchte, muss vorher ein Ticket für den Zeittunnel erstehen.

Hier endet der Rundweg. In einem Souvenirshop kann man noch Andenken kaufen und dann das Schloss wieder verlassen. Zurück geht es denselben Weg hinunter und wer will, kann noch Fotos von Schloss Bran machen, durch den Park bummeln oder einen Stopp im Teehäuschen einlegen.

Lohnen sich die Folterkammer und der Zeittunnel?

Die Geschmäcker sind natürlich verschieden, ich habe aber auf beides verzichtet und nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Folterkammer

Folterkammern habe ich mir im Laufe der Zeit genug angeschaut und es ist ja doch immer wieder dasselbe. Darüber hinaus wollte ich meinem kleinen Schatz keine Erinnerungen an Folterinstrumente mitgeben. 

Zeittunnel

Beim Zeittunnel geriet ich schon eher ins Überlegen, aber nach einer kurzen Recherche bekam ich den Eindruck, dass es sich hierbei eher um Touristennepp handelt.

Der Zeittunnel ist die bereits erwähnte unterirdische Passage, die das Schloss mit einem Aufzug mit den Gärten verbindet. In einer Minute kann man so etwa 40 Meter mit dem Aufzug nach unten fahren. Original erhalten sind noch die Steinplatten der ersten 8 Meter. Während dieser Fahrt gibt es eine Reihe von audiovisuellen Effekten und Installationen zur Geschichte der Burg nebst ihren Legenden in Form von Geistern, Drachen und Fledermäusen. 

Klingt irgendwie so, als ob man krampfhaft versucht hätte, noch ein Event zu finden, für das man abkassieren kann. Und genau so lesen sich auch die Bewertungen bei Tripadvisor. Da heißt es: 

“Don’t do this and don’t pay for this, whatever the price is. Burning the money you paid would have been a more thrilling experience! It’s just a 3 min walk underground with some screens on the wall showing you nonsense things.” 

Oder: 

“Better to drink a beer at that price, a colossal scam that broadcasts nothing, but how can you think of charging for stuff like this (a tunnel with old screens and images of cheap actors).” 

Beste Fotospots

Da Schloss Bran idyllisch auf Felsklippen im Wald gelegen ist, ergeben sich einige schöne Fotoperspektiven. Am besten haben mir die folgenden gefallen:

Innenhof von Schloss Bran

Den Innenhof kann man entweder beim Rundgang aus einem der geöffneten Fenster oder aber direkt vom Verteidigungskorridor aus fotografieren.

Direkt vor Schloss Bran

Diese Perspektive von unten aus dem Park betont die Lage von Schloss Bran hoch oben auf dem Felsen. Dorthin gelangt ihr entweder vor oder nach eurem Besuch, wenn ihr rechts vom Weg, der zum Schloss hinaufführt, durch den Park am Teehäuschen vorbeigeht.

Panoramablick auf Schloss Bran

Eine weitere schöne Perspektive von außen bekommt ihr, wenn ihr das Schlossgelände verlasst und die Dorfstraße heruntergeht, um das Schloss herum. Rechts kommt eine kleine Brücke, die über den Bach hinüberführt.

Von dort auf der Wiese habt ihr einen schönen Blick auf Schloss Bran. Die Sicht auf das Schloss ist im Winter noch besser, wenn die davorstehenden Bäume kahl sind. 

Bei Google maps könnt ihr einfach “Panorama view of the Castle hill” eingeben, um zu der Stelle zu gelangen.

Schloss Bran vs. Schloss Peleş

In der Nähe von Braşov befindet sich mit Schloss Peleș ein weiteres faszinierendes Schloss, das einen Besuch wert ist.

Die beiden Schlösser unterscheiden sich aber in vielerlei Hinsicht. Dabei hat jedes Schloss seinen ganz eigenen Charme und seine eigene Bedeutung. Während Schloss Bran eng mit Mythen und einer mittelalterlichen Atmosphäre verknüpft ist, ist Schloss Peleș ein typisches Königshaus und repräsentiert den kulturellen Aufschwung Rumäniens im 19. Jahrhundert. Daher hängt die Wahl zwischen den beiden Schlössern von euren persönlichen Vorlieben ab. Falls ihr nur Zeit und Lust für den Besuch eines Schlosses habt, findet ihr hier einige hilfreiche Punkte, die euch bei der Entscheidung unterstützen können, welches Schloss am besten zu euch passt:

Geschichte und Bedeutung

Schloss Bran wurde im 14. Jahrhundert als Festung zur Verteidigung der Grenzen zwischen Transsilvanien und der Walachei sowie zur Kontrolle der Handelswege erbaut. Es hatte eine Reihe von Besitzern, bis es zuletzt als königliche Residenz für Königin Maria von Rumänien diente. Heute ist es hauptsächlich durch die Dracula-Legende weltberühmt.

Schloss Peleș hingegen wurde erst im 19. Jahrhundert im Auftrag von König Karl I. von Rumänien als Sommerresidenz der rumänischen Königsfamilie errichtet. Der Königspalast ist ein prachtvolles Symbol des aufstrebenden Königreichs Rumänien und spiegelt den kulturellen und politischen Fortschritt des Landes in dieser Zeit wider. 

Architektur

Schloss Bran hat eine eher mittelalterliche Burgarchitektur. Es ist auf einem steilen Felsen erbaut und hat eine robuste, wehrhafte Struktur mit dicken Steinmauern, engen Treppen und verwinkelten Gängen. Es hat den Charakter einer militärischen Festung, die sowohl zur Verteidigung als auch zur Überwachung der Umgebung diente.

Schloss Peleș dagegen ist ein Prunkbau im Neorenaissance-Stil mit starken Einflüssen aus der deutschen Renaissance und anderen europäischen Baustilen. Es ist ein architektonisches Meisterwerk mit kunstvoller Dekoration, geschnitzten Holzarbeiten, prächtigen Räumen und modernen Annehmlichkeiten (für die Zeit), wie einem elektrischen Aufzug und Zentralheizung. Es strahlt Eleganz und königlichen Glanz aus und erinnert eher an ein Märchenschloss.

Inneneinrichtung und Atmosphäre

Als typische mittelalterliche Burg ist Schloss Bran eher spärlich eingerichtet. Die Räume sind zwar historisch möbliert, dabei handelt es sich aber nicht um Originalstücke. Um eine zeitgemäße Atmosphäre herzustellen, musste auf Repliken oder vergleichbare Stücke aus Antiquitätenläden der Umgebung zurückgegriffen werden. Insgesamt ist die Atmosphäre kärglicher und vermittelt einen mittelalterlichen Charme.

Schloss Peleș ist innen äußerst prunkvoll und luxuriös ausgestattet. Jedes Zimmer hat ein eigenes Thema oder Stil, mit exquisiten Möbeln, Skulpturen, Gemälden und feinster Innenarchitektur. Es gibt Räume, die stark von der Renaissance, dem Barock oder dem Orient inspiriert sind. Der Palast ist ein Ort, der von Reichtum und königlicher Pracht zeugt.

Touristische Attraktivität

Schloss Bran ist die Hauptattraktion Rumäniens und zieht vor allem wegen seiner Dracula-Vermarktung große Touristenzahlen an. Es hat eine mystische Anziehungskraft, die mit Geschichten von Geistern und Vampiren verbunden ist. Dadurch, dass das Touristenaufkommen bei Schloss Bran höher ist, das Schloss aber eher enge und verwinkelte Räumlichkeiten hat, ist Schloss Bran häufig überfüllt.

Schloss Peleș lockt hauptsächlich Besucher an, die sich für Kunst, Geschichte und Königshäuser interessieren. Es ist eher für sein kulturelles und historisches Erbe bekannt und gilt als eines der schönsten Schlösser in Europa, besonders wegen seiner opulenten Architektur. Ein Gefühl der Überfüllung kommt hier weniger auf, da die Besucherzahlen geringer sind und sich die Besucher vor Ort besser verteilen. 

Fazit

Der Besuch von Schloss Bran stand schon lange ganz oben auf meiner Wunschliste, und während meiner Rundreise durch Rumänien war klar, dass ich dort unbedingt einen Stopp einlegen wollte. 

Bei meinen Recherchen kam ich kurz ins Zweifeln, ob vielleicht Schloss Peleș die bessere Wahl wäre. Doch ich wollte nicht nur ein prachtvolles Königshaus mit opulenter Innenausstattung bewundern, sondern eine echte Burg erleben. Mit ihrem rauen Charme, hoch auf den Felsklippen inmitten von Wäldern, den engen, verwinkelten Räumen und der mystischen Atmosphäre – auch ganz ohne Dracula – war Schloss Bran genau das Richtige für mich.

Einziger Wermutstropfen waren die großen Besuchermengen, die das Erlebnis zeitweise erheblich beeinträchtigten. Ich fühlte mich oft von einem Punkt zum nächsten geschoben. Daher kann ich jedem, der Schloss Bran besuchen möchte, nur empfehlen, möglichst früh an einem Wochentag (außer montags) in der Nebensaison zu kommen, um die Atmosphäre ungestört(er) genießen zu können.

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