Reiseapotheke – Grundausstattung für Reisen mit Handgepäck

Grundausstattung Reiseapotheke – Auf einem weißen Tisch liegen ein Reisepass, ein 5- und ein 1-Dollar-Schein sowie 3 Packungen Tabletten.

Vor jeder Reise kommt die Frage aufs Neue auf, was in die Reiseapotheke gehört. Man will schließlich nicht seine wertvolle Urlaubszeit damit verschwenden, vor Ort auf Medikamentensuche zu gehen. Ist ein Baby oder Kleinkind dabei, muss man an einiges mehr denken. Andererseits tut man sich gerade auf Reisen mit kleinen Kindern einen großen Gefallen, mit leichtem Gepäck zu reisen, und eine gut gefüllte Reiseapotheke nimmt leider ganz schön viel Platz weg. Da wir grundsätzlich nur mit Handgepäck unterwegs sind, habe ich eine Grundausstattung für unsere Reiseapotheke zusammengestellt.

Je nach persönlichem Medikamentenbedarf, dem Reiseland, Verfügbarkeit von Medikamenten vor Ort und der Freigrenzen von Gepäck kann man natürlich mehr oder weniger mitnehmen. Wer beispielsweise Diabetiker, herzkrank oder Asthmatiker ist, muss zwingend Medikamente mitführen, auf die andere verzichten können.

Die folgende Zusammenstellung stellt eine Mindestausstattung für unsere Bedürfnisse dar und je nachdem, wo wir hinreisen, passen wir ggf. an. Bei Reisen innerhalb von Europa oder in Ländern wie USA, Kanada oder Australien unterstelle ich, dass man alles Notwendige auch vor Ort in einer Apotheke bekommt. In Mexiko ist es auch völlig unproblematisch. Bei anderen Reisezielen recherchiere ich vorher.

Auswahl des Reiseziels

Die gesundheitliche Vorsorge beginnt bereits bei der Auswahl des Urlaubsziels. Reisen auch Kinder mit, sind je nach Alter manche Reiseziele besser geeignet als andere. 

Bei Reisen in Malaria-Hochrisikogebiete muss an ausreichenden Schutz gedacht werden. Neben adäquater Kleidung und der Verwendung von Moskitonnetzen wird in besonders betroffenen Regionen eine Malaria-Prophylaxe empfohlen. In den meisten Fällen reicht aber die Mitnahme eines Standby-Medikaments für den Notfall.

Wer in besondere Höhenregionen reist (z. B. Cusco in Peru), sollte neben Strategien für eine verträgliche Akklimatisation ASS-Tabletten zur Blutverdünnung dabeihaben, falls sich Anzeichen der Höhenkrankheit zeigen.

Worauf ich bei Reisen mit meiner Tochter achte, solange sie noch klein ist:

  • Keine Reisen in Malaria-Hochrisikogebiete (z. B. Gebiete in Kenia, Tansania oder Namibia).
  • Keine Reisen in Gebiete mit über 2.500 m Höhenmetern, da die Kleinen die Höhenkrankheit entwickeln können. Diese macht sich bei Kindern oftmals durch unspezifische Symptome bemerkbar, so dass man die Erkrankung nicht direkt zuordnen kann. Daher muss Peru leider, leider noch etwas warten. Wenn ich in manchen Foren lese, dass Eltern mit Einjährigen in Guatemala Vulkanbesteigungen auf 4.000 m Höhe unternehmen und Mitreisende berichten, dass das Kind die ganze Zeit geschrien habe und alle so genervt gewesen seien, stellen sich mir die Haare zu Berge.
  • Erhöhte Vorsicht bei hohem Moskito-Aufkommen, keine Reisen in Gebiete mit starker Verbreitung von Dengue.

Impfungen

Im Hinblick auf den Impfstatus kann eine reisemedizinische Beratung helfen. In einigen Ländern ist zur Einreise eine Gelbfieberimpfung zwingend vorgeschrieben. Bei Kindern muss man je nach Alter abwägen, ob man tatsächlich eine Impfung durchführen lassen möchte, da die möglichen Nebenwirkungen nicht ohne sind. Im Übrigen kann eine Gelbfieberimpfung in der Regel erst ab dem Alter von neun Monaten durchgeführt werden, da für jüngere Säuglinge ein erhöhtes Risiko für eine durch die Gelbfieber-Impfung hervorgerufene Enzephalitis besteht. Dementsprechend können auch stillende Mütter nicht gegen Gelbfieber geimpft werden, da eine Übertragung der Viren auf das Kind möglich ist. Auch in der Altersgruppe der über 60-Jährigen steigt die Häufigkeit von Nebenwirkungen. 

Wenn eine Gelbfieberimpfung zwingend vorgeschrieben ist, muss die Impfung mindestens zehn Tage vor Reiseantritt durchgeführt werden. Nach einer Änderung der WHO-Richtlinien gilt der Impfschutz als lebenslang wirksam und muss nicht mehr – wie früher üblich – nach zehn Jahren aufgefrischt werden (etwas anderes gilt nur für Kinder unter zwei Jahren, Schwangere und Personen unter Immunsuppresion).

Detaillierte Informationen zum Thema Gelbfieber findet ihr auf der Seite des Tropeninstituts.

Must-haves für die Reiseapotheke

Grundsätzlich müssen alle Medikamente, die regelmäßig einzunehmen sind, mitgeführt werden.

Bei mir weiß ich aus Erfahrung, dass ich häufig Reisedurchfall bekomme und mir beim Wechsel von heißer Umgebung und kalter Klimaanlage gerne eine Erkältung einfange. Daher bin ich für diese beiden Punkte immer gut ausgestattet. Wer da unempfindlich ist, kann entsprechend weniger einpacken.

Bei Babys und Kleinkindern geht es vor allem um kleinere Verletzungen, wenn sie hinfallen und sich die Knie aufschlagen oder sich irgendwo stoßen, sowie um Erkältungen.

Hinweis: Alle flüssigen Medikamente müssen leider auch in den 1-Liter-Beutel, sofern sie nicht ärztlich verschrieben worden sind (Rezept als Nachweis dabei haben). Daher nehme ich die folgende Liste, wenn wir zu dritt reisen, also 3 Flüssigkeitsbeutel zur Verfügung stehen (oder, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind und mehr Platz haben). Wenn wir dagegen nur zu zweit reisen, muss die Liste weiter abgespeckt werden. Medikamente, auf die ich dann verzichte, findet ihr unter optional.

Reiseapotheke – Grundausstattung für Kinder

Erkältung

  • Fieberthermometer
  • Nasenspray 
  • Bei kleinen Kindern – Nasenschlauch: Wenn die Kleinen einen fiesen Schnupfen haben, kann man hiermit Nasensekret entfernen und so für eine bessere Atmung sorgen.
  • Paracetamol-Zäpfchen: Bei großer Hitze auf ausreichende Kühlung achten, da diese schnell aufweichen können und dann nicht mehr zu gebrauchen sind.
  • Lutschtabletten: Nicht geeignet für kleinere Kinder wegen Verschluckungsgefahr.

Optional:

  • Nurofensaft
  • Erkältungssalbe: Thymian Myrte Balsam von Dr. Stadlmann
  • Engelwurzsalbe

Kleinere Verletzungen/Wundversorgung

  • Bunte und wasserfeste Pflaster: Bunte Pflaster machen aus der Verletzung noch einen kleinen Spaß.
  • Verbandsmaterial (sterile Kompressen bzw. Verbandpäckchen und Tape)
  • 2 x Einmalhandschuhe
  • Bepanthen Wund- und Heilsalbe: Hilft wunderbar zum besseren Abheilen von Schürfwunden. 

Optional:

  • Octenisept Desinfektionsspray: Octenisept ist das Mittel der Wahl bei Kindern, weil es sehr mild ist.
  • Entzündungshemmende Salbe: Wenn unsere Kleine eine Beule von einem Sturz hat, tragen wir eine Salbe zum Herunterschwellen auf die jeweilige Stelle auf und geben zusätzlich Nurofensaft gegen Schmerzen und Entzündung.

Sonne und Mücken

  • Kindersonnenmilch Sundance LSF 50: Laut Oekotest sehr hautverträglich, aber besser nicht bei weißer Kleidung anwenden, da die Creme gelbe Flecken verursacht (die ich nicht mehr herausbekommen habe).
  • Mückenspray Ballisto: Sehr hautverträglicher Mückenschutz ohne Deet und Icaridin, der sehr gut wirkt. Habe sicherheitshalber immer noch eine Flasche Doctan (10 % Icaridin) dabei, war bislang aber nicht nötig.
  • Mückenstichheiler: Stick von Azaron. Lindert den Juckreiz und verhindert damit das Aufkratzen von Mückenstichen. 

Sonstiges

  • Dentinox: Solange noch nicht alle Zähne draußen sind.
  • Creme gegen Windelpilz: Ganz, ganz wichtig, solange noch Pampers getragen werden.
  • Zeckenzange: Zum Entfernen von Zecken oder auch Splittern.

Tipp für Magen-/Darm-Infekte: Bislang hat es meine Tochter einmal bei unserer Mexiko-Rundreise in Yucatán erwischt. Besonders wichtig ist es, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Vor Ort haben wir elektrolythaltige Getränke besorgt (Pedialyte, gibt es dort an jeder Ecke in verschiedenen Geschmacksrichtungen, schmeckt sehr viel ansprechender als Elotrans), wovon sie immer wieder ein paar Schlucke bekommen hat. Alternativ: 1 Liter schwarzer Tee, 1 Teelöffel Kochsalz, 2 Esslöffel Zucker, Saft von 2 Orangen. Ansonsten Tee und Wasser. Zusätzlich wurden uns von einer befreundeten Kinderärztin kindgerechte Probiotika empfohlen (ob dies förderlich ist oder nicht, ist zumindest umstritten). Zu essen gab es 2 Tage Reis, Haferschleim und Zwieback (auf Fettiges, Gebratenes und Blähendes verzichten) und dann wurde es schnell wieder besser. Durchfallmedikamente neben den Probiotika gab es nicht. Wenn sich die Situation nicht bessert bzw. das Kind nicht trinkt, ist ohnehin ein Gang zum Arzt notwendig.

Reiseapotheke – Grundausstattung für Erwachsene

Dauermedikation

Dazu zählen alle Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen.

Tipp: Vor Einreise solltet ihr genau die Einreiseanforderungen eures Ziellandes bezüglich Medikamenten checken! Bei Reisen in die USA solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr verschreibungspflichtige Medikamente in der Originalverpackung lasst und nur in einer angemessenen Menge (persönlicher Bedarf + Notfallreserve) mitbringt. Dem soll eine englischsprachige Bestätigung eures Arztes beigefügt sein (eine Vorlage hierfür gibt es beim ADAC, die ihr von eurem Arzt abstempeln lassen könnt). Dies gilt auch, wenn ihr nur in den USA zwischenlandet. Kontrolliert wurde ich dahingehend noch nie, aber wenn man wirklich auf die Medikamente angewiesen ist, sollte man auf Nummer sicher gehen. Bei Reisen nach Singapur ist ggf. sogar eine zweiwöchige vorherige Anmeldung erforderlich.

Erkältung

  • Ibuprofen/Paracetamol: Bei Kopfschmerzen oder Entzündungen
  • Schleimlöser, z. B. ACC akut
  • Halsschmerztabletten, z. B. Dobendan
  • Nasenspray: Mir reicht ein Kindernasenspray, da meine Schleimhäute empfindlich sind.
  • Hustenbonbons
  • Bepanthen Nasensalbe: Hilft gegen das Austrocknen der Nasenschleimhaut. Nicht nur bei Erkältung, sondern auch in Höhenlagen toll.

Reiseübelkeit

Reisetabletten, z. B. von Ratiopharm: Ohne Reisetabletten wird mir meistens im Bus, manchmal auch im Boot oder im Flugzeug schlecht. Mit einer Tablette geht meistens alles gut und ich kann sogar lesen, was andernfalls unvorstellbar wäre. 

Magen-Darm

  • Imodium Akut: Grundsätzlich ist es zwar gesünder, dem Durchfall seinen Lauf zu lassen, aber da man unter Umständen Reisetage oder Aktivitäten hat, die man nicht verschieben kann oder will, hilft Immodium akut enorm.
  • Einige Elotrans-Beutel: Hat mir immer super geholfen. Da ich gerne mal vergesse, genug zu trinken, und bei großer Hitze auch schon mal Kreislaufprobleme bekomme, verhilft Elotrans zu einem schnellen Energiekick.
  • Durchfallmittel, z. B. Perocur, Perenterol oder Tannacomp
  • Desinfektionsspray, falls man sich bei Bedarf nicht die Hände waschen kann.

Optional, sofern noch Platz im Flüssigkeitsbeutel

  • Herpes-Salbe, z. B. Zovirax
  • Blasenstick von Compeed: Hilft wahre Wunder, damit Blasen gar nicht erst entstehen.
  • Feuerzeug gegen Mückenstiche: Feuerzeug erhitzen und die heiße Metallstelle kurz auf die Stelle des Mückenstichs zu drücken. Durch die Hitze werden die Eiweiße zerstört und der Spuk ist ganz schnell vorbei.
  • Sonnencreme LSF 50 (kaufe ich meist vor Ort)
  • Mückenschutz (kann in der Regel sogar besser vor Ort gekauft werden)

Falls ihr noch Tipps habt oder persönliche Erfahrungen gemacht habt, welche Medikamente es in bestimmten Ländern nicht gibt, die ihr aber gerne dabei gehabt hättet, oder was für euch auf keinen Fall fehlen darf, hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

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