Wie verändert das Muttersein? Erfahrungen und Tipps

In der Mitte liegt ein lachendes Kleinkind auf der Wiese in weißem Kleid, rechts daneben die lachende Mutter. Das Muttersein verändert alles und führt zu vielen intensiven Erfahrungen.

Das Muttersein ist eine der intensivsten Erfahrungen im Leben einer Frau. Gerade am Anfang sitzt man in einer emotionalen Achterbahn: Eben noch pures Glück, dann überwältigende Erschöpfung. Ich habe mich natürlich vorbereitet, aber das Muttersein hatte einige Überraschungen parat, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Welches gerade in der Anfangszeit die schönsten und belastendsten Momente waren, welche Auswirkungen die Geburt eines Kindes auf die Partnerschaft haben kann und welche Veränderung für mich am tiefgreifendsten war, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Meine Vorstellungen während der Schwangerschaft

Diejenigen, die kleine Kinder im Familien- oder Freundeskreis haben, können sich schon eher ein Bild davon machen, was sie mit dem Familienzuwachs erwartet. Bei uns gab es jedoch weder im Familien- noch im Freundeskreis, der in derselben Stadt wohnte, kleine Kinder. Mein persönlicher Erfahrungsstand lag also bei Null.

Allzu intensive Gedanken habe ich mir im Vorfeld über die möglichen Umstellungen nicht gemacht. Ich war einfach nur froh, dass wir bald zu dritt sein würden. Mir war natürlich bewusst, dass ein kleines Baby eine intensive Betreuung erfordert, dass es alle paar Stunden wach wird und ich somit nicht mehr zum regelmäßigen Schlafen komme, dass es unser Familiengefüge irgendwie verändert, dass der Spontanität enge Grenzen gesetzt sind und Urlaube anders aussehen werden. 

Aber ansonsten dachte ich, dass alles mehr oder weniger seinen normalen Gang weitergeht, nur eben zu dritt. Nach der Geburt würde ich ein Jahr Elternzeit nehmen, anschließend die Kleine in die Kita geben und wieder arbeiten gehen.

Irgendwie kam dann doch einiges anders. Das Gefühlspanorama war sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht viel intensiver als ich das für möglich gehalten hätte. Und auch nach Ablauf der Elternzeit habe ich andere Wege eingeschlagen.

Welche Momente sind am schönsten?

Ab dem Augenblick, als mein Baby nach der Geburt auf meinem Bauch lag, änderte sich mein Leben schlagartig. Ich war überwältigt von den vielen Emotionen, die auf mich einprasselten und hatte noch keine Vorstellung von dieser tiefen bedingungslosen Liebe, die in den kommenden Monaten und Jahren zwischen mir und meiner Tochter wachsen würde.

Wunderschöne Momente gibt es viele. Ich erinnere mich noch fasziniert daran, wie sie sich an mich heranrobbte, obwohl sie sich kaum bewegen konnte. Nur, um in meiner Nähe zu sein. Oder wenn sie ganz entspannt in meinen Armen oder auf meinem Bauch einschläft. Wenn sie mich anlächelt, und dabei ihre kleinen Zähnchen aufblitzen, oder ihre kleinen Arme um meinen Hals schlingt und mir ein Küsschen gibt, könnte ich einfach nur dahinschmelzen.

Es ist auch wunderschön, die Kleine bei ihren Lernschritten zu begleiten. Was sie an einem Tag nicht konnte, klappt dann meist schon kurze Zeit später, weil sie es einfach unermüdlich weiter versucht. Innerhalb des ersten Jahres passiert richtig viel: Von einem hilflosen Wesen, das eher einem Maulwurf gleicht, wenn es auf der Welt erscheint, bis hin zum ersten Umdrehen auf den Bauch, dem ersten Mal allein sitzend oder dem ersten freien Schritt.

Ein Kind zu haben und es auf seinem Weg ins Leben zu begleiten, bereichert mich auf vielfältige Weise. Und ich verspüre eine Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit, die ich zuvor noch nie so empfunden habe. 

Welche Momente sind am belastendsten?

Natürlich ist nicht nur alles eitel Sonnenschein. Gerade das erste Jahr ist anstrengend und fordernd. Wenn man zum ersten Mal Mutter wird, ist alles neu. Man muss sein Neugeborenes erst einmal kennenlernen und in die Mutterrolle hineinfinden. Auch das Familiengefüge wird durcheinander geschüttelt und muss sich neu sortieren.

Am belastendsten empfand ich zwei Punkte: Den dauernden Schlafmangel und die fehlende Zeit für mich selbst. Das weiß man natürlich im Vorfeld, es aber zu erleben ist doch nochmal eine ganz andere Sache.

Schlafmangel

Schlafmangel hatte ich bislang nur punktuell erlebt, also nach einer Party, wenn ich am nächsten Morgen wieder früh raus musste oder wenn ich einfach nicht einschlafen konnte und irgendwann der Wecker klingelte. Dann fühlte ich mich tagsüber etwas schlapp und ging abends eben etwas früher schlafen. 

Genau das ging jetzt aber nicht mehr. Meine Tochter musste etwa alle drei Stunden gefüttert werden, und das auch nachts, dazu noch Windeln wechseln. Und das ging jede Nacht so, über Wochen und Monate hinweg. Ich war so breit, dass ich einfach weggedämmert bin, sobald ich nur gesessen habe. In meinem Oberstübchen war nach einer Weile nur noch geistiger Brei. An Lesen oder konzentrierte Tätigkeiten war nicht mehr zu denken. Das besserte sich erst langsam wieder, als sie mit etwa acht Monaten begann durchzuschlafen. Und erst, als sie etwa ein Jahr alt war, fühlte ich mich wieder auf geistigem Normalniveau.

Tipp: Man muss einfach akzeptieren, dass Schlafentzug für eine Weile ein treuer Begleiter sein wird und die Anforderungen an sich selbst etwas herunterschrauben. Am besten schläft man, wenn das Kind auch schläft, damit man wenigstens etwas Schlaf abbekommt. Das hat natürlich den Nachteil, dass man die Verschnaufpause nicht anderweitig nutzen kann, beispielsweise für Hobbies oder den Haushalt. Aber so ist es eben. Dann muss der Partner ran oder der Bügelberg bleibt liegen. Entlastend kann auch eine Haushaltshilfe sein. Sobald man wieder einigermaßen regelmäßig zum Schlafen kommt, kehrt die Energie von alleine zurück. Hilfreiche Tipps gegen den Schlafmangel findet ihr auf „familie.de“.

Keine Zeit für mich selbst

Mir war natürlich klar, dass viel auf mich zukommt, aber die Verantwortung für so einen kleinen Menschen zu tragen und rund um die Uhr dafür zu sorgen, dass es ihm an nichts fehlt und er sich wohlfühlt, ist ein Vollzeitjob. Meine Berufstätigkeit als Rechtsanwältin empfand ich als weniger anstrengend. Auch wenn ich in der Regel erst gegen 20:00 Uhr zu Hause war, konnte ich dann aber machen, wonach mir der Sinn stand. Mit einem Baby hingegen gibt es keinen Feierabend.

Daran, dass man nicht mehr richtig zum Abschalten kommt, muss man sich erst mal gewöhnen, weil es mental sehr fordernd ist. Es gab Zeiten, wo ich mir selbst die Zeit zum Duschen freikämpfen musste.

Erschwerend kommt bei mir hinzu, dass wir keine Großeltern in der Nähe haben, die mal etwas abfedern können, und meine Tochter ein absolutes Mama-Kind ist. Das heißt, dass der Großteil der Versorgung an mir hängenbleibt. Wenn mein Mann sie anfangs ins Bett bringen oder ihr die Windeln wechseln wollte, endete es in der Regel mit lautstarkem Protest. 

Tipp: In dieser Situation hilft es nur, Ruhe zu bewahren und sich vor Augen zu führen, dass die Kleinen nur in der Anfangszeit so hilflos sind und unserer intensiven Aufmerksamkeit und Sorge bedürfen. Gerade diese erste Zeit ist jedoch sehr wichtig für die Bildung und Festigung ihres Urvertrauens.

Je älter sie werden, desto selbständiger werden sie auch und es ergibt sich auch wieder mehr Raum für die eigenen Bedürfnisse. Natürlich bin ich ab und zu frustriert, wenn ich mit meinen Projekten und Ideen nicht so schnell vorwärts komme, weil ich nur begrenzte Zeitfenster zum Arbeiten habe. Aber es wird von Jahr zu Jahr einfacher.

Darüber hinaus wird man auch viel, viel organisierter und lernt, die knappere Zeit effektiver zu nutzen. Mittlerweile bin ich ein großer Fan von Wochenplänen, um meine wenige Zeit besser zu nutzen.

Auswirkungen auf die Partnerschaft

Die Familienerweiterung geht natürlich auch nicht spurlos an der Partnerschaft vorbei. Am Anfang dreht sich einfach alles um das Kind, das rund um die Uhr Betreuung erfordert. Dadurch kommen nicht nur die eigenen Bedürfnisse zu kurz, sondern auch die der Partnerschaft. 

Gerade, wenn die Abläufe noch nicht so eingespielt sind, fühlt man sich schnell gestresst und der permanente Schlafmangel sorgt zusätzlich noch dafür, dass man dünnhäutiger wird und schneller gereizt reagiert. 

Auch gemeinsame Zeit als Paar durch romantische Restaurantbesuche oder Kurztrips gehört erstmal der Vergangenheit an, was die Partnerschaft zusätzlich belastet. Insofern wundert es mich nicht, dass gerade in dieser stressigen Anfangszeit viele Partnerschaften zerbrechen. 

Tipp: Was in dieser Situation hilft? Durchhalten! Es wird auf jeden Fall besser. In dieser anstrengenden Phase sollte man versuchen, etwas toleranter gegenüber dem Partner zu sein und nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Auch sollte man offen darüber sprechen, was in einem vorgeht, was man sich wünscht und welche Hilfestellung man konkret benötigt. 

In den meisten Fällen verbringen Mütter deutlich mehr Zeit mit den Babys als ihre Väter. Daher ist es Männern teilweise gar nicht bewusst, wie anstrengend die Versorgung eines Säuglings ist. In diesem Fall kann es hilfreich sein, ihnen auch mal längere Zeit am Stück die Betreuung zu überlassen, damit sie sich besser in die Perspektive der Frau versetzen können. 

Um die Partnerschaft vertraut zu halten, genügen schon kleine Gesten der Zärtlichkeit. Sobald alles etwas eingespielter ist, treten die partnerschaftlichen Bedürfnisse ohnehin wieder mehr in den Vordergrund. Wenn das Baby schließlich alt genug ist, dass auch mal die Großeltern oder ein Babysitter einspringen können, kann man sich wieder auf romantische Abende zu zweit freuen.

Die größte Veränderung des Mutterseins

Die größte Veränderung hat sich auf einer anderen Ebene abgespielt, womit ich wirklich nicht gerechnet hatte: In mir selbst!

Auf einmal hatte ich ganz andere Prioritäten. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, meine Kleine schon mit einem Jahr betreuen zu lassen und habe daher auf eine Kita-Anmeldung verzichtet. Das führte auch dazu, dass ich meine berufliche Situation überdenken musste, weil ich mit meiner Tochter zu Hause nicht mehr angestellt tätig sein konnte.

Da ich aber ohnehin aus meinem Hamsterrad raus wollte und keine Lust mehr hatte, fremdbestimmt von morgens bis abends im Büro zu sitzen und dem Wochenende hinterherzuhecheln, fügte sich irgendwie alles von selbst. Das Überraschende dabei war, dass die Angst vor dem Scheitern, die mich bislang immer vor dem letzten Schritt zurückgehalten hatte, nahezu weg war. Denn jetzt war es mir viel wichtiger, meiner Tochter ein Vorbild zu sein. Wie sollte ich ihr glaubhaft vermitteln, dass sie alles im Leben erreichen kann, wenn sie es nur will, wenn ich ihr das Gegenteil vorlebe?

Wie man sich aufgrund des Erlebnisses einer Geburt verändert, ist natürlich von Frau zu Frau höchst verschieden und kann nicht verallgemeinert werden. Eine Schwangerschaft löst in der Regel einen hormonellen Tsunami aus, der auch zu Neuverdrahtungen im Gehirn führt. Dies bewirkt in erster Linie, dass sich Mütter angemessen um ihre Kinder kümmern, kann aber damit einhergehend Werte und Prioritäten verschieben. Man sollte sich einfach darauf einstellen, dass prägnante Veränderungen eintreten können und vielleicht alles in eine andere Richtung läuft als ursprünglich gedacht. Daher lohnt es sich, entspannt zu bleiben, und den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen.

Fazit

Die Geburt eines Kindes ist ein einschneidendes Ereignis, dass das bisherige Leben der Eltern völlig auf den Kopf stellt. Gerade in der Anfangszeit sind die körperlichen und mentalen Belastungen hoch, weil man kaum zum Schlafen kommt und seine eigenen Bedürfnisse permanent zurückstellen muss. Die Natur hat es nicht umsonst so gut eingerichtet, dass wir beim Anblick der süßen kleinen Babys (fast) alle Anstrengungen vergessen. Die positiven Momente überwiegen für mich aber bei weitem. Die unbedingte Liebe eines Kindes ist einfach unvergleichlich und hat mich viel zufriedener und erfüllter gemacht. Auch hat es die Beziehung zu meinem Mann nicht nur gefordert, sondern auf eine tiefere Ebene geführt. Und zuletzt hat es mir einen wichtigen Impuls für die Veränderung meiner beruflichen Situation gegeben. Endlich habe ich wieder das Gefühl, dass sich alles in die richtige Richtung entwickelt und ich bin sehr gespannt, wo das hinführen wird.

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