Hermannstadt (Sibiu): 2 Tage in Rumäniens schönster Stadt

2 Tage in Hermannstadt/Sibiu: Ausblick vom Turm der Evangelischen Stadtpfarrkirche auf den Ratsturm gegenüber und den Kleinen Ring mit vielen Arkadenbögen und sanierten Altbauten. Am oberen Bildrand erscheinen Berge sowie blauer Himmel

Hermannstadt hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Vom ersten Augenblick war ich fasziniert von den engen kopfsteingepflasterten Gassen, den farbenfrohen Fassaden und den markanten Dächern mit ihren “Augen”. Alles versprühte eine mittelalterliche Atmosphäre, wie es in dieser Intensität nur selten zu finden ist. Gleichzeitig findet dort ein völlig normales Leben statt und man stolpert nicht von einem Souvenirgeschäft zum nächsten. Diese Mischung machte für mich den besonderen Reiz von Hermannstadt aus.

Wir waren 2,5 Tage vor Ort und ich wäre gerne länger geblieben. Was ihr euch dort anschauen könnt, welche Restaurants empfehlenswert sind und weitere nützliche Tipps erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Anreise

Von Deutschland aus bietet Wizzair einige (wenige) Direktflüge nach Hermannstadt an, aktuell ab Baden-Baden, Memmingen und Nürnberg. Bei Lufthansa gibt es eine Direktverbindung ab München. Alternativ kann man auch nach Bukarest oder Klausenburg (Cluj-Napoca) fliegen und von dort mit einem Mietwagen oder Zug nach Hermannstadt weiterreisen.

Wir (mit dabei war meine Tochter) haben Hermannstadt im Rahmen unserer 3-wöchigen Rundreise durch Bulgarien und Rumänien besucht und sind von Bukarest mit dem Zug nach Hermannstadt gefahren. Trotz der nicht allzu langen Distanz waren wir knapp sechs Stunden unterwegs. Dafür konnten wir aber wunderschöne Ausblicke in die tiefen, unberührten Wälder mit hohen Baumkronen und riesigen Farnen genießen.

Hermannstadt: Das Herz der Siebenbürger Sachsen

Hermannstadt teilt sich auf in Ober- und Unterstadt. Unsere Unterkunft befand sich in der Unterstadt, wo einst Handwerker und einfache Bürger ihr Zuhause hatten. Die kleinen Häuser sehen teilweise recht schief und betagt aus, verströmen mit ihren bunten Fassaden in den engen Gassen jedoch einen ganz besonderen Charme.

Hinter dem großen Tor zu unserer Unterkunft versteckte sich ein weiterer Weg mit einem Hof. Mein kleiner Schatz ging dort auf Erkundungstour und kam strahlend mit einer Handvoll Bonbons zurück.

Über Jahrhunderte war Hermannstadt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Siebenbürger Sachsen, jener deutschstämmigen Gemeinschaft, die ab dem 12. Jahrhundert in Siebenbürgen angesiedelt wurde. Die Stadt diente als Sitz des sogenannten Sachsenlandes, einer autonomen Verwaltungseinheit innerhalb des Königreichs Ungarn, und war ein bedeutendes Handelszentrum an der Kreuzung wichtiger Handelsrouten.  

Die Siebenbürger Sachsen prägten die Stadt mit ihrem Streben nach Selbstverwaltung, ihrem Handwerk und ihrer Bildungskultur. Nach dem Anschluss an das rumänische Königreich 1920 begann ein langsamer Wandel. Die deutsche Bevölkerung verlor ab 1940 ihre Bevölkerungsmehrheit und damit an Einfluss. Die meisten von ihnen verließen die Region nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, um ein neues Leben in Deutschland oder Österreich zu beginnen.

Doch das kulturelle Erbe der Stadt ist geblieben – besonders in der Oberstadt, dem ehemaligen Prestigeviertel der Kaufleute und Verwalter. Hier reiht sich ein imposantes Gebäude ans nächste: Barocke Paläste, Kirchen und prächtige Bürgerhäuser erzählen von einer Zeit, als Hermannstadt eine der bedeutendsten Städte in Siebenbürgen war. Nicht umsonst war Hermannstadt 2007 auch Kulturhauptstadt.

Rundgang durch die Oberstadt

Die Oberstadt von Hermannstadt bietet eine beeindruckende Mischung aus Architektur, Geschichte und lebendiger Atmosphäre. Drei große Plätze – der Große Ring, der Kleine Ring und der Huet-Platz – prägen das Stadtbild und laden dazu ein, mehr über die Vergangenheit und das Leben in Siebenbürgen zu erfahren.

Am Großen Ring

Der Große Ring (Piața Mare) ist das historische Zentrum der Stadt und gleichzeitig einer der größten Plätze in Siebenbürgen. Mich hat vor allem die Weite beeindruckt: Der Platz wirkt wie gemacht für Freiluftkonzerte, große Märkte und Versammlungen, die hier seit langem stattfinden.

Früher wurde der Platz auch für öffentliche Hinrichtungen genutzt, aber diese Zeiten sind glücklicherweise lange vorbei. Heute ist der Platz mit seinen zahlreichen Veranstaltungen ein beliebter Ort zum Verweilen. Besonders sehenswert sind der Töpfermarkt am ersten Septemberwochenende, der Kunsthandwerk und regionale Produkte präsentiert, sowie der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt, der mit Lichtern, Düften und regionalen Köstlichkeiten verzaubert.

Zwei Gebäude stechen hier besonders ins Auge: Das Brukenthal-Palais und das Rathaus.

Samuel von Brukenthal (1721–1803) war eine bedeutende Persönlichkeit der siebenbürgischen Geschichte. Als Gouverneur von Siebenbürgen, Förderer der Wissenschaften und begeisterter Kunstsammler hinterließ er ein reiches kulturelles Erbe, das heute im Brukenthal-Museum ausgestellt wird. Dabei handelt es sich um einen Komplex mehrerer Museen, die sich über die Stadt verteilen. Das Brukenthal-Palais, sein prächtiges Wohnhaus, beherbergt heute das älteste Museum Rumäniens. Es zeigt eine beeindruckende Sammlung europäischer Kunst, die Brukenthal-Bibliothek sowie die opulent ausgestatteten Innenräume mit siebenbürgischen Kulturgegenständen. Das Haus selbst gilt als wichtigstes Barockgebäude Siebenbürgens.

Brukenthal-Palais
Adresse: Piaţa Mare 4, Sibiu 550163
Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr (letzter Ticketverkauf um 17:15 Uhr)
Eintritt: 50 Ron/10,05 Euro

Gleich gegenüber, zwischen dem Brukenthal-Palais und der katholischen Stadtpfarrkirche, befindet sich das Rathaus in einem sehr repräsentativen und schön anzusehenden Gebäude. Ursprünglich der Sitz einer Bank, wird der Prachtbau seit 2006 als Rathaus genutzt.

Am Kleinen Ring


Der Kleine Ring (Piața Mică) steht dem großen Platz in Schönheit und Charme in nichts nach, ist aber kleiner und dadurch gemütlicher. Auch hier finden sich eindrucksvolle Gebäude, viele davon mit Arkadengängen, unter denen einst Bauern und Händler ihre Waren feilboten.

Das Schatzkästlein

Besonders hervorzuheben ist das sogenannte „Schatzkästlein“, ein massives gotisches Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert. Ursprünglich wurde es von Fleischern genutzt, später von Tuchmachern. Heute beherbergt es das Emil-Sigerus-Museum für siebenbürgisch-sächsische Volkskunde, während sich im Erdgeschoss eine Touristeninformation befindet.

Lügenbrücke

Am Ende des Arkadengangs mit seinen acht symmetrischen Bögen erreicht man eine kleine gusseiserne Brücke – die berühmte „Lügenbrücke“. Ihr Name leitet sich vermutlich vom Begriff „Liegebrücke“ ab, da sie als erste Brücke der Stadt ohne Pfeiler konstruiert wurde.

Weitaus spannender sind jedoch die zahlreichen Legenden, die sich um die Lügenbrücke ranken und ihren Namen erklären:

  • Einer der bekanntesten Mythen besagt, dass die Brücke einst so gebaut wurde, dass sie unter der Last von Lügen zusammenbrechen würde. Wer auf der Brücke lügt, riskiert, dass sie unter seinen Füßen einstürzt. Diese Legende war besonders bei Händlern, die in der Nähe ihre Waren anboten, verbreitet, da sie ihre Ehrlichkeit unter Beweis stellen sollten.
  • Eine romantischere Version erzählt, dass junge Männer, die ihren Geliebten auf der Brücke falsche Liebesschwüre machten, von der Brücke gestoßen oder auf andere Weise “bestraft” wurden. Die Legende diente wohl als Warnung, Liebesversprechen ernst zu nehmen.

Die Brücke ist auch als Fotomotiv sehr beliebt. Beeindruckt war ich mal wieder vom ausdauernden Posing asiatischer Touristen – da können wir absolut nicht mithalten. Von rechts, von links, Arm hoch, Kopf zur Seite, Fuß angekippt… Und ich dachte nur, wann wird die Brücke endlich frei, aber keine Chance!

Apothekenmuseum

Wer Interesse an Pharmaziegeschichte hat, sollte sich einen Besuch im Apothekenmuseum nicht entgehen lassen. Es befindet sich schräg gegenüber dem „Schatzkästlein“ in einem historischen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, das einst eine Apotheke beherbergte. 

Die Sammlung umfasst über 6.000 Exponate, darunter alte medizinische Instrumente, Mörser, Alchemie-Utensilien, Rezeptbücher und Arzneigläser. Besonders beeindruckend sind die historischen Kräutermischungen und die Nachbildung eines mittelalterlichen Apothekenlabors. Besucher erhalten einen Einblick in die medizinischen Praktiken vergangener Jahrhunderte und die Entwicklung der Pharmazie als Wissenschaft.

Die Rekonstruktion eines Verkaufsraums mit den seinerzeit charakteristischen Holzmöbeln und Regalen bietet einen authentischen Einblick in die damalige Zeit. Beim Verlassen des Museums fällt rechter Hand die Fingerlingsstiege ins Auge, ein reizvoller Treppengang hinab zur Unterstadt.

Fingerlingsstiege

Die Fingerlingsstiege ist eine der Verbindungen zwischen der Ober- und Unterstadt von Sibiu. Die schmale Treppe mit ihren steilen Stufen stammt aus dem Mittelalter und war einst ein wichtiger Zugangspunkt für Fußgänger. Der Name geht vermutlich auf einen Hermannstädter Bürger namens Fingerling zurück, der in der Nähe lebte oder die Treppe mitgestaltet hat. 

Cafés und Restaurants

Der Kleine Ring lädt mit seinen vielen Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Ob für einen Kaffee, einen Snack oder ein ausgiebiges Essen – hier kann man auf den Außenterrassen die besondere Atmosphäre des Platzes genießen und den Rundgang durch die Stadt entspannt ausklingen lassen.

Huet-Platz

Geht man vom Schatzkästlein über die Lügenbrücke, gelangt man zum Huet-Platz, benannt nach dem Königsrichter und Sachsengraf Albert Huet. Er sorgte u. a. für den Ausbau der Wehranlagen der Stadt und für eine Modernisierung des Schulwesens.

Evangelische Stadtparrkirche

Dominiert wird der Platz von der gewaltigen Evangelischen Stadtpfarrkirche. Sie ist eines der herausragendsten Wahrzeichen von Hermannstadt und ein Meisterwerk der gotischen Architektur. Im 14. Jahrhundert erbaut, wurde sie über mehrere Jahrhunderte hinweg immer wieder erweitert und verschönert. Besonders beeindruckend ist der markante 73 Meter hohe Turm, der das Stadtbild prägt und von dem man eine wunderbare Aussicht über die Stadt genießt.

Im Inneren der Kirche sorgen die gotischen Sitzbögen entlang des Kirchenschiffs für eine hohe, lichtdurchflutete Atmosphäre. Die prächtige Orgel stammt aus dem 19. Jahrhundert. Genau zu unserem Besuch wurde sie auch gespielt, was unserem Besuch eine ganz besondere Atmosphäre verlieh. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von kunstvollen Altären, die biblische Szenen darstellen, Wandmalereien und gotischen Fenstern mit filigranen Glasmalereien.

Toll fand ich die Kinderecke mit Malbüchern und Stiften. So hat mein Schatz begeistert gemalt, während ich mir in Ruhe die Kirche angeschaut habe.

Die Gelegenheit zum Turmaufstieg haben wir natürlich auch genutzt und eine tolle Aussicht über die Oberstadt gehabt (dazu später mehr). Beim Abstieg wurden wir geschickt „eingefangen“ und zum mittäglichen Gottesdienst geleitet. Das hatte ich zwar nicht eingeplant, es dauerte aber nur 20 Minuten und war ganz interessant. Die kurze Predigt fand auf deutsch, rumänisch und englisch statt.

An der ehemaligen Stadtmauer entlang zum Sagturm

Verlässt man die Kirche wieder, erblickt man gleich gegenüber ein wuchtiges Gebäude. Dabei handelt es sich um das Brukenthal-Lyzeum, ein deutschsprachiges Gymnasium mit einer langen Tradition, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Seit 1921 trägt es den Namen des siebenbürgischen Gouverneurs Samuel von Brukenthal.

Rechts geht es entlang der Stadtmauer zum Sagturm, dem einzigen erhaltenen von ehemals drei Zugängen zum ersten Befestigungsring. Der Turm wurde im 13. Jahrhundert errichtet und erhielt seine heutige Form im 16. Jahrhundert. Heute dient er Handwerksgesellen auf der Walz als Unterkunft. Die Bedeutung der Gilden für Hermannstadt wird auch durch den sogenannten Gildenbaum symbolisiert. Dies ist ein hölzerner Pfosten, der mit Werkzeugen und einem steinernen Drachen verziert ist.

Gleich daneben gelangt man über die Sagstiege, einem Treppengang, zur Unterstadt. In der Sagstiege geht rechts ein kleiner Weg ab. Dieses ehemalige Gässchen wurde im Volksmund auch „Bußwinkel“ genannt, weil in den ehemaligen Predigerwohnungen wohl ein Bußprediger lebte. Blickt man hinein, sieht man rechts die ursprüngliche Stadtmauer. Heute befindet sich hier ein Kellerrestaurant (Pivnița de vinuri/Weinkeller) mit einer tollen Weinauswahl.

Weitere Entdeckungen in der Oberstadt

Vom Großen Ring geht die Straße Nicolae Bălcescu ab, eine Fußgängerzone mit vielen Geschäften, Cafés und Restaurants, die man entspannt entlangflanieren kann.

Am Ende befindet sich der Astra-Park, eine Grünanlage, der sich auch gut für kleine Pause eignet. Dort befinden sich übrigens auch öffentliche Toiletten.

Tipp: Am Ende der Fußgängerzone befindet sich ein großer bewachter Parkplatz. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann hier sein Auto für 2 Ron/0,40 Euro pro Stunde stehenlassen. Bezahlen kann man bar oder per Karte.

Wehranlagen

Geht man vom Parkplatz die Cetăţii-Straße (Harteneckgasse) am gleichnamigen Park entlang, gelangt man zu gut erhaltenen Resten der Stadtmauer mit zwei Wehrtürmen, dem Töpferturm und dem Zimmermannsturm. Die Anlage kann besichtigt werden.

Wehrtürme/ Turnurile Cetăţii
Öffnungszeiten: 1.4. bis 31.10. – dienstags bis sonntags 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr, 1.11. bis 31.3. – dienstags bis sonntags 10:00 bis 18:00 Uhr
Eintritt: 2 Lei/0,40 Euro

Hinter dem Zimmermannsturm befindet sich die wunderschöne Philharmonie mit einer repräsentativen Fassade aus dem 19. Jahrhundert. Auf der anderen Seite schließt sich der „Dicke Turm“ an, eine äußerst bullige Wehranlage mit Schießscharten. Eine schräge Kombination.

Orthodoxe Kathedrale

In Hermannstadt gibt es nicht nur katholische und evangelische Kirchen, sondern auch eine prachtvolle orthodoxe Kirche. Die Kathedrale „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ ist eines der bedeutendsten Gotteshäuser Rumäniens.

Die jetzige Kathedrale wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil der Hagia Sophia von Konstantinopel errichtet. Das Innere des Gotteshauses beeindruckt durch seine opulente Ausstattung im byzantinischen Stil, darunter die prächtige Ikonostase, die kunstvollen Fresken mit biblischen Szenen und Heiligen sowie die goldenen Verzierungen.

Astra-Museum Freilichtmuseum

Wer genug Zeit mitbringt, sollte bei gutem Wetter einen Abstecher zum Astra-Freilichtmuseum einplanen. Das Areal ist eines der größten und ältesten Freilichtmuseen in Rumänien. Es befindet sich am Rande der Stadt und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 96 Hektar. Das Museum bietet einen faszinierenden Einblick in die traditionelle ländliche Architektur und Lebensweise Siebenbürgens.

In dem weitläufigem Park sind mehr als 300 originale, historische Gebäude aus verschiedenen Regionen Rumäniens zu sehen. Dazu gehören Bauernhäuser, Mühlen, Kirchen, Scheunen und Handwerksstätten, die aus verschiedenen Epochen und kulturellen Traditionen stammen. Viele der Gebäude wurden sorgfältig restauriert und ermöglichen authentische Einblicke in die Geschichte und Kultur des ländlichen Lebens. Ihr könnt bei einem Besuch durch ursprüngliche Dörfer schlendern, Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen und traditionelle Bräuche erleben.

Astra-Freilichtmuseum
Öffnungszeiten: täglich von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Eintritt: 35 Lei/7,03 Euro

Hermannstadt von oben – die schönsten Aussichtspunkte

Ich kann euch auf jeden Fall empfehlen, die Stadt einmal von oben zu betrachten. Dafür bieten sich der Ratsturm und der Turm der Evangelischen Stadtpfarrkirche an. Von dort habt ihr nicht nur einen großartigen Blick über die Altstadt, sondern könnt auch die berühmten Dachfenster von Sibiu, die „Augen“ der Stadt, besonders gut erkennen. Diese speziellen Dachluken dienten früher der Belüftung der Dachböden, hatten aber auch eine praktische Funktion, um Vorräte trocken zu halten.

Der Ratsturm wurde im 13. Jahrhundert errichtet und war Teil der zweiten Wehrmauer. Hermannstadt war ursprünglich von drei Ringen von Wehrmauern umgeben, die zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert errichtet wurden. Diese Mauern schützten die Stadt vor Angreifern und machten sie zu einer der am besten befestigten Städte in Siebenbürgen.

Der Aufstieg erfolgt über eine schmale steinerne Wendeltreppe. Das ist zwar etwas mühselig, die Aussicht entschädigt aber für alles. 

Ratsturm (Turnul Sfatului)
Adresse: Piata Mica 1, Sibiu 550182
Öffnungszeiten: 10:00 Uhr – 18:00 Uhr
Eintrittspreis: 2 Lei/0,40 Euro

Bequemer ist der Aufstieg über den Turm der Evangelischen Stadtpfarrkirche, da es sich um breitere Treppen handelt, dafür ist der Turm allerdings ein Stück höher, also nicht weniger anstrengend. Aber auch hier wird man mit wunderbaren Ausblicken belohnt.

Evangelische Stadtpfarrkirche
Adresse: Piata Albert Huet FN, Sibiu 550182
Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr, freitags 12:00 Uhr bis 20:00 Uhr, samstags 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr und sonntags 11:30 Uhr bis 18:00 Uhr
Eintrittspreis: Jeweils 10 Lei/2,01 Euro für Kirche oder Turm bzw. 15 Lei/3,02 Euro für beides

Auf dem Cibin-Markt von Hermannstadt

Auch hier habe ich die Gelegenheit genutzt, um über den Markt zu schlendern, ein paar frische Produkte zu kaufen und Mici-Würstchen zu futtern. Es hat mich aber nicht ganz so vom Hocker gefegt. Toll war der kleine Käseladen am Rande des Marktes, wo es eine große Auswahl insbesondere an Frischkäse gab. Die Mici-Würstchen waren günstiger als auf dem Bukarester Markt, aber leider auch nur halb so gut.

Beim Einkauf des Gemüses wurde es seltsam: Beim ersten Stand wollte man mich offenbar nicht bedienen. Es war nichts los, die Verkäuferin sah mich, aber bewegte sich nicht. Als ich keine Anstalten machte zu gehen, kam sie dann doch, ich sagte, ich hätte gerne ein paar Gurken, und sie meinte, dass sie unter einem Kilo nicht verkaufe. Peng! Ok, nächster Versuch am Stand gegenüber. Vom dortigen Verkäufer hörte ich denselben Text. Also eine Reihe weiter. Dort strahlte mich die Verkäuferin an, streckte mir einen Korb entgegen, in den ich so viel hineinlegen konnte, wie ich wollte, und dazu schenkte sie mir noch eine Tomate. So kann es auch gehen.

Reiseliteratur vor Ort besorgen

Wer sich vor Ort gerne nähere Informationen über Hermannstadt oder Siebenbürgen verschaffen möchte, wird in zwei gut sortierten Buchhandlungen fündig. In beiden findet ihr eine große Auswahl deutschsprachiger Literatur und es wird Deutsch gesprochen:

  • Schiller-Buchhandlung: Dieses Geschäft befindet sich direkt am Großen Ring und man kann sich gemütlich durchstöbern. Als ich die Mitarbeiterin allerdings nach einer Empfehlung für ein gutes Buch über die Region und ihre Geschichte fragte (Sachbuch oder Biografie), zeigte sie sich etwas einfallslos, weil sie ganz freimütig bekannte, dass sie derartige Literatur nicht lese und daher nichts Konkretes empfehlen könne. Für eine Buchhandlung mit einem solchen Fokus schon eine seltsame Aussage.

Schiller-Buchhandlung
Adresse: Piața Mare 7, Sibiu 550163
Öffnungszeiten: montags bis samstags 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

  • Erasmus-Büchercafé: In der Mitropoliei-Schule Straße (Fleischergasse) befindet sich eine weitere Buchhandlung mit ähnlichem Angebot. Hier gibt es aber auch noch ein gemütliches Café, wo man mit dem Stöbern direktbloslegen kann. Und wer mit Kindern unterwegs ist, darf sich über einen kleinen Spielplatz vor dem Café freuen.

Erasmus-Büchercafé
Adresse: Mitropoliei 30, Sibiu 550179
Öffnungszeiten: montags bis samstags 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr, sonntags 11:30 Uhr bis 18:00 Uhr

Kulinarische Highlights – Restauranttipps für Hermannstadt

Bei einem Besuch in Hermannstadt kommt man auch kulinarisch voll auf seine Kosten. Traditionelle Gerichte sind Kohlrouladen (sarmale), Pilz- und Gulascheintöpfe, Polenta (mămăligă) mit Sauerrahm und saure Suppen. 

Besonders gefallen hat mir das Restaurant Crama Sibiul Vechi, das traditionelle Küche in einem charmanten Kellergewölbe anbietet. Ich hatte eine Forelle mit Kartoffelbrei, die hervorragend geschmeckt hat. Da das Restaurant recht klein ist und nur wenige Tische hat, lohnt es sich, im Voraus zu reservieren. Wir sind ohne Reservierung gegen 18:00 Uhr auf gut Glück hin und konnten den letzten freien Tisch ergattern. 

Crama Sibiul Vechi
Adresse: Alexandru Papiu-Ilarian 3, Sibiu 550160
Öffnungszeiten: täglich 12:00 Uhr bis 22:00 Uhr

Toll ist auch das Kulinarium am Kleinen Ring. Auf der Terrasse haben wir die warmen Sonnenstrahlen genossen, doch auch der geschmackvoll eingerichtete Innenraum ist einen Besuch wert. Dort habe ich Polenta mit Sauerrahm ausprobiert. Die hat zwar gut geschmeckt, war mir als Hauptgericht aber viel zu schwer, so dass ich nur die Hälfte geschafft habe. Polenta kommt mir daher nur noch als Beilage auf den Teller. 

Kulinarium
Adresse: Piața Mică 12, Sibiu 550182
Öffnungszeiten: täglich 12:00 Uhr bis 23:00 Uhr

Häufig empfohlen wird das Crama Sibiană, das direkt neben dem Ratsturm liegt. Auch dieses Restaurant punktet mit einem rustikalen Kellergewölbe und traditioneller Küche.

Crama Sibiană
Adresse: Piața Mică 31, Sibiu 550182
Öffnungszeiten: täglich 12:00 Uhr bis 23:55 Uhr

Für eine kleine Pause zwischendurch ist das Pardon Café & Bistro perfekt. Bei Kaffee und hausgemachtem Kuchen fühlt man sich hier wie in einem französischen Wohnzimmer. Leider ist nachmittags geschlossen.

Pardon Café & Bistro Sibiu
Adresse: Cetății 14, Sibiu 550160
Öffnungszeiten: täglich 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr und 18:00 Uhr bis 23:00 Uhr

Probiert auf jeden Fall einen lokalen Wein, denn die Region ist insbesondere für ihre Weißweine bekannt. Das Restaurant Restaurant Pivnița de vinuri bietet eine umfangreiche Weinkarte, die für jeden Geschmack etwas bereithält.

Pivnița de vinuri
Adresse: Turnului 2, Sibiu 550197

Wer es gerne herzhaft mag, sollte einen Abstecher ins Kombinat machen. Dort gibt es selbstgebrautes Bier und die Spareribs sollen hervorragend sein.

Kombinat
Adresse: Berăriei FN, Sibiu 550173
Öffnungszeiten: täglich 12:00 Uhr bis 0:00 Uhr

Fazit

Hermannstadt (Sibiu) hat mich total positiv überrascht und war für mich die mit Abstand schönste Stadt unserer Rumänien-Rundreise. Die mittelalterliche Atmosphäre der Stadt ist allgegenwärtig, man entdeckt Überreste alter Stadtmauern, durchschreitet massive Torbögen und kann prachtvolle Gebäude bestaunen. Doch selbst dort, wo der Putz bröckelt, verliert die Stadt nichts von ihrem Charme, ganz im Gegenteil. Besonders magisch wird es am Abend, wenn das Tageslicht schwindet und die Laternen mit ihrem warmen, orangefarbenen Licht die schmalen Gassen erleuchten.

Zwar sind viele Touristen unterwegs, doch im Gegensatz zu Schässburg (Sighișoara) fühlt man sich hier nicht von ihnen überrannt. Hermannstadt schafft eine perfekte Balance zwischen Tourismus und authentischem Stadtleben. Zudem bietet die Stadt ein vielfältiges kulturelles Programm, das sich in zahlreichen Festivals und Veranstaltungen widerspiegelt.

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