Guadalajara und Ajijic, das Pueblo Mágico am Chapala-See

Von unserer 4-wöchigen Rundreise in Mexiko haben wir eine Woche in Guadalajara im Bundesstaat Jalisco verbracht. Von dort aus haben wir noch einen zweitägigen Abstecher an den Chapala-See nach Ajijic gemacht.
Ajijic
Ajijic ist eines der Pueblos Mágicos, der magischen Dörfer Mexikos. So werden kleine Orte ausgezeichnet, die eine besondere Anziehungskraft aufgrund ihrer natürlichen Schönheit, ihres historischen und kulturellen Erbes oder ihrer besonderen Legenden wegen ausüben. Das Tourismusministerium hat diesen Titel seit 2001 bereits an 132 Ortschaften verliehen, um sie bekannter zu machen, touristisch zu fördern und so ihr wertvolles Erbe zu erhalten.
Der kleine Ort ist beliebt bei kanadischen und US-amerikanischen Rentnern und man kann sich sicher dort bewegen.
Anreise nach Ajijic an den Chapala-See
Ajijic liegt etwa eine Stunde Autofahrt von Guadalajara entfernt. Guadalajara selbst befindet sich im Bundesstaat Jalisco im Westen des Landes, drei Flugstunden von Cancún entfernt, wo wir vor kurzem angekommen sind. Wir flogen mit Viva Aerobus und trotz der teils schauerlichen Bewertungen hatten wir zwei tolle Flüge, absolut pünktlich mit sehr nettem Bordservice.

Am Flughafen trafen wir uns mit einer mexikanischen Freundin, die ich schon seit meiner Studienzeit in Madrid kenne, und fuhren für 380 Pesos/20,20 Euro mit dem Taxi nach Guadalajara. Die Taxischeine bekommt man zum Festpreis im Terminal des Flughafens und reiht sich dann in die Taxischlange draußen ein.
Ajijic liegt am größten Binnensee Mexikos, dem Chapala-See, und ja, er ist wirklich riesig. Wir waren sehr gespannt und erwarteten einen verträumten kleinen Ort mit urigem Kopfsteinpflaster, bunten Häusern und kleinen Kunsthandwerksläden.
Kopfsteinpflaster auf den Straßen Ajijics
Das traf auch insoweit zu, als dass die Gassen Ajijics teilweise sehr malerisch wirken mit ihren bunten Häusern, knorrigen Bäumen und dem Kopfsteinpflaster auf den Straßen.

Das Pflaster ist allerdings ziemlich rumpelig und uneben, so dass es sich sehr empfiehlt, auf stabiles Schuhwerk zu achten, damit man nicht wegknickt. Das ließ auch das Buggyfahren zu einer echten Herausforderung werden.
Durch den Ort führt die stark befahrene Hauptstraße am See entlang. Oberhalb der Straße, wo wir ein wunderschönes rustikales Haus mit Blick auf den See gemietet hatten, klappte ich den Buggy zusammen und nahm meinen Schatz an die Hand, weil es wirklich nicht anders ging. Unterhalb der Straße gibt es zumindest asphaltierte Bürgersteige, so dass man etwas besser vorankommt. Wer also mit einem Baby unterwegs ist, das noch nicht laufen kann, oder nicht gut zu Fuß ist, sollte daher darauf achten, eine Unterkunft zwischen der Hauptstraße und dem See zu buchen.
Tipp: Jeden Mittwoch gibt es einen großen Markt in der Calle Revolución, im Abschnitt zwischen der Hauptstraße und der Calle Constitución, wo man alles Mögliche kaufen kann und es leckere Essensstände gibt. Leider waren wir an anderen Tagen da. Wer Spaß an solchen Märkten hat, sollte versuchen, an einem Mittwoch da zu sein.
Chapala-See
Am See gibt es eine lange Promenade („Malecón“), auf der man wunderbar flanieren kann.

Die Sonne brannte ordentlich, aber wir waren dick eingeschmiert und hatten Hüte auf. Von hier aus kann man Touren mit dem Boot über den See machen. Als wir darauf angesprochen wurden, lehnten wir dankend ab. Wir fühlten uns so schon wie gebrutzelte Spiegeleier. Schwimmen kann man in dem See übrigens nicht wegen der starken Verschmutzung. Schade ist, dass es trotz der traumhaften Lage kaum Gastronomie gibt. Das einzige Restaurant am Steg hatte wegen einer privaten Veranstaltung geschlossen, also gingen wir zur gegenüberliegenden Bar und bestellten uns eine Margarita. Gerade, als die Getränke kamen, ging 20 Meter weiter die Planierraupe los. Volltreffer!
Magie des Ortes?
Eine besondere Magie hat leider keinen von uns beiden erreicht. Wir wussten ja im Vorfeld, dass der Ort bei kanadischen und amerikanischen Rentnern sehr beliebt ist , aber das Ausmaß irritierte uns beide dann doch gewaltig. Egal, wo man hinging, kamen einem ältere weißhaarige Amerikaner oder Kanadier entgegen. Das fanden wir anfangs noch lustig, aber irgendwie sahen wir nichts anderes. Am Platz inmitten des Dorfes, wo wir am ersten Tag frühstückten, lagen sie auf Matten und machten Joga. In unserem Frühstückscafé lief Countrymusik, dann gab es natürlich Kaffee mit Refill. Gefühlt sahen wir mehr Krankenhäuser als Kunsthandwerksläden, was bei dem Altersschnitt nicht verwunderlich sei, wie meine mexikanische Freundin – eine Ärztin – bissig feststellte. Es kam uns alles eher wie ein amerikanisches Dorf mit mexikanischer Verkleidung vor.
Die Stimmung zwischen Locals und den Neuzugängen ist dementsprechend zwiespältig, wie wir erfahren haben. Einerseits sorgt die Popularität des Ortes natürlich für Arbeitsplätze, die es vorher nicht in dem Ausmaß gegeben hat, andererseits hat die starke Nachfrage bereits zu einem satten Anstieg des Preisniveaus geführt, so dass es für Einheimische immer schwieriger wird, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Guadalajara
Nach zwei Tagen ging es weiter nach Guadalajara und ich war schon sehr gespannt auf diese riesige Stadt.
Anreise nach Guadalajara per Taxi oder Bus
In einem Taxi fuhren wir zunächst zum Flughafen, von wo meine Freundin wieder zurück nach Mexiko-Stadt flog. Meine Tochter und ich fuhren weiter nach Guadalajara. Vom Flughafen nach Guadalajara bezahlte ich einen Festpreis von 200 Pesos/10,63 Euro.
Alternativ kann man für die Strecke von Ajijic nach Guadalajara (und umgekehrt) auch einen Bus nehmen, was günstiger ist (65 Pesos/3,46 Euro). Dabei sollte man darauf achten, die Direktverbindung zu erwischen, da der andere Bus recht häufig stoppt und 30 Minuten länger braucht. Wir haben einige dieser Busse gesehen, die immer pickepackevoll waren, so dass die Wahrscheinlichkeit, die Stunde nach Guadalajara bzw. nach Ajijic im Stehen zu verbringen, groß ist. Ein Taxi ist daher deutlich komfortabler.
Der erste Eindruck
In Guadalajara machte es dann endlich „bäng“. Eine ganz tolle Stadt, die viele nicht auf dem Schirm haben und die ich wärmstens empfehlen kann, wenn man mal authentisches Mexiko abseits vom überlaufenen Yucatán kennenlernen möchte. Guadalajara ist die zweitgrößte Stadt Mexikos mit knapp 6 Mio. Einwohnern, wenn man die Metropolregion hinzurechnet.
Viele „Gringos“ verirren sich offenbar nicht hierher, lediglich im Centro histórico habe ich einige gesehen. Vielleicht ist das der Grund, dass die Leute umso freundlicher auf uns reagiert haben. Dazu kam noch der Umstand, dass meine Tochter wirklich jeden angestrahlt hat, und da Mexikaner äußerst kinderlieb sind, hatte ich viele herzliche Begegnungen.
Ist Guadalajara sicher?
In puncto Sicherheit ist Guadalajara leider nicht ganz so unbedenklich wie Ajijic, wo man unproblematisch auch nachts umherlaufen können soll, wie uns unser Vermieter in Ajijic erklärt hatte. Ich habe mich aber zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt. Auf Nachfrage beim Taxifahrer hieß es, dass sich die Situation wieder gebessert habe und der Bereich des Zentrums, wo sich viele Sehenswürdigkeiten befinden, tagsüber okay sei. Dort patrouilliert auch jede Menge Polizei, von Guardia Nacional bis zur Touristenstreife ist alles dabei. Man sollte jedoch auf seine Umgebung achten und vor allem auf sein Handy aufpassen, da dieses gerne von Motorradfahrern beim Telefonieren oder Fotografieren aus der Hand gerissen wird.
In welchem Stadtteil von Guadalajara übernachten?
Als sichere Stadtteile wurden uns von einer Bekannten, die vor Ort lebt, Colonia Americana und Providencia im Norden der Stadt empfohlen. Ich entschied mich für ein Airbnb in Colonia Americana mit einer unglaublich liebenswürdigen Vermieterin, die uns auch viele Tipps für Restaurants oder besuchenswerte Orte gegeben hat. In der Colonia Americana sollte man darauf achten, nicht weiter östlich von der Straße Calzada del Federalismo Sur zu wohnen, da es dort relativ langweilig ist. Eher Geschäftsbetrieb und viel Staub auf den Straßen.
Historische Altstadt Guadalajaras
Sonntags ist die zentrale Avenida Juárez für den Autoverkehr gesperrt und wirklich alles, was Beine hat, ist dann unterwegs mit dem Fahrrad, mit Rollerblades oder joggend, und das bei 30 Grad. Überall auf den Straßen herrschte eine fröhliche, ausgelassene Stimmung. Ein toller Tag, um das Zentrum mit den historischen Sehenswürdigkeiten und seinen schönen Plätzen zu besuchen.

Über die Avenida Ignacio L. Vallarta kommend, die in die Avenida Juárez übergeht, landeten wir irgendwann an der Kathedrale Guadalajaras. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Gotteshaus, das immer wieder schwere Schäden durch Erdbeben erlitt und in der Folge häufig saniert werden musste, bildet das Herzstück des Centro histórico.


Ringsherum wird die Kathedrale von vier Plätzen eingerahmt, von denen ich die Rotonda de los Jaliscienses Ilustres am schönsten finde. Hier haben wir eine Pause gemacht und dem bunten Treiben um uns herum zugeschaut.
Auf dem Platz wird berühmter Persönlichkeiten aus dem Bundesstaat Jalisco gedacht. Neben der großen von weither sichtbaren Säulenrotunde stehen auf dem Platz 20 Bronzestatuen. Unterhalb des Platzes in einer Krypta befinden sich zudem einige Grabstätten.


Wer abends ein Konzert hören möchte, kann auf der Plaza de Armas Glück haben. Der wunderschöne Art Nouveau-Pavillon wird regelmäßig für Auftritte genutzt.
Mercado San Juan de Dios
Auch findet man hier eine Reihe von Cafés. Ich hatte mittlerweile aber ziemlichen Hunger, also suchten wir uns ein Plätzchen im größten überdachten Markt ganz Lateinamerikas, dem Mercado San Juan de Dios. Riesige Menschenmengen schoben sich durch die schmalen Gänge und hier musste man wirklich auf seine Sachen aufpassen. Nach einem leckeren großen Ceviche für 80 Pesos/4,25 Euro schafften wir es ohne Verluste wieder raus.
Tipps für Guadalajara
Was kann man sonst noch in Guadalajara erleben? Hier einige Anregungen:
Bummel durch das Viertel Colonia Americana
Zum Bummeln und Essen oder für Drinks ist die Colonia Americana wunderbar. Dieses Viertel wurde nicht umsonst von dem Magazin Time Out zur „coolest neighboorhood in the world“ gekürt. Rund um die Calle Libertad gefiel es mir am besten. Schöne baumbestandene Straßen und viele gemütliche Cafés und Restaurants, in denen man sich sehr angenehm die Zeit vertreiben kann.


Essen an der Plaza Colón
Sehr urig ist die Gegend um die Plaza Colón, die wir per Zufall entdeckten. In der „Birrieria Las 9 Esquinas“ aßen wir sehr leckere Enchiladas Verdes.


Besuch des Viertels Providencia mit dem Parque Bosque los Colomos
Providencia ist ein schicker und sicherer Stadtteil im Norden der Stadt, in dem sich auch ein riesiger Park, der Bosque los Colomos, befindet, und der auf jeden Fall einen Besuch lohnt. Schön ist dort insbesondere der Japanische Garten. Als ich dort war, ließen sich eine Reihe von jungen Mädchen in festlichen Kleidern fotografieren. Dies ist Bestandteil der Quinceañera, den Feierlichkeiten zum 15. Geburtstag. Dabei wird nicht nur der Geburtstag selbst gefeiert, sondern der Übergang vom Mädchen zur Frau. Bei uns völlig unbekannt, in einigen lateinamerikanischen Ländern hingegen eine Riesensache. Bei diesen Feiern werden auch schon mal mehrere Tausend Euro für die Bewirtung zahlreicher Gäste, Location, DJ und Fotograf ausgegeben.

Abstecher in den Zoo
Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte sich einen Besuch des Zoos nicht entgehen lassen. Meine Tochter war von der schönen Anlage begeistert.

Dort kann man nicht nur herumlaufen und sich die Tiere anschauen, sondern auch mit einer Seilbahn über den Zoo hinwegfahren (sofern das Kind größer ist als 1,10 m), eine Safari machen oder mit dem Bummelzug durch das Gelände fahren. Je nachdem, welche Attraktionen man dabei haben möchte, kann man zwischen drei verschiedenen Eintrittstarifen wählen: Basispaket Guadazoo für 120 Pesos/6,38 Euro, Paket Premier für 335 Pesos/17,81 Euro oder Paket Diamante für 390 Pesos/20,73 Euro. Man kann aber auch das Basispaket nehmen und weitere Attraktionen einzeln bezahlen.



Einziger Unterschied zwischen den Paketen „Premier“ und „Diamante“ ist die Seilbahn. Da die Seilbahn wegen der Größenanforderung für meine Tochter nicht in Frage kam, haben wir das Premier-Paket für 335 Pesos/17,81 Euro genommen. Gegenüber dem Basisticket hatten wir damit noch die Safari, die Zugfahrt, das Aquarium und die Antarktis dabei. Mit der Zugfahrt kann man sich einen guten Überblick über das Gelände verschaffen.
Die Safari fand ich am besten, weil das Gelände wunderschön gestaltet war und verschiedene Tiere dort zusammenlebten und sich freier als in den Gehegen bewegen konnten. Durch das bucklige Areal sind wir mit einem Allrad-Wagen gefahren und haben Giraffen, Zebras, Antilopen und Krokodile gesehen.


Auf das Aquarium und die Antarktis kann man getrost verzichten. Das Aquarium ist insgesamt eher langweilig und in dem Antarktis genannten Bereich fährt man in einer trostlos gestalteten Umgebung (wirkte wie ein Kühlschrank) auf einem Rollband vor einem Panoramafenster entlang und kann sich dabei die Pinguine anschauen.
Kunsthandwerk in Tlaquepaque oder Tonala shoppen
Nicht verpassen sollte man Tlaquepaque, auch ein Pueblo Mágico, das wunderschön zum Bummeln und Essen ist, und wo es tolles Kunsthandwerk und Lederwaren zu kaufen gibt. Am besten lässt man sich von einem Uber zur Fußgängerzone Calle Independencia bringen und startet dort den Bummel durch die schönen Gassen.



Auch lohnt ein Besuch in Tonalá, was wir aber nicht geschafft haben. Wer wirklich etwas Kunsthandwerk kaufen möchte, sollte dort vorbeischauen, da die Preise niedriger als in Tlaquepaque sein sollen. Dafür ist der Bummelfaktor nicht so schön.
Tagesausflug nach Tequila
Einen Tagesausflug nach Tequila mit Besuch der weltberühmten Brennerei hätte ich total gerne gemacht, aber mit meinem Schatz alleine wollte ich mich dann doch nicht durch die Tequilas probieren. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.
Transport innerhalb Guadalajaras
Für den Transport innerhalb der Stadt kann ich uneingeschränkt Uber empfehlen. Die Wagen waren meistens innerhalb von 5 Minuten da, und für die längsten Strecken (z. B. nach Tlaquepaque oder zum Zoo) habe ich zwischen 100 Pesos (5,32 Euro) und 150 Pesos (7,97 Euro), je nach Uhrzeit und Verkehr, bezahlt.
Fazit
Die seltsame Mischung in Ajijic aus einem alten mexikanischen Dorf gefüllt mit amerikanischem Lifestyle war kurios, wollte mir aber einfach nicht gefallen. Der Nachmittagsausflug ins benachbarte Chapalá fiel leider ins Wasser, weil mir bei dem buckligen Kopfsteinpflaster der Buggy umgekippt war. Aufgrund der unsanften Landung meines kleinen Schatzes ließen wir sie sicherheitshalber im Krankenhaus checken (zum Glück alles ok). Daher weiß ich nicht, ob Chapalá ansprechender gewesen wäre.
Sehr begeistert war ich aber von unseren paar Tagen in Guadalajara. Die Stadt verströmt eine Menge positiver Energie und Lebenslust, das Essen war klasse und es gab viel für uns zu entdecken. Im Nachhinein würde ich sagen, dass es der schönste Part unserer Mexiko-Rundreise war.