Balkan-Rundreise: 2 Wochen durch Montenegro, Bosnien und Kroatien

Eine Rundreise durch den Balkan hatte ich schon lange im Kopf, aber keine klare Vorstellung davon, was mich erwartet. Zwei Wochen war ich mit meiner kleinen Tochter mit Bus und Zug unterwegs, quer durch Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Dabei haben wir wilde Landschaften, türkisfarbene Flüsse, leckeres Essen, herzliche Menschen und so manche Überraschung erlebt. In diesem Reisebericht teile ich unsere Route, persönliche Highlights, praktische Tipps für unterwegs und ehrliche Eindrücke von unseren besuchten Orten. 

Reiseroute im Überblick

Unsere Balkan-Rundreise startete in Podgorica in Montenegro und endete im kroatischen Zadar. Konkret sah unsere Route wie folgt aus:

  • Podgorica: 2 Übernachtungen (Ü)
  • Kotor (2 Ü)
  • Mostar (2 Ü)
  • Sarajevo (3 Ü)
  • Banja Luka (1 Ü)
  • Zagreb (3 Ü)
  • Zadar (2 Ü)

Highlights unserer Balkan-Rundreise

Unsere zwei Wochen auf dem Balkan waren abwechslungsreich, beeindruckend und voller schöner Begegnungen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die atemberaubenden Landschaften, die entspannte und herzliche Mentalität der Menschen sowie das leckere Essen und das vielfältige gastronomische Angebot.

Atemberaubende Natur und Landschaften auf dem Balkan

Wer sich noch an die alten Karl-May-Filme erinnert, kennt die beeindruckenden Schluchten, Wasserfälle, Stromschnellen, Berge und Wälder, die dort als Kulisse dienten. Viele dieser Aufnahmen entstanden auf dem Balkan, insbesondere in Kroatien, und wenn man einmal vor Ort ist, versteht man sofort, warum. Die Natur auf dem Balkan ist atemberaubend: rau, wild und unglaublich grün.

Schon in Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro, war ich völlig fasziniert vom türkisfarbenen Wasser des Flusses Moraca. Die Ufer und das Flussbett sind oft mit glatten Steinen übersät. Dabei ist das Wasser ist so klar und flach, dass mein kleiner Schatz problemlos die Füße eintauchen und Steine hineinwerfen konnte.

Auch in Mostar in Bosnien-Herzegowina leuchtete das Wasser in einem intensiven Türkiston. Die ganze Region ist geprägt von beeindruckenden Flusstälern, Bergen und Wäldern. Perfekt für alle, die die Natur des Balkans erleben wollen. Besonders in Bosnien ziehen sich dichte Wälder über die Hänge. Das sorgt für grandiose Ausblicke entlang der Strecke und macht jede Busreise oder Zugfahrt durch den Balkan zu einem kleinen Naturabenteuer.

Entspannte Mentalität

Was mir bei unserer Balkan-Rundreise besonders gut gefallen hat: Hier ist längst nicht alles so durchreglementiert ist wie in Mitteleuropa. In Montenegro und Bosnien-Herzegowina laufen die Menschen ganz selbstverständlich über die Bahngleise, egal, ob gerade ein Zug einfährt oder nicht. Unterführungen? Gibt’s oft gar nicht. Was bei uns vermutlich zu einem Großeinsatz führen würde, ist dort völlig normal. 

Diese entspannte Haltung zieht sich durch viele Lebensbereiche. Rauchen z. B. ist in vielen Lokalen erlaubt und selbst da, wo es eigentlich verboten ist, scheint es kaum jemanden zu interessieren. Klar, das kann auch mal unangenehm sein, wenn man in einem völlig verqualmten Raum landet. Aber irgendwie fand ich es fast faszinierend, dass es solche Orte überhaupt noch gibt.

Besonders schön war die große Kinderfreundlichkeit, die uns auf der ganzen Reise begegnet ist. Meinem Schatz wurden ständig kleine Aufmerksamkeiten wie Bonbons oder Kekse zugesteckt. Beim Grenzübertritt von Montenegro nach Bosnien warf der Grenzbeamte zunächst einen Blick in meinen Pass . Dann zückte er die Keksschachtel und scherzte ein wenig mit ihr. Egal ob auf dem Spielplatz, in der Unterkunft oder einfach unterwegs, überall begegnete man ihr mit großer Freundlichkeit, ohne dabei übergriffig zu sein (in der Türkei war es teilweise anstrengend, weil die Leute sie ständig anfassen und auf den Arm nehmen wollten). In manchen Unterkünften wollte sie am liebsten gar nicht mehr abreisen, so wohl hat sie sich gefühlt. Gerade wenn man eine Balkan-Reise mit Kind plant, ist das ein echter Pluspunkt.

Gastronomie und Essen

Die Balkanküche ist bekanntlich sehr fleischlastig. Wer gerne deftig isst, kommt bei einer Balkan-Rundreise voll auf seine Kosten. Besonders beliebt sind Ćevapi, würziges Hackfleisch in Röllchen oder in Blockform, die es an fast jeder Straßenecke für kleines Geld gibt. Serviert mit Zwiebeln, Fladenbrot und manchmal Ajvar, schmecken sie einfach fantastisch. Eine kleine Portion lässt sich perfekt mit einem frischen Šopska-Salat (Gurken, Tomaten, Paprika und reichlich geriebener Schafskäse) kombinieren – einfach, aber herrlich lecker.

Neben Ćevapi gibt es auf dem Balkan viele weitere regionale Spezialitäten, wie Burek (gefüllter Blätterteig), Pljeskavica (eine Art Hacksteak) oder gefüllte Paprika – oft günstig, ziemlich sättigend und sehr geschmackvoll. Vegetarier haben es zugegeben schwerer, aber vor allem in größeren Städten oder modernen Restaurants gibt es ein wenig mehr Auswahl.

Das inoffizielle Nationalgetränk auf dem Balkan ist eindeutig der Kaffee. Ich habe noch nie so viele Menschen Kaffee trinken sehen wie hier, egal zu welcher Tageszeit. In Bosnien wird der traditionelle bosnische Kaffee in einer kleinen Kupferkanne serviert, ist sehr stark und erinnert an türkischen Mokka. 

Kleine Cafés gibt es gerade in Bosnien überall. Wer einfach „Kaffee“ bestellt, bekommt in der Regel einen Espresso (für etwa 1,50 Euro), fast immer mit einem Glas Wasser dazu. Diese Kaffeekultur ist tief im Alltag verankert, ganz ähnlich wie die italienische Bar am Morgen. Und ich vermute, genau diese Tradition, sich auf einen Kaffee zu treffen, trägt einen großen Teil zur gelassenen Mentalität der Menschen hier bei. 

Praktische Tipps für eure Balkan-Reise

Anreise

Bei einer Balkan-Rundreise durch Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien eignen sich Podgorica oder die Küstenstädte Kroatiens wie Rijeka, Zadar, Split und Dubrovnik hervorragend als Startpunkt. Von dort werden zahlreiche Flüge angeboten, die zumindest von und nach Berlin auch günstiger zu erreichen sind als die kroatische Hauptstadt Zagreb. 

Wer aus Süddeutschland anreist, kann Zagreb auch bequem mit dem Zug oder Fernbus erreichen. Ab München fahren regelmäßig Busse, die – je nach Tageszeit und Verkehr – etwa 8 bis 9 Stunden benötigen. Alternativ bietet die Deutsche Bahn eine direkte Nachtzugverbindung an, mit der man in rund 12 Stunden in Zagreb ist.

Wir selbst sind in Podgorica (Montenegro) gestartet und von Zadar (Kroatien) zurückgeflogen, da es für unsere Route die preiswerteste Verbindung war.

Von Süddeutschland aus ist Zagreb auch mit dem Zug oder Bus erreichbar. Von München gibt es häufige Busverbindungen, mit denen man Zagreb innerhalb von 8 bis 9 Stunden, je nach Tageszeit und Verkehr, erreicht. Mit dem direkten Nachtzug der Deutschen Bahn braucht man knapp 12 Stunden.

Beste Reisezeit für den Balkan

Die beste Reisezeit für den Balkan hängt neben den Präferenzen für Temperaturen stark davon ab, wie empfindlich man auf Touristenmassen reagiert. Wer nicht auf Schulferien angewiesen ist und zeitlich flexibel reisen kann, sollte die Hauptsaison im Juli und August nach Möglichkeit meiden. Besonders entlang der Adria-Küste – in beliebten Reisezielen wie Kotor, Dubrovnik oder Zadar – legen täglich Kreuzfahrtschiffe an. Das führt zu teils extremen Menschenansammlungen in den Altstädten. In den engen Gässchen schieben sich dann Reisegruppen, Tagesgäste und Individualtouristen dicht an dicht.

Gerade in Dubrovnik ist das Problem so groß geworden, dass die Stadt die Zahl der Besucher inzwischen mit Zugangsbeschränkungen und einer Deckelung für Kreuzfahrtschiffe begrenzt hat. Doch auch mit diesen Maßnahmen bleibt es in der Hochsaison trubelig. Wer es ruhiger mag, sollte auf die Nebensaison im Frühling oder Herbst ausweichen.

Wir waren Mitte Mai unterwegs, also noch vor dem Ansturm im Sommer, und selbst da empfand ich Kotor und Zadar schon als ziemlich voll. Laut Einheimischen sei das jedoch „noch gar nichts“ im Vergleich zu den Sommermonaten. Auch Mostar, das nicht an der Küste liegt, scheint besonders beliebt bei Reisegruppen und war proppevoll.

Für alle, die mit eigenem Auto oder Mietwagen unterwegs sind, kommt hinzu, dass in der Hochsaison die Parkplatzsuche in Altstadtnähe ein Alptraum ist. Weitere Pluspunkte der Vorsaison: angenehme Temperaturen, moderatere Preise und eine insgesamt entspanntere Atmosphäre.

Transport vor Ort mit Bus und Zug

Wer den Balkan ohne Mietwagen bereisen möchte, kommt mit Bus und Bahn prima zurecht. Gerade auf beliebten Strecken verkehren regelmäßig Fernbusse, die auch kleinere Orte miteinander verbinden. Da meine Tochter stundenlanges Autofahren allein auf der Rückbank gar nicht mag, reise ich, wo immer es möglich ist, lieber mit Bus und Zug, was hier problemlos klappte. Tickets lassen sich teils online, teils direkt am Busbahnhof kaufen.

Ein Highlight war die Zugfahrt von Mostar nach Sarajevo, die als eine der schönsten Zugreisen Europas gilt. Noch besser gefallen hat mir allerdings die Busfahrt von Sarajevo nach Banja Luka.

Besonders praktisch: In vielen Städten sind die Busbahnhöfe zentral gelegen, meist gleich neben den Bahnhöfen. Die Ticketpreise sind günstig, so dass man im Vergleich zum Mietwagen zumindest alleinreisend auch deutlich günstiger wegkommt.

Meine Fahrtkosten in Euro im Überblick

StreckeAnbieterFahrpreis ErwachsenerFahrpreis Kleinkind
Podgorica-KotorPapović (Minivan)8,00
Kotor-MostarLalatović26,2013,10
Mostar-SarajevoZug6,903,94
Sarajevo-Banja LukaCentrotrans21,8611,50
Banja Luka-ZagrebPepeks26,0013,00
Zagreb-ZadarArriva13,5013,50

Online oder am Schalter?

Die Fahrten von Sarajevo nach Banja Luka und weiter nach Zagreb hatte ich schon vor der Reise online gebucht. Alles andere regelte ich spontan entweder direkt am Bahnhof oder online. Die Verbindungen von Lalatović und Pepeks konnte ich nicht direkt buchen, sondern habe “traveling.com” benutzt. Bei Centrotrans habe ich auf deren Seite gebucht. 

Von Podgorica nach Kotor war es überhaupt kein Problem, am Vorabend ein Ticket zu bekommen. Schwieriger wurde es bei der Verbindung von Kotor nach Mostar: Am Schalter sagte man mir, dass der Bus bereits ausgebucht sei. Kurz überlegte ich, stattdessen nach Dubrovnik zu fahren, dort mein Gepäck einzuschließen, die Stadt anzusehen und abends weiter nach Mostar zu reisen, zwar umständlicher und teurer, aber immerhin machbar. Zum Glück kam ich noch auf die Idee, online nachzusehen und siehe da: Online war das Ticket nach Mostar problemlos buchbar. Fazit: Es lohnt sich immer, zusätzlich online zu prüfen, ob es noch verfügbare Tickets gibt.

Vor der Fahrt Bahnsteigkarte kaufen

In Montenegro und Bosnien-Herzegowina muss man beim Reisen mit dem Bus noch eine Besonderheit beachten: Für jedes Online-Ticket fällt eine zusätzliche Gebühr für die Bahnhofsbenutzung („peronska karta“) an. Diese beträgt meist zwischen 1 und 2 Euro und ist am Schalter vor der Abfahrt zu bezahlen. Nur mit diesem Beleg und dem Barcode darauf erhält man Zutritt zum Abfahrtsbereich.

Aufgabegepäck extra bezahlen

Außerdem sollte man immer Kleingeld für Gepäck parat haben: Für jedes Stück, das im Gepäckraum untergebracht wird, wird eine separate Gebühr von etwa 1 bis 2 Euro verlangt – pro Fahrt. Fand nicht nur ich ziemlich schräg. Einzige Ausnahme waren die Verbindungen von Banja Luka nach Kroatien und von Zagreb nach Zadar, dort war das Gepäck kostenfrei.

Komfort der Fernbusse

Der allgemeine Standard der Busse war durchweg in Ordnung: sauber und mit ausreichend Platz. Funktionierende Toiletten an Bord gab es allerdings auf keiner einzigen Fahrt. Dafür wurde bei etwa der Hälfte der Verbindungen eine Pause von 15 bis 20 Minuten eingelegt. Wer unterwegs auf die Toilette muss, sollte Kleingeld bereithalten.

Bei Fahrten mit Centrotrans empfiehlt es sich, das Ticket ausgedruckt mitzubringen, da digitale Nachweise nicht immer akzeptiert werden.

Am besten empfand ich die kroatische Busgesellschaft Arriva: Die Tickets sind problemlos online buchbar, ein Ausdruck ist nicht erforderlich, die Preise sind gut und die Busse klimatisiert. 

Mit dem Zug von Mostar nach Sarajevo

Diese Strecke wollte ich unbedingt mit dem Zug zurücklegen. Die rund zweistündige Fahrt geht entlang des smaragdgrünen Flusses Neretva, passiert zahlreiche Tunnel und Viadukte und bietet spektakuläre Ausblicke auf Berge, Schluchten und das türkisblaue Wasser des Jablanica-Sees. Besonders auf der ersten Hälfte zwischen Mostar und Konjic ist die Strecke landschaftlich sehr reizvoll (dann am besten rechts sitzen, später gibt es aber auch auf der linken Seite schöne Blicke auf die bewaldeten Berghänge).

Fotografieren lohnte sich leider kaum, da die aufsteigende Sonne genau im Bild stand und die Scheiben ziemlich verdreckt waren. 

Tickets kann man online buchen (mit einer kleinen Extra-Gebühr), was vor allem am Wochenende empfehlenswert ist. Trotzdem muss man auch mit Online-Buchung am Schalter erscheinen, um sich ein Papierticket aushändigen zu lassen. Die ausgedruckten Fahrscheine liegen dort in einer Art Karteikasten. Man nennt seine Bestellnummer und bekommt das Ticket. Die Schalter sind von 6:00 Uhr bis 19:00 Uhr geöffnet. Ich wollte mein Ticket eigentlich schon am Vortag abholen, wurde aber abgewiesen: Ausgabe nur am Reisetag. Offenbar hängt das vom jeweiligen Mitarbeiter ab, denn eine Familie, die ich unterwegs kennengelernt habe, hatte ihres problemlos schon bei der Ankunft in Mostar erhalten. Wir waren um 6:10 Uhr am einzigen geöffneten Schalter und es bildete sich bereits eine lange Schlange. Also nicht auf den letzten Drücker kommen. 

Geld abheben und bezahlen auf dem Balkan

In Montenegro und Bosnien-Herzegowina gilt eindeutig: Cash ist King. Alle Unterkünfte – selbst Hotels – musste ich bar bezahlen. In den allermeisten Restaurants war ebenfalls nur Barzahlung möglich, und sogar an den Busbahnhöfen wurde grundsätzlich Bargeld verlangt. Ganz anders in Kroatien: Dort war Kartenzahlung meist problemlos möglich, auch in kleineren Läden oder Cafés.

Man sollte das unbedingt wissen, um sich rechtzeitig mit ausreichend Bargeld einzudecken. Auch ein Blick auf die jeweilige Währung vorab ist hilfreich. Ich selbst habe erst unterwegs zum Berliner Flughafen nachgeschaut, welche Währung in Montenegro gilt und war ziemlich überrascht: Euro! Obwohl Montenegro kein EU-Mitglied ist, wird dort seit 2002 der Euro als offizielles Zahlungsmittel verwendet. Dummerweise hatte ich keine Euros dabei und musste am Flughafen welche abheben zu horrenden Gebühren. Ein Automat verlangte satte 7 Euro, bei der NLB Bank waren es „nur“ 6 Euro. Da mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar war, dass mit Karte fast gar nichts geht, hob ich viel zu wenig ab und durfte in Kotor erneut Geld ziehen, diesmal für weitere 5 Euro Gebühr. Günstiger ging es nirgends.

In Bosnien und Herzegowina zahlt man mit der Konvertiblen Mark, abgekürzt entweder als „BAM“ oder „KM“. Das Umrechnen ist einfach: 1 Euro entspricht etwa 2 KM. Immerhin habe ich eine Bank gefunden, bei der man gebührenfrei Geld abheben konnte, nämlich die MF Banka. In Mostar befindet sich eine Filiale in der Kralja Petra Krešimira IV broj 1, in Sarajevo in der Alipašina 6. Wichtig: Laut Erfahrungsberichten funktionieren die Automaten dort nur mit ausländischen Visa-Karten. Bei anderen Banken lagen die Gebühren meist bei 5 Euro oder mehr.

Fazit: Wer sich bei einer Balkan-Rundreise auf Kartenzahlung verlässt, wird schnell an Grenzen stoßen. Daher sollte man immer genügend Bargeld dabei haben.

Sprache und Kommunikation: Mini-Sprachführer Balkan-Vokabeln

Wer durch Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien reist, kommt mit ein paar englischen Grundkenntnissen grundsätzlich gut zurecht. Besonders jüngere Leute sprechen oft erstaunlich gutes Englisch, vor allem in Städten, Unterkünften und touristisch geprägten Orten. Auch wurde häufig deutsch gesprochen. Aber: Je ländlicher es wird, desto rarer werden die Sprachkenntnisse. Und dann hilft oft nur noch ein Lächeln, Zeigen oder eben ein paar Worte auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Die Sprache ist in allen drei Ländern sehr ähnlich, es gibt aber kleinere Unterschiede im Vokabular oder der Aussprache.

Was mich überrascht hat: In Bosnien wird in Teilen des Landes (z. B. in Banja Luka) auch das kyrillische Alphabet verwendet. Straßenschilder, Fahrpläne oder Bankautomaten können dort plötzlich ziemlich unverständlich wirken.

Hier ein paar Wörter und Sätze, die mir sehr nützlich waren:

  • Dobar dan – Guten Tag
  • Hvala – Danke
  • Molim – Bitte
  • Zdravo / Ćao – Hallo / Tschüss
  • Da / Ne – Ja / Nein
  • Ne razumjiem. – Ich verstehe nicht.
  • Govorite li engleski? – Sprechen Sie Englisch?
  • Jedan / Dva / Tri – Eins / Zwei / Drei
  • Račun, molim. – Die Rechnung, bitte.
  • Gdje je autobuska stanica? – Wo ist die Bushaltestelle?
  • Gdje je peron? – Wo ist das Gleis?
  • Koliko traje pauza? – Wie lange ist die Pause?
  • Petnaest/dvadeset minuta – 15/20 Minuten

Gerade auf Busreisen durch den Balkan ist die letzte Frage oft nützlich, die Antwort lautet dann meist: „Petnaest minuta“ (15 Minuten) oder „Dvadeset minuta“ (20 Minuten).

Was ich besonders schön fand: Sobald man sich bemüht, auch nur ein paar Worte zu sagen, reagieren viele Menschen freundlich, geduldig und hilfsbereit. Es geht nicht darum, perfekt zu sprechen, allein der Versuch zählt. Und manchmal reicht schon ein „Hvala“ und ein Lächeln, um eine gute Stimmung zu erzeugen.

Sicherheit auf dem Balkan

Was das Thema Sicherheit betrifft, hatte ich auf der gesamten Reise durch Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien nie ein ungutes Gefühl, egal ob tagsüber oder abends. 

In der Altstadt von Sarajevo wurde auf Schildern vor Taschendieben gewarnt. Ich habe dort zwar keine negativen Erfahrungen gemacht, aber wie in allen touristischen Hotspots gilt: Rucksäcke im Gedränge lieber vorne tragen, Wertsachen sicher verstauen und offene Taschen vermeiden. Ein wachsames Auge lohnt sich auch an Busbahnhöfen und in vollen Verkehrsmitteln.

Ansonsten habe ich – allein unterwegs mit Kind – durchweg positive Erfahrungen gemacht. Die Menschen waren hilfsbereit, unaufdringlich und respektvoll. 

Ein spezielles Sicherheitsrisiko betrifft vor allem Bosnien-Herzegowina: Noch immer sind dort nicht alle Landminen aus dem Krieg der 1990er-Jahre geräumt. Schätzungen zufolge befinden sich rund 80.000 Minen vor allem in ländlichen Gebieten und ehemaligen Kampfzonen. Wer abseits der Städte wandern oder die Natur erkunden möchte, sollte sich daher unbedingt auf markierte Wege und offizielle Routen beschränken. Auch in Kroatien gibt es vereinzelt noch Minenfelder im Hinterland, diese sind jedoch meist gut ausgeschildert. In Montenegro besteht dieses Risiko nach aktuellem Stand nicht.

Montenegro entdecken: Erste Etappen unserer Balkan-Rundreise

Podgorica: Montenegros unterschätzte Hauptstadt

Los ging es in Podgorica. Viele überspringen die Stadt und fahren vom Flughafen direkt weiter an die Küste nach Budva oder Kotor. Ich war jedoch neugierig, ob sich nicht doch ein paar lohnenswerte Ecken entdecken lassen und wurde positiv überrascht.

Zugegeben: Spektakuläre Sehenswürdigkeiten sucht man hier vergeblich. Aber gerade das machte den Reiz aus. Wir ließen uns einfach treiben und verbrachten einen entspannten, angenehmen Tag. Der Morgen begann am Karver Bookstore, eine kleine Buchhandlung am Flussufer unter einer Brücke. Ein etwas skurriler Ort, aber mit viel Charme. Gleich daneben liegt die Itaka Library Bar, ein Café in einem ehemaligen türkischen Badehaus, das als Treffpunkt der lokalen Kreativszene gilt. Das flache, steinige Ufer regte meine Tochter sofort zum Steinewerfen an und wir blieben eine ganze Weile dort.

Anschließend ging es durch den Kraljev-Park auf die anderen Seite des Bulevar Svetog Petra Cetinjskog, wo sich das Einkaufsviertel von Podgorica befindet. In den Straßen rund um den Unabhängigkeitsplatz und den Straßen Bokeška, Hercegovačka und Njegoševa findet man viele Cafés und Restaurants. Hier ist vor allem am Abend einiges los. 

Wer die Fußgängerzone Hercegovačka entlangbummelt, gelangt zur Moskovski-Brücke. Von dort bietet sich ein schöner Blick auf die moderne Millennium-Brücke mit ihrem markanten Pylon. Sie wurde 2005 eröffnet und gilt als eines der architektonischen Wahrzeichen Podgoricas. Darunter fließt das türkisfarbene Wasser der Moraca – ein starker Kontrast zur Betonarchitektur drumherum.

Auf der gegenüberliegenden Flussseite war unser nächster Stopp die moderne Kathedrale der Auferstehung Christi. Vor dem Eingang bildete sich eine lange Schlange, aber nicht etwa wegen des Eintrittsgeldes (der Eintritt ist frei), sondern weil die Besucher ein Heiligenbildnis küssen wollten. 

Zurück auf der anderen Seite machten wir noch einen Abstecher ins alte osmanische Viertel und liefen durch die Skaline – eine verwinkelte, etwas verwilderte Treppenanlage mit Resten alter Mauern, Gassen und einer entspannten, fast ländlichen Atmosphäre. Zwischendurch kamen wir immer wieder an kleinen Höfen und Gärten vorbei mit Hühnern, Schafen und sogar Ziegen.

Podgorica mag auf den ersten Blick keine Postkarten-Schönheit sein, denn viele Betonkästen aus sozialistischen Zeiten prägen das Stadtbild.

Die Hauptstadt Montenegros ist aber echt, unaufgeregt und wunderbar entspannt. Keine Hektik, keine Touristenströme, stattdessen kleine Entdeckungen, gemütliche Cafés, spielende Kinder in Parks und einfach treiben lassen ohne Programm. Für mich war Podgorica der perfekte Einstieg in unsere Balkan-Rundreise.

Kotor: Zauberhafte Altstadt in der Bucht von Kotor

Nächster Stopp unserer Balkan-Rundreise: Kotor. Schon die Anreise war spektakulär. Der Bus schlängelte sich in vielen Serpentinen hinab zur Bucht und bot dabei immer wieder atemberaubende Ausblicke auf das Wasser, den Küstenort Budva und die umliegenden Berge. Ich war allerdings sehr froh, an Tabletten gegen Reiseübelkeit gedacht zu haben.

Unsere Unterkunft lag auf der linken Seite der Bucht. Ein Taxi brachte uns für 10 Euro dorthin. Wie sich später herausstellte, war das etwas überteuert. Immerhin schleppte der Fahrer mir ungefragt mein Gepäck den Hang hinauf. Die Lage war super: Zwar waren es etwa 30 Minuten zu Fuß ins Zentrum, doch der Weg führte direkt am Ufer entlang und bot fantastische Ausblicke. Und abends konnte man wunderbar auf der Terrasse mit Blick auf das Wasser und die Berge abschalten. Auch unsere Gastgeberin war ein Goldgriff, sehr herzlich und besonders aufmerksam im Umgang mit meiner Tochter.

Am ersten Tag war das Wetter noch etwas trüb, Wolken zogen tief unter den Bergkämmen entlang, fast schon ein wenig dramatisch.

Am nächsten Morgen dann strahlender Sonnenschein, den wir für einen Bootsausflug durch die Bucht von Kotor nutzten, die seit 1979 zum Weltnaturerbe- und Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Innerhalb von 1,5 Stunden besuchten wir die kleine Insel Gospa od Škrpjela („Maria vom Felsen“) mit der Kirche “Our Lady of the Rocks” und dem kleinen Museum, machten Halt im hübschen Ort Perast und fuhren anschließend zurück. Ein kurzer, aber lohnenswerter Abstecher aufs Wasser.

Die Altstadt von Kotor ist ein echtes Juwel: enge Gassen, verwinkelte Plätze, Stadtmauern, Tore und Kirchen, alles sehr gut erhalten. Und überall in der Altstadt begegnet man Katzen. Sie liegen auf Treppenstufen, sonnen sich auf Fensterbänken oder streifen durch die Gassen. Die Tiere gehören fest zum Stadtbild und Kotor hat ihnen sogar ein eigenes Katzenmuseum gewidmet, ziemlich kurios.

Sehenswert sind darüber hinaus die imposante Kathedrale des Heiligen Tryphon aus dem 12. Jahrhundert, die kleine St.-Lukas-Kirche aus 1195, die sowohl katholische als auch orthodoxe Elemente vereint, und die alten Stadttore.

Leider wird Kotor von Kreuzfahrtschiffen angelaufen und so ist es ab dem späten Vormittag schnell überfüllt, wenn sich die riesigen Gruppen durch die engen Gassen schlängeln. Wer es ruhiger mag, sollte entweder früh morgens oder am späten Nachmittag durch die Altstadt bummeln, wenn der Großteil der Besucher wieder an Bord ist. Ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, was hier wohl mitten in der Hauptsaison los ist.

Für spektakuläre Ausblicke bietet sich der Aufstieg zur Festung San Giovanni an. Der Weg führt über rund 1.350 steile Steinstufen (Eintritt 15 Euro). Wir sind bis zur Kirche “Gospa od Zdravlja” (Unsere Liebe Frau von der Gesundheit) auf halber Strecke hinaufgestiegen, schon von dort bot sich ein großartiger Blick auf die Bucht.

Wem das zu viel ist, der kann alternativ mit der Seilbahn (Hin- und Rückfahrt in der Vorsaison bis 1.7. für 18 Euro oder mit Shuttle von und zum Busbahnhof für 30 Euro) auf den Berg Lovćen fahren. Auch von dort bekommt man Aussicht satt. Nach zwei Nächten in Kotor ging es für uns weiter mit dem Bus nach Mostar.

Bosnien-Herzegowina: Zwischen Orientflair, Geschichte und Natur

Mostar und die berühmteste Brücke des Balkans

Die Stadt Mostar in Bosnien-Herzegowina ist bekannt für ihr Wahrzeichen, die Stari Most, eine osmanische Steinbrücke über die türkisgrüne Neretva. Während des Bosnienkriegs zerstört und später originalgetreu wieder aufgebaut, ist sie heute das Highlight jeder Balkan-Rundreise.

Besonders rund um die Brücke in den engen Kopfsteinpflastergassen der Altstadt, die von Souvenirshops und Straßencafés gesäumt sind, herrscht tagsüber reges Treiben.

Unten am Wasser kann man Bootstouren für eine zehnminütige Runde rund um die Brücke mieten oder einfach die Füße ins Wasser halten. Mein kleiner Schatz war wie viele andere Kinder ausdauernd damit beschäftigt, Steine ins Wasser zu werfen. 

Wer einen besonders schönen Blick auf die Stari Most genießen möchte, sollte entweder eines der Lokale direkt am Wasser wählen oder die benachbarte Koski-Mehmed-Pascha-Moschee besuchen. Vom Minarett hat man eine fantastische Aussicht und auch von der rückwärtigen Terrasse eröffnen sich schöne Perspektiven auf Fluss und Altstadt.

Ebenfalls sehenswert ist die Krumme Brücke, eine kleinere, ältere Schwester der Stari Most.

Das Essen war überall hervorragend und der Blick auf die Neretva spektakulär, aber irgendwann wurde es mir einfach zu viel Mensch auf zu engem Raum. Es fühlte sich ein wenig an wie in der Prager Altstadt oder im rumänischen Schäßburg (Sighișoara): Traumhaft schön, aber irgendwann setzt der Fluchtreflex ein. Meine eingeplanten 1,5 Tage waren für mich genau richtig – genug Zeit zum Erkunden, bevor es zu viel wurde.

Anschließend stand die Weiterreise nach Sarajevo an. Da die Zugstrecke landschaftlich besonders reizvoll sein soll und zudem recht günstig ist, habe ich mich für die Bahn entschieden. Die Züge fahren nur zweimal täglich, um 6:33 Uhr und 17:09 Uhr. Da mir die spätere Abfahrt zu spät war, habe ich in den sauren Apfel gebissen und das frühe Ticket genommen.

Sarajevo – Hauptstadt mit bewegter Vergangenheit

Der Bahnhof von Mostar wirkt ziemlich trist und in die Jahre gekommen. Die Züge selbst hingegen waren vergleichsweise komfortabel mit viel Beinfreiheit und es gab großartige Ausblicke. Tipp: In Fahrtrichtung rechts sitzen, dort ist die Aussicht im ersten Drittel am schönsten.

In Sarajevo angekommen, gaben wir unser Gepäck in einem zentral gelegenen Luggage Storage ab (vorher online gebucht, 6,75 Euro/Tag) und starteten mit einem Frühstück in der Altstadt von Sarajevo, der sogenannten Baščaršija. Schon nach wenigen Minuten war ich völlig überrascht vom orientalischen Flair der Stadt: Enge bazarartige Gassen, Moscheen, alte Gemäuer, der Duft von starkem Kaffee und frisch gebackenem Gebäck. Sarajevo fühlte sich stellenweise fast wie ein kleiner Ausflug in die Türkei an. Ich wusste zwar im Vorfeld, dass Bosnien muslimisch geprägt ist, aber wie stark der orientalische Einfluss in Sarajevo tatsächlich ist, davon hatte ich keine Vorstellung. Wir ließen uns einfach treiben und nahmen die Atmosphäre auf.

Daneben gab es auch einen Hauch von altem k.u.k.-Charme in der zentralen Fußgängerzone Sarajevos und davon abgehenden Seitenstraßen.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Sarajevo gehören die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, die Kathedrale, die Alte Synagoge, das beeindruckende Rathaus im pseudo-maurischen Stil sowie die Stelle, an der das Attentat auf das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar verübt wurde, was als Auslöser des Ersten Weltkrieges gilt.

Gleich hinter dem Rathaus führt der Weg hoch zur Gelben Bastion, einem erhaltenen Teil der osmanischen Stadtbefestigung mit Mauerresten und einem kleinen Café. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick über Sarajevo, besonders bei Sonnenuntergang.

So kann man sich auch das Seilbahnticket auf den Hausberg Sarajevos, den Trebević, sparen, das für Ausländer gleich 5 mal so viel kostet wie für Einheimische. Einen solchen Wucher weigere ich mich zu bezahlen. Das lohnt sich meines Erachtens nur, wenn man dort wandern oder sich unbedingt die Reste der Bobbahn von den Olympischen Winterspielen 1984 anschauen möchte.

Früher oder später wird man bei einem Besuch Sarajevos auch mit der blutigen Kriegsvergangenheit der Stadt konfrontiert, die 30 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs noch sehr präsent scheint. Unsere Ferienwohnung lag unweit der berüchtigten Sniper Alley, wo serbische Scharfschützen während der Belagerung auf alles, was sich bewegte, schossen. Noch heute zeugen Hausfassaden voller Einschusslöcher von dieser Zeit. Besonders berührt hat mich das Denkmal für die im Krieg getöteten Kinder im Veliki-Park, wo frische Blumen und Teddybären abgelegt waren.

Nach 3 intensiven Tagen ging es weiter zu unserem Zwischenstopp in Banja Luka.

Banja Luka – Kurzstopp im grünen Norden

Gegen 15:00 Uhr kamen wir in Banja Luka an und checkten in einem nahe gelegenen Hotel ein. Die Fahrt von Sarajevo bot großartige Aussichten. Die Straße schlängelte sich in unzähligen Serpentinen durch die Berge mit dichten Wäldern und überall leuchtete es in allen nur denkbaren Grüntönen. Das letzte Drittel der Strecke führte durch eine enge Schlucht, direkt entlang des türkis schimmernden Flusses Vrbas.

Eigentlich hatte ich geplant, den Nachmittag für einen kurzen Stadtbummel zu nutzen, aber das fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, denn es regnete in Strömen. Stattdessen holten wir uns in der Nähe ein paar Ćevapi, deckten uns im Supermarkt mit Proviant für die Weiterfahrt nach Zagreb ein und machten es uns im Hotel früh gemütlich.

Kroatien – Städtekultur und adriatische Küstenatmosphäre

Unterwegs in Zagreb – Ein Streifzug durch Kroatiens Hauptstadt

Um 7:33 Uhr ging es mit dem Bus weiter nach Zagreb. Ich hatte mir vorsorglich noch etwas Kleingeld aufgehoben für Gepäck, die übliche Bahnhofsgebühr (1 KM) und die Toilettenbenutzung (ebenfalls 1 KM). Aber Überraschung: Zum ersten Mal wurde keine Gepäckgebühr fällig.

Beim Grenzübertritt nach Kroatien, also in die EU, kann es durchaus zu längeren Wartezeiten kommen. Wir hatten aber Glück und nach etwa 30 Minuten war alles erledigt.

Am Busbahnhof wurden wir von einem kroatischen Freund abgeholt, der uns gleich ein wenig die Stadt zeigte. Vom Ban Josip Jelačić‑Platz, dem pulsierenden Zentrum Zagrebs, gelangt man über eine Treppe vom Platz hinauf zu den bunten Marktständen des Dolac-Markts. Dort war es am späten Mittag schon etwas leerer, aber wir schlenderten trotzdem noch neugierig an den Ständen vorbei, bis es plötzlich laut knallte und wir zusammenzuckten. Mein Freund lachte nur: Jeden Tag um Punkt 12 Uhr wird vom Lotrščak-Turm ein Kanonenschuss abgefeuert, eine Tradition seit dem 19. Jahrhundert. 

Der Dolac-Markt besteht nicht nur aus den Ständen auf dem offenen Marktplatz. Auf der nordwestlichen Seite befindet sich ein kleiner, aber gut sortierter Fischmarkt (“Ribarnica”). Wenn man dort gegenüber die Treppen hinabsteigt, gelangt man in den unterirdischen Bereich des Marktes. Dort findet man weitere Obst- und Gemüsestände, vor allem aber zahlreiche Fleischtheken, Bäckereien und einen riesigen Bereich nur für Käse- und Milchprodukte.

Zum Mittagessen ging es ins Restaurant Nocturno, wo ich ein deftiges Biergulasch probierte, sehr empfehlenswert. Am Nachmittag zogen wir dann noch einmal allein los, um uns einen ersten eigenen Eindruck von der Stadt zu verschaffen.

Insgesamt hatten wir noch zwei weitere Tage Zeit, womit wir gut hingekommen sind. Leider waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs in Zagreb viele Bauarbeiten im Gange und zahlreiche Sehenswürdigkeiten hinter Bauzäunen und Gerüsten verschwunden. Hintergrund dafür ist das schwere Erdbeben von 2020, das große Schäden in der Stadt angerichtet hat und umfassende Sanierungsarbeiten nötig machte. Weder die Zagreber Kathedrale noch die bekannte St.-Markus-Kirche mit dem bunten Dachmosaik noch der Kunstpavillon waren zugänglich. Auch die berühmte Standseilbahn, die kürzeste der Welt, war außer Betrieb. Stattdessen genossen wir die Aussicht von der Terrasse der St.-Katharinen-Kirche, die einen schönen Blick über die Dächer der Stadt bietet.

Wer gerne einmal die kroatische Spezialität „Štrukli“ ausprobieren möchte, dem sei das Restaurant „La Štruk“ empfohlen. Dabei handelt es sich um überbackene gefüllte Teigtaschen, die man herzhaft oder süß in allen möglichen Geschmacksrichtungen bestellen kann. Unsere Variante mit Blaubeeren war richtig lecker, man sollte allerdings mit gutem Appetit kommen, da sie sehr sättigend sind.

In der Unterstadt könnt ihr die schöne großzügige k.u.k.-Architektur rund um den Kunstpavillon, die Zrinjevac-Promenade und das Kroatische Nationaltheater genießen. Auch ein Abstecher in den Botanischen Garten (Eintritt 2 Euro) lohnt sich. 

Am zweiten Tag regnete es fast ohne Unterbrechung. Perfekte Gelegenheit für einen Besuch im Nikola-Tesla-Museum (Eintritt 6 Euro), das sich interaktiv mit Leben und Werk des berühmten Erfinders beschäftigt. Mein kleiner Schatz war vor allem von den alten Autos und Flugzeugmodellen begeistert und konnte sich kaum losreißen.

Zadar erleben: Mediterrane Stimmung an der Adria

Unsere letzte Station war Zadar an der kroatischen Adriaküste, ein idealer Ort, um unsere Rundreise entspannt ausklingen zu lassen. Die historische Altstadt liegt auf einer Halbinsel und versprüht mit ihren hellen Steingebäuden und den glänzenden Kalksteinpflasterungen ein mediterranes Flair, das stark an die venezianische Vergangenheit erinnert. Kein Wunder, denn Zadar gehörte über Jahrhunderte zur Republik Venedig.

Wie in Kotor war die Altstadt sehr belebt. Die engen Gassen wirkten fast wie eine einzige große Freiluftkneipe: Überall Stühle, Tische, Menschen, Musik. Dazwischen Souvenirshops, Bars und unzählige Eisdielen, ich habe noch nie so viele auf einem Fleck gesehen. Die Sortenauswahl war riesig, und manche Anbieter versuchten mit besonders auffälligen Eisauslagen Aufmerksamkeit zu erregen: Marsriegel in der Eistheke, halbe Überraschungseier im Eis. Zwar nett anzusehen, aber ob das hygienisch die beste Idee ist, sei mal dahingestellt. Eine Kugel kostete übrigens 2,50 Euro.

Besonders beliebt ist die Promenade auf der Westseite der Altstadt. Gastronomie ist dort überraschend dünn gesät, dafür ist der Blick aufs Meer umso schöner. Ganz an der Spitze der Halbinsel befindet sich das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt: die Meeresorgel. Es handelt sich um eine in Stufen eingelassene Klangskulptur, die durch Wellenbewegung Töne erzeugt, eine Mischung aus Windharfe und Orgel. An windigen Tagen hört man die Geräusche sogar von weiter weg. Anfangs fand ich das Ganze noch faszinierend, nach einer Weile war ich durch das ständige Tönen allerdings ziemlich genervt und wir haben das Weite gesucht.

Direkt daneben liegt die zweite moderne Attraktion: der sogenannte Gruß an die Sonne (Pozdrav Suncu), eine kreisrunde Glasfläche, die tagsüber Sonnenlicht speichert und nach Sonnenuntergang in farbigen Lichtspielen aufleuchtet. 

Wie überall strömten die Leute zur Abenddämmerung an die Promenade, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Alfred Hitchcock soll ihn als den schönsten Sonnenuntergang der Welt bezeichnet haben, als er 1964 seinen Sommerurlaub in Zadar verbrachte.

Etwas Zeit verbrachten wir auch am Stadtstrand Kolovare. Besonders schön ist er nicht – viel Beton, steiniger Untergrund – aber dafür schnell erreichbar und mit Infrastruktur wie Duschen, Umkleiden und Bars. Wer etwas mehr Zeit hat und Sand bevorzugt, sollte einen Ausflug zum Strand von Nin einplanen, etwa 30 Minuten nördlich von Zadar. Dort erwartet einen Sandstrand, flaches Wasser und deutlich mehr Platz.

Mit unserer Unterkunft nahe der Brücke zur Altstadt lagen wir goldrichtig. In der Altstadt selbst kann es abends durch Straßenmusik, Lokale und Nachtleben sehr laut werden. Meine Tochter stört das nicht im geringsten, wer aber wie ich mit leichtem Schlaf unterwegs ist, sollte sich besser etwas außerhalb orientieren.

Mein Fazit nach zwei Wochen Balkan-Rundreise

Es waren zwei wunderbare und abwechslungsreiche Wochen auf dem Balkan mit vielen neuen Eindrücken. Besonders Bosnien-Herzegowina hat mich positiv überrascht: Das Land war für mich mehr ein weißer Flecken auf der Landkarte, von dem ich nicht wusste, was mich erwartete. Doch die üppige grüne Landschaft, die türkis schimmernden Flüsse und das super leckere Essen haben mich begeistert. Und das alles zu wirklich günstigen Preisen, vor allem im Vergleich zu Kroatien, wo nach der Euro-Einführung im Jahr 2023 die Preise deutlich angezogen haben.

Auch die entspannte Lebensweise hat mir sehr gefallen: Ziegen und Hühner in den Höfen, Menschen, die einfach über Bahngleise laufen, Cafés, in denen niemand auf die Uhr schaut. Vieles wirkte so ungezwungen und entschleunigt. Man muss allerdings darauf achten, immer genug Bares dabei zu haben, denn abgesehen von Kroatien läuft in Montenegro und Bosnien ohne Bargeld fast gar nichts.

Diese Reise hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. Insbesondere möchte ich die Naturparks der Region kennenlernen. Aber auch Länder wie Albanien, Kosovo und Nordmazedonien warten darauf, entdeckt zu werden.

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