Andalusien: Rundreise im Land des Sherrys

Andalusien ist weltbekannt für seinen hervorragenden Sherry und die Wiege des Flamencos. Es hat aber noch so viel mehr zu bieten. Auf einer Rundreise erlebt man wunderschöne Altstädte, kann Prachtwerke maurischer Kultur bestaunen, auf Märkten bummeln, am Strand relaxen und leckere Tapas genießen.
Nach Wochen des Regens hatte ich das deprimierende Wetter in Berlin satt und buchte spontan Flugtickets nach Andalusien. Allein die Vorfreude half schon über die tristen Regentage hinweg. In Sevilla, Jerez de la Frontera und Cádiz war ich schon gewesen, aber ich wollte schon immer mal auf den Affenfelsen in Gibraltar hinauf und Zeit in Sanlúcar, das noch ein echter Geheimtipp ist, verbringen.
Startpunkt der Rundreise war Málaga und zurück ging es von Madrid. Das liegt natürlich nicht in Andalusien, aber da ich dort ein Jahr studiert habe und die Stadt liebe, nutze ich jede Gelegenheit, die sich bietet, ein bisschen Zeit dort zu verbringen.
Route unserer Rundreise in Andalusien
Unsere Reiseroute im Überblick:
- Málaga: 4 Übernachtungen (Ü)
- Marbella: 2 Ü
- Tarifa: 2 Ü
- Cádiz: 1 Ü
- Sanlúcar de Barrameda: 2 Ü
- Sevilla: 2 Ü
- Madrid: 3 Ü
Transport
Eine Rundreise lässt sich am flexibelsten mit dem Mietwagen durchführen. Mit meiner Tochter alleine fahre ich allerdings lieber Zug und Bus. Und das lässt sich in Spanien wunderbar machen. Damit umgeht man auch das leidige Parkplatzproblem. Denn in den schmalen Altstadtgässchen ist an Parken nicht zu denken.
Highlights unserer Andalusien-Rundreise
Durch die Altstädte bummeln
Alle besuchten Orte haben einen wunderschönen Altstadtkern, durch den man bummeln und sich ziellos treiben lassen kann. Zwischendurch entdeckt man vielleicht das ein oder andere Souvenir oder lässt sich in einer der vielen Bars nieder, um ein paar Tapas zu essen und das Geschehen zu beobachten.


Tagesausflug nach Tanger
Für alle, die Marokko noch nicht kennen und einmal einen ersten Eindruck bekommen wollen, ist ein Tagesausflug von Tarifa mit der Fähre genau richtig. Wir hatten einen tollen Tag mit ganz vielen neuen Eindrücken, die auf jeden Fall Lust gemacht haben, das Land näher kennenzulernen.
Der Ausflug beinhaltete die Fährfahrten von Tarifa nach Tanger und zurück und einen Guide vor Ort, der uns durch die Altstadtgassen von Tanger geführt hat. Vor allem das wuselige Treiben auf dem Markt war spannend.


Sherry-Verkostung in Sanlúcar de Barrameda
Sanlúcar de Barrameda ist einer der Orte des berühmten Sherry-Dreiecks. Nur dort wird Manzanilla, ein trockener Sherry hergestellt. Auch wenn man kein passionierter Sherry-Trinker ist, sollte man sich den Besuch einer Sherry-Bodega nicht entgehen lassen. Wir haben an einer einstündigen Führung in der Bodega Barbadillo teilgenommen, die ich nur empfehlen kann. Allein der Duft der Sherry-Fässer ist unbeschreiblich.

Tapas schlemmen
Spanien ist das Land der Tapas, der kulinarischen Kleinigkeiten, die man sich mit mehreren teilt. Gerade Sanlúcar de Barrameda ist bekannt für seine Meeresfrüchte, so dass man sich munter durch die Karten probieren kann. Mein Magen vermisst es jetzt noch.

Málaga
Málaga bietet sich am besten für den Start einer Rundreise in Andalusien an, weil dieser Flughafen der größte Andalusiens ist und am häufigsten angeflogen wird.
Für Málaga selbst reichen zwei Tage völlig aus. Wenn man noch Ausflüge in die Umgebung machen möchte, zum Beispiel nach Granada oder nach Nerja, sollte man entsprechend mehr Zeit einplanen.
Vom Flughafen in Malaga nimmt man entweder den gebuchten Mietwagen, ein Taxi oder den Flughafenbus Linie A für 4 Euro ins Zentrum.
Frühstück am Mercado de Atarazanas
Wir sind erst abends spät angekommen und haben den kommenden Tag in der Altstadt mit Churros, Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft beginnen lassen. Da das Café in unmittelbarer Nähe des Marktes, dem Mercado de Atarazanas, lag, sind wir nach dem Frühstück dort durchgeschlendert und haben die vielen unterschiedlichen Gerüche, insbesondere der Oliven und der Fischstände, auf uns wirken lassen. Beim Anblick dieser Berge von Fisch und Gambas überkommt mich immer ein wenig Wehmut, dass es so etwas in Berlin nicht gibt. Da mag man ja entgegenhalten, dass Berlin nicht wie Málaga direkt am Meer liegt, aber die Märkte in Madrid, noch weiter im Landesinneren gelegen als Berlin, verfügen auch über deutlich mehr Vielfalt.



Picasso-Museum
Anschließend ging es weiter durch die verwinkelten Altstadtgassen zum Picasso-Museum (Eintritt 9,50 Euro, Kleinkinder gratis). Die Schlange war recht übersichtlich, so dass es etwa 15 bis 20 Minuten bis zum Einlass dauerte. Málaga ist die Geburtsstadt Picassos, die das Schaffen des herausragenden Künstlers mit dem 2003 eröffneten Haus ehrte. Dort befinden sich über 230 Werke Picassos, darunter Bilder, Skizzen und Skulpturen. Gerade für Kunstinteressierte befindet sich hier ein interessanter Fundus, da auch weniger bekannte Werke Picassos gezeigt werden.
Während mein kleiner Schatz nach dem Museumsbesuch Siesta gehalten hat, habe ich ein Tagesmenü in einem nahegelegenen Restaurant gegessen. Das sog. “menu del día” gibt es in fast allen spanischen Restaurants und erfreut sich großer Beliebtheit, weil man vergleichsweise günstig gut essen kann. Ich hatte als Vorspeise eine Gazpacho (kalte Gemüsesuppe), als zweiten Gang Boquerones fritos (frittierte Sardellen) und als Dessert einen Karamell-Flan. Dazu gab es noch Brot und ein Bier. Alles sehr lecker für sagenhafte 10,90 Euro.
Málaga am Wasser
Am Nachmittag ging es Richtung Hafen und Strand. Am besten geht man die langgezogene Calle Marqués de Larios hinunter. Die beliebte Fußgängerzone lädt zum Shopping und Flanieren ein, wobei man gleichzeitig den Charme der prächtigen Architektur des 19. Jahrhunderts genießen kann.

Am Ende angekommen, hält man sich links und kann so in die grüne Lunge Málagas eintauchen, dem Parque de Málaga.
Der gegenüber des Hafens liegende Parque de Málaga wurde bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet und ist mit exotischen Pflanzen, Springbrunnen, Skulpturen und Denkmälern gestaltet. Hier gibt es nicht nur die allgegenwärtigen Tauben, sondern auch kleine grüne Papageien. Was für uns toll anzuschauen und anzuhören war, wird jedoch zunehmend als Ärgernis empfunden. Die kleinen Exoten finden hervorragende Bedingungen vor, haben kaum natürliche Feinde, vermehren sich stark, hinterlassen dementsprechend viel Kot und zwitschern sehr laut. Das fanden wir zwar toll, aber auf Anwohner mag das natürlich anders wirken.


Am Ende des Parkes geht es weiter nach links über die Straße am Hafen, dem Paseo de los Curas, und man erreicht die Muelle Uno. Dabei handelt es sich um eine Shoppingmeile mit vielen Restaurants direkt am Hafen. Ich war im Vorfeld schon sehr neugierig, weil die Promenade überall als ganz toll angepriesen wird, aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Alles sehr touristisch, mit entsprechendem preislichem Aufschlag, aber den Charme habe ich dabei irgendwie vermisst.
Kein Problem, dachte ich, dann eben direkt weiter zur Playa La Malagueta, die am Ende der Hafenmeile in westlicher Richtung neben dem Leuchtturm beginnt. Hier wartete die nächste Enttäuschung. Die Chiringuitos – das sind die kleinen Strandbars – waren gerade am Schließen, dabei war es erst kurz vor 18:30 Uhr. Also nichts mit Sonnenuntergang bei einem Bier in einer Strandbar wie in Tel Aviv. Der Strand selbst war auch wenig einladend, braun und steinig. Nach einem Kaltgetränk an der Strandpromenade sind wir dann zurück ins Apartment.

Das alte Málaga
Die Aufgabe des nächsten Vormittags bestand erst einmal darin, eine Hose oder ein Kleid zu finden, da ich tatsächlich meine kurzen Hosen vergessen hatte einzupacken. Schön gebügelt und dann liegengelassen. Somit hatte ich nur eine lange Hose und ein Kleid, für 16 warme Tage ein wenig dürftig. In der Altstadt bin ich zum Glück schnell fündig geworden.
Danach ging es zur Kathedrale von Málaga. Der Eintritt kostete 8 Euro (mit Dachbesichtigung 12 Euro, der Aufstieg war mir mit Kleinkind aber zu anstrengend) und via QR-Code gab es einen Audioguide. Ursprünglich stand an Stelle der Kathedrale eine Moschee. Nach der Rückeroberung Málagas gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Moschee jedoch in eine katholische Kirche umgewandelt. Einziges davon erhaltenes Zeugnis ist der Innenhof mit den Orangenbäumen.
Die Kathedrale wird im Volksmund nur “La Manquita” (die Einarmige) genannt. Dies liegt daran, dass ursprünglich zwei Türme (Nord- und Südturm) gebaut werden sollten. Um 1530 begannen die Bauarbeiten an der Kirche, die sich bis zum Jahr 1782 hinzogen, um dann endgültig eingestellt zu werden. Der geplante Nordturm fiel dem Geldmangel zum Opfer. Auch die Dachkonstruktion ist unvollständig, so dass mittlerweile dringender Sanierungsbedarf besteht.
Obwohl die Fassade im Barockstil gehalten ist, ist die Kathedrale ein Glanzstück der spanischen Renaissance und sehr sehenswert. Mein kleiner Schatz hat den Besuch schlicht verschlafen.

Tipp: Wer Frühaufsteher ist und wem eine halbstündige Besichtigung ausreicht, der kann morgens von 8:30 Uhr bis 9:00 Uhr die Kathedrale auch kostenlos besuchen.
Unmittelbar in der Nähe befindet sich das römische Theater am Fuß des Hügels, auf dem die Alcazaba, die maurische Festung von Málaga, steht. Der Eintritt ist kostenlos. Ursprünglich von den Römern bis ins 3. Jahrhundert für kulturelle Zwecke genutzt, trugen die Araber die Steinmaterialien des Theaters für den Bau der Festungsanlage ab. Die Anlage ist anschließend weiter verfallen und in Vergessenheit geraten, bis sie bei Bauarbeiten 1951 wiederentdeckt wurde. Seit 2011 wird sie nach einer umfassenden Sanierung in den Sommermonaten sogar wieder aktiv genutzt.

Wer gut zu Fuß ist, kann von dort den Weg zur Alcazaba hinaufgehen. Mit Kind im Buggy wollte ich mir das jedoch ersparen. Wenn man bei der Touristeninfo die Straße Richtung Hafen (Travesía Pintor Nogales) hinuntergeht und dann links abbiegt in die Calle Guillén Sotelo, gelangt man zu einem Aufzug, der einen bequem nach oben bringt. Ein Besuch lohnt sich schon allein wegen der grandiosen Aussichten auf die Stadt und den Hafen. Im Inneren des Palastes gibt es mehrere wunderschön geflieste Innenhöfe, die durch kleine Gänge und Torbögen miteinander verbunden sind. Die Gartenanlagen laden zu einer Verschnaufpause ein. Besonders im Frühjahr kann man hier den intensiven Duft der Orangenbäume auf sich wirken lassen.


Der Eintritt kostet nur 3,50 Euro. Wenn man auch das Castillo de Gibralfaro besuchen möchte, kauft man am besten ein Kombiticket für 5,50 Euro. Dorthin gelangt man entweder zu Fuß oder mit der Buslinie 35.
Und schon war unsere Zeit in Málaga vorbei. Nächste Station unserer Rundreise: Marbella.
Marbella
Von Málaga aus sind wir mit dem Avanza-Bus nach Marbella gefahren. Tickets gab es im Busbahnhof an den Schaltern 14 und 15. Die Busse fahren sehr häufig und ich habe 7,42 Euro bezahlt, meine Tochter 4,15 Euro. Vom Busbahnhof in Marbella haben wir ein Taxi für etwa 8 Euro zu unserer Unterkunft am Strand genommen.
Altstadt
Auf Marbella war ich im Vorfeld schon sehr gespannt. Als erstes haben wir die Altstadt angesteuert, und die ist wirklich wunderschön. Weiße Häuser in schmalen Gässchen, dazwischen immer wieder kräftig purpurfarben blühende Bougainvillen, ein toller Kontrast. An manchen Stellen hingen Blumenkästen an der Wand und selbst die Mülleimer waren ein echter Hingucker.


Am meisten los ist rund um die Plaza de los Naranjos, benannt nach den Orangenbäumen, die den urigen Platz mit vielen Cafés und Restaurants säumen.

In der Nähe befindet sich auch die Kirche Iglesia de la Encarnación. Gerne hätte ich einen Blick hineingeworfen, dort fand aber offensichtlich gerade eine Hochzeit statt. Gegenüber der Kirche befinden sich Überreste der alten Stadtmauer Marbellas. Da die Altstadt recht kompakt ist, braucht man nicht länger als einen halben Tag.
Abseits der Altstadt
Zwischen Altstadt und Strand befindet sich der Alameda-Park. Hier kann man eine Pause einlegen und die exotischen Pflanzen bestaunen. Man fühlt sich wie in einem kleinen grünen Dschungel.
Von hier aus geht es über die Avenida del Mar weiter in Richtung Strand. Die Avenida del Mar ist eine belebte Fußgängerzone mit vielen Geschäften, Cafés und Restaurants. Hier befinden sich auch eine Reihe sehenswerter Skulpturen von Salvador Dalí.
Am Strand angekommen, kann man auf dem Paseo Marítimo, der Strandpromenade mit vielen Cafés, Restaurants und Shops, entlang flanieren. Nach wenigen Minuten kommt man am kleinen Hafen Marbellas vorbei. Von hier aus starten Katamaran-Fähren zum berühmten Yachthafen von Puerto Banus, wo man sich mondäne meterlange Yachten anschauen kann – für viele das Highlight eines Marbella-Besuchs. Tickets erhält man bei Fly blue entweder am Tickethäuschen im Hafen oder online.
Am Strand selbst gibt es eine Reihe von Beachclubs, die Liegen vermieten, wo man in der Sonne relaxen kann. Allerdings ist der Strand genauso braun und steinig wie in Málaga, so dass mir nicht der Sinn danach stand, mich da hinzulegen. Auch die Promenade sprach mich nicht an: Zum einen wimmelte es von Leuten und zum anderen ist die Architektur alles andere als ansprechend. Hässliche monotone Hochhäuser, die an den Strand geklatscht wurden. Bei mir löste das kein Urlaubsfeeling aus, sondern weckte eher das Bedürfnis weiterzuziehen.


Insgesamt verbrachten wir hier zwei Tage, und es hätte ruhig einer weniger sein können.
Tagesausflug nach Gibraltar
Am nächsten Tag stand Gibraltar, die verrückte kleine Engländer-Bastion am Südzipfel Spaniens, auf dem Programm. Dafür hatte ich nur fünf Stunden zur Verfügung, weil der letzte Bus nach Tarifa bereits um 16:00 Uhr von La Línea de la Concepción, dem Ort gegenüber von Gibraltar, abfuhr. In der Theorie hätte das gereicht, aber die extrem lange Wartezeit von zwei Stunden an der Seilbahn auf den Affenfelsen hat meine Zeitplanungen leider zerschossen. Immerhin war die Aussicht grandios und hat für die lange Wartezeit entschädigt.

Damit es euch nicht ähnlich geht, habe ich meine Tipps und Infos zusammengefasst, wie man einen Tagesausflug nach Gibraltar optimal gestalten kann. Denn sehenswert ist auf jeden Fall.
Tarifa
Um 16:00 Uhr ging es mit dem Bus weiter nach Tarifa und mit einem Taxi für 5,10 Euro von der Busstation in die in der Altstadt gelegene Unterkunft.
Tarifa hat mir sofort gut gefallen: Direkt am Meer, die Altstadt bestand aus weißen kleinen Häusern in eng gebauten Gassen, lautes Möwengeschrei und ein sagenhaft helles Licht (was mich beides sofort an St. Ives in Cornwall erinnerte) und endlich, endlich: schöner heller Strand.

Eine weitere Parallele zu St. Ives: Den Ort habe ich bei einer Rundreise durch Südengland bei einem Tagesausflug kennengelernt, mich spontan verliebt und sehr bedauert, nicht noch ein paar Tage länger dort eingeplant zu haben (dafür sind wir danach schon einige Male dort gewesen). Mit Tarifa ging es mir ähnlich: Ich fühlte mich spontan super wohl dort, hatte aber nur zwei Abende zur Verfügung und keine Zeit, den Ort richtig zu erkunden. Wird aber auf jeden Fall nachgeholt. Das sind Licht und Schatten einer Rundreise: Bei Marbella hätte es gerne ein Tag weniger sein dürfen, in Tarifa ein Tag mehr. Dafür lernt man aber viele Spots auf einmal kennen und weiß, wo man später einmal mehr Zeit verbringen möchte.
Tarifa ist bekannt für seine Surfer-Szene, vielleicht gibt das dem Ort den entspannten Touch. Ebenfalls sehr populär ist der Thunfisch, der hier gefangen wird und frisch auf den Tellern landet. Dies spiegelt sich auch in den Menükarten der Restaurants wider, wo Thunfisch in allen erdenklichen Varianten auftaucht. Im Restaurant „La Pescadería“ habe ich stattdessen einen gegrillten Pulpo mit saisonalem knackigen Gemüse und einem traumhaft leckeren Karamell-Mousse zu Abend gegessen. Meinen Schatz habe ich vorher auf dem nahegelegenen Spielplatz sich ordentlich austoben lassen.

Am nächsten Tag haben wir einen Tagesausflug nach Tanger gemacht und sind erst abends gegen 20:00 Uhr wieder im Ort gewesen. Nach einem kurzen Absacker in der Nähe der Unterkunft war dann auch Feierabend, weil wir beide platt waren.
Immerhin hat es am Abreisetag noch für ein Frühstück gereicht. Das gab es in der Bar der kleinen Markthalle, und zwar einen Milchkaffee und ein belegtes Brötchen mit Schweinebraten, Gemüse und Käse für 4,50 Euro. Mehr Zeit blieb für Tarifa leider nicht, aber wir kommen wieder. Mit einem Taxi ging es wieder für etwa fünf Euro zur Busstation und von dort nach Cádiz weiter. Das Ticket habe ich beim Busfahrer gekauft. Für mich kostete es 13,65 Euro, für meine Tochter 7,13 Euro.
Tagesausflug nach Tanger
Das war der überraschendste Part. Da man von Südspanien aus so schnell in Marokko ist (an der schmalsten Stelle der Meerenge beträgt der Abstand zwischen Europa und Afrika gerade mal 14 km), wollte ich die Gelegenheit unbedingt nutzen, einen Eindruck von dem Land zu erhaschen. Im Vorfeld hatte ich eine Tagestour gebucht, die die Fährtickets sowie eine Führung vor Ort beinhaltete. Aufgrund der knappen Zeit in Tanger von nur wenigen Stunden war es so deutlich einfacher. Da ich organisierte Gruppentouren aber eigentlich nicht mag, war mein Erwartungslevel entsprechend niedrig. Umso größer die Überraschung, dass das eine meiner besten Touren geworden ist.

An Bord kümmerte sich ein spanischer Guide um die Gruppe, in Tanger übernahm ein marokkanischer Guide. Mit einem Bus sind wir zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt gefahren und von dort durch die Altstadt quasi hinuntergelaufen. Die Medina, die Altstadt Tangers, besteht aus einer Vielzahl verwinkelter Gässchen, aus denen ich allein wahrscheinlich nicht mehr so schnell herausgefunden hätte.


Orientalisches Markttreiben in Tanger
Dort mittendrin ist auch der Markt, wo es wirklich alles gab. Von Gewürzen, über Oliven, Obst und Gemüse, Fleisch, Käse und Fisch. Es ist wahrscheinlich nicht nötig zu erwähnen, wie intensiv aromatisch das alles gerochen hat. Ich habe mir eine Mischung Trockenfrüchte und Datteln mitgenommen, super lecker. Zahlen konnte man dort übrigens auch in Euro.
Am beeindruckendsten fand ich das Treiben auf dem Fischmarkt. So etwas Wuseliges habe ich noch nie gesehen. Berge von Fisch und Meeresfrüchten, Marktschreier, Männer, die im Akkord Shrimps auseinander gepult haben. Leider ist mir dabei entgangen, dass ein Teil meiner Babytrage aus dem Buggy hing und munter durch den Fischsud gezogen wurde. Nach der fünften Wäsche bin ich den Fischgestank endlich wieder losgeworden.


Weitere Highlights unseres Ausflugs nach Tanger
Nach dem Besuch einer Synagoge, Drehkulissen zum James Bond-Film “Spectre“, einem ausgezeichneten Mittagessen und einem Bummel allein war der Ausflug auch schon wieder vorbei.

Es war ein intensiver Tag vollgepackt mit vielen neuen Eindrücken, der sich absolut gelohnt hat. Marokko hatte ich als Reiseziel bislang nicht auf dem Schirm, das hat sich aber auf jeden Fall geändert.
Cádiz
In Cádiz war ich bereits vor einigen Jahren einmal, hatte aber das Pech, dass es den ganzen Tag in Strömen geregnet hat. Das soll nur an ganz wenigen Tagen im Jahr der Fall sein, Jackpot! Da wir den kompletten Tag mehr oder weniger in einer netten Bar verbracht hatten (was mit mehreren Mädels auch nicht das schlechteste Programm ist), wollte ich unbedingt nochmal hin. Aber auch diesmal war irgendwie der Wurm drin.
Denn nach den beiden anstrengenden Tagesausflügen nach Gibraltar und Tanger war ich etwas geschafft, erst recht aber meine Tochter. So verlief der Tag mehr oder weniger im Dauergequengel und hat keinem von uns beiden so richtig Spaß gemacht. Im Nachhinein hätte ich lieber noch einen Tag mehr in Tarifa verbracht und am Strand relaxt und Cádiz dafür ausgelassen. Aber hinterher ist man immer schlauer.
Vom Busbahnhof in Cádiz sind wir mit einem Taxi in die Altstadt für 4,20 Euro. Nachdem ich unsere Sachen im Hotelzimmer verstaut hatte, sind wir auch gleich losgezogen. Anders als in den bisherigen Altstädten sind die Gässchen von Cádiz nicht so verwinkelt, sondern etwas strukturierter, was etwas weniger charmant wirkt.


Start unseres Bummels an der Kathedrale
Nach wenigen Minuten sind wir an der Kathedrale angekommen. Für 6 Euro kann man einen Blick in das Innere der Kathedrale werfen, was sich schon deshalb lohnt, um vom Glockenturm Torre de Poniente tolle Aussichten auf Cádiz zu genießen. Auf dem Vorplatz gibt es eine Reihe von Tapasbars, wo man bei ein paar leckeren Kleinigkeiten die Atmosphäre der Kathedrale auf sich wirken lassen kann.
Am Stadtstrand La Caleta
Der Stadtstrand La Caleta ist kein Highlight, also gehen wir gleich zur Festung weiter. Das Castillo de Santa Catalina ist ein sternförmiger Bau aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert, diente ursprünglich als Verteidigungsbastion, wurde später aber auch als Militärgefängnis genutzt. Die Festung ist kostenlos begehbar und bietet schöne Ausblicke auf das Meer und den Stadtstrand.
Die andere Festung von Cádiz, das Castillo de San Sebastián, hätte ich auch gerne gesehen, weil sie malerisch mitten im Meer gelegen und nur durch einen schmalen Weg mit dem Festland verbunden ist. Sie war jedoch zum Zeitpunkt unseres Besuchs wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Wegen der spektakulären Szenerie war die Festung auch Drehkulisse für den James-Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“, wo die Szenen vor der Klinik gedreht wurden. In Cádiz wurden tatsächlich alle Havanna-Szenen gedreht, weil die Stadt viele Ähnlichkeiten mit Havanna aufweisen soll (daher auch der Spitznahme „La Habanita“). Kaum zu glauben, dass Halle Berry am Stadtstrand La Caleta aus dem Wasser gestiegen ist


Ausklang des Tages
Ein Stückchen weiter befindet sich der Parque Genovés. Wieder eine schöne grüne Oase, die an die Parks in Málaga und Marbella erinnert. Hier haben wir eine längere Pause eingelegt.

Da sich die Stimmung bei meinem Schatz aber nur kurzfristig aufhellte, habe ich die weiteren Pläne kurzerhand über Bord geworfen, stattdessen einen Spielplatz mit ihr besucht, was zu essen besorgt und dann ins Hotel zurück, wo wir den Abend in Ruhe haben ausklingen lassen und früh ins Bett sind.
Das war eine weise Idee, denn am nächsten Tag war die Stimmung wieder super und der Entdeckerdrang wiederhergestellt. Zurück zum Busbahnhof fuhren wir mit dem örtlichen Bus, der gefühlt an jeder Klinke hielt, nach Sanlúcar de Barrameda. Kostenpunkt: 5,25 Euro für mich, für meine Tochter kostenlos.
Sanlúcar de Barrameda
Angekommen in Sanlúcar de Barrameda, sind wir knapp zehn Minuten bis zu unserem Apartment in der Nähe der Plaza de Cabildo gelaufen.
Die Plaza de Cabildo ist für mich der schönste Platz unserer ganzen Rundreise in Andalusien: Gesäumt von Palmen und leuchtenden Bougainvillen, in der Mitte der Platzes ein großer Brunnen, schön anzusehende Häuser und rundherum Eisdielen, Tapasbars und Restaurants.

Mitten im Sherry-Dreieck
Dort und in den Seitengassen konzentriert sich das Geschehen des kleinen Ortes, der für seinen Sherry bekannt ist. Zusammen mit den Städten Jerez de la Frontera und El Puerto de Santa Maria bildet Sanlúcar de Barrameda das sog. Sherry-Dreieck. Nur in diesen drei Städten ist der Ausbau von Weinen mit der geschützten Herkunftsbezeichnung (D.O.) “Jerez-Xérès-Sherry” zulässig. Dementsprechend sind die Stadtbilder dieser drei Orte von Kellnereien, sog. bodegas, geprägt, in denen die Weiterverarbeitung der Trauben und der teilweise jahrelange Reifungsprozess stattfindet.
Die Sherry-Sorte Manzanilla wird ausschließlich in Sanlúcar ausgebaut. Sie hat genau denselben Ausbau wie der Fino. Das leicht kühlere und maritimere Mikroklima Sanlúcars bewirkt jedoch ein etwas anderes Aroma.
Sherry-Verkostung
Den Besuch einer solchen Bodega sollte man sich keinesfalls entgehen lassen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Gerade die Lagerhallen mit Hunderten von Eichenfässern und ihrem ausströmenden Sherry-Duft sind ein Fest für die Sinne.

In Jerez de la Frontera war ich bereits zweimal in der Bodega von Tio Pepe, die tolle Besuchertouren mit Degustation anbietet, und in Sanlúcar stand die Barbadillo-Bodega auf dem Plan. Um 11:00 Uhr vormittags findet eine Führung auf englisch statt, um 12:00 Uhr und 13:00 Uhr auf spanisch. Im Eingangsbereich befindet sich auch ein kleines Museum, das man sich (kostenlos) anschauen kann. Der Eintritt mit einer Degustation von drei Weinen kostete 15 Euro.


Nach der Führung durch die Kellnerei gab es eine Verkostung des Weißweins Sábalo (nur aus Palomino-Trauben) und zweier Sherrys, dem Manzanilla Pastora und dem Cream-Sherry Eva mit angenehmer Süße. Letzterer passt gut zu Desserts und Käse. Der sehr trockene Manzanilla Pastora reift insgesamt acht Jahre und wird unfiltriert direkt aus dem Fass abgefüllt. Er soll der älteste Manzanilla der Bodega-Barbadillo sein. Das ursprüngliche Etikett konnte man nur anhand einer alten Keramikfliese in den Wänden der Bodega rekonstruieren. Leider war er mir zu trocken.

Diejenigen, die ebenfalls keinen trockenen Sherry mögen, sollten vielleicht einmal einen Rebujito probieren. Das ist ein Longdrink, der zu einem Drittel aus Manzanilla und zu zwei Dritteln aus Zitronenlimonade oder Tonic Water besteht. Sehr erfrischend bei den heißen Temperaturen.
Der Sábalo hingegen war so klasse, dass ich mir gleich eine Kiste davon bestellt habe (zu beziehen bei Lobenbergs Gute Weine, eine sehr empfehlenswerte Weinseite).
Populäre Veranstaltungen
Ganz knapp verpasst haben wir leider die Feria de la Manzanilla, die jedes Jahr im Mai/Juni stattfindet. Für einige Tage herrscht dann kompletter Ausnahmezustand in dem kleinen Städtchen. Es gibt Verkostungen, Konzerte, Tanzvorstellungen, Pferdeumzüge, leckeres Essen, Stierkämpfe und Feuerwerk.
Ein weiteres Highlight ist die Carrera de los Caballos, ein traditionsreiches Pferderennen, das im August am Strand von Sanlúcar ausgetragen wird. Mehr als 100 Pferde nehmen an dem Rennen teil, das schon seit 170 Jahren durchgeführt wird.
Mekka der Meeresfrüchte
Sanlúcar ist berühmt für seine Meeresfrüchte und Fischgerichte. Nicht umsonst war der Ort 2022 kulinarische Hauptstadt Spaniens. Unbedingt probieren sollte man die hiesigen Langostinos, eine ganz eigene Garnelen-Art, die nur vor der Doñana-Küste gefangen wird und die intensiver im Geschmack ist.
Am langgezogenen Strand gibt es eine ganze Reihe von Restaurants, in denen man sich mit Ausblick auf das Doñana-Naturschutzgebiet durch die Karte schlemmen kann. Oder man verbringt ein wenig Zeit in einer der Chiringuitos direkt am Strand. Während ich ein kühles Bier dort getrunken habe, hat meine Tochter fröhlich im Sand gebuddelt, win win! An der Plaza de Cabildos ist die Tapas-Bar “Casa Balbino” sehr empfehlenswert. Ob gekochte Garnelen, Pulpo a la Gallega oder Tortillitas de Camarones, alles hat fantastisch geschmeckt, die Preise sind sehr zivil und man sitzt mitten im Geschehen und kann das Treiben auf dem schönen Platz verfolgen.
Ausflug in den Parque Nacional de Doñana
Sehr ans Herz gelegt wurde mir ein Ausflug in den Parque Nacional de Doñana, ein riesiges Feuchtgebiet, das zahlreiche Vögel, aber auch stark bedrohte Tierarten wie den Kaiseradler oder den iberischen Luchs beheimatet. Zeitlich haben wir das leider nicht mehr unterbringen können. Das Naturschutzgebiet ist nur nach Voranmeldung und per Boot zugänglich. Entweder kann man von Sanlúcar aus eine Schiffstour unternehmen, die an einigen Uferstellen des Nationalparks hält. Oder man meldet sich für eine geführte Jeep-Tour (möglich ist auch eine Kombi-Tour mit Jeep und Boot) durch den Park an.
Nach zwei intensiven Tagen geht es weiter nach Sevilla, wobei ich definitiv noch ein paar Tage länger dort hätte bleiben können. Für 2,05 Euro (Kleinkinder kostenlos) sind wir nach Jerez de la Frontera gefahren, um dort mit dem Zug für 11,50 Euro (meine Tochter wieder kostenlos) nach Sevilla zu fahren.
Sevilla
Auch für Sevilla waren zwei Tage eingeplant. Aber nur deswegen, weil ich schon zweimal hier war. Für einen Erstbesuch würde ich eher drei bis vier Tage kalkulieren, denn Sevilla ist das pulsierende Zentrum Andalusiens, das einiges zu bieten hat.
Altstadt mit ihren historischen Schätzen
Am späten Nachmittag sind wir losgezogen und bummelten einfach in den verwinkelten Altstadtgassen herum. Hier findet man auch die bekanntesten historischen Sehenswürdigkeiten Sevillas, die Kathedrale mit dem Giralda-Kirchturm sowie den Königspalast.
Die Giralda stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde ursprünglich als Minarett der Moschee von Sevilla errichtet. Nach dem Abriss der Moschee blieb sie erhalten und diente der Anfang des 15. Jahrhunderts eingeweihten Kathedrale als Glockenturm. Das 104 Meter hohe Wahrzeichen kann man über eine Rampe besteigen und von dort eine wunderbare Aussicht über Sevilla genießen.
Aber auch die Kathedrale ist sehr sehenswert. Neben einigen Gemälden berühmter Maler wie Goya liegt dort auch Christoph Kolumbus begraben, dessen Überreste 1898 von Kuba nach Sevilla gebracht wurden.


Gleich gegenüber der Kathedrale liegt der Königspalast Alcázar, der ab 1364 im Mudejar-Stil errichtet wurde. Da der Komplex von seinen Herrschern fortwährend erweitert wurde, vereinen sich hier mehrere Baustile. Am besten gefallen hat mir die wunderschöne weitläufige Gartenanlage.
Am Ende der Altstadt stößt man auf den Metropol Parasol. Parasol heißt Sonnenschirm, bei den Einwohnern wird die 26 Meter hohe, futuristisch anmutende Holzkonstruktion wegen ihrer Wölbungen schlicht las Setas (Pilze) genannt. Dank der Aussichtsplattform kann man tolle Blicke auf Sevilla genießen. Im Untergeschoss gibt es römische Artefakte zu bestaunen sowie einen Lebensmittelmarkt.

Plaza de España
Zum Sonnenuntergang sind wir weiter zur Plaza de España, weil der Platz dann in ein besonders schönes Licht getaucht wird. Auf dem Weg dorthin sind uns unzählige Pferdekutschen begegnet, was bei meinem Schatz zu sichtbarer Begeisterung führte. Die Plaza de España ist im Zuge der 1929 veranstalteten Iberoamerikanischen Ausstellung entstanden. Mit dieser Ausstellung sollte ein symbolischer Frieden Spaniens mit den ehemaligen amerikanischen Kolonien geschaffen werden. Die Form des Halbkreises soll eine Umarmung darstellen.

Rund um den Platz sind halbkreisförmig Gebäude errichtet, die von Regierungsinstitutionen genutzt werden. Vor dem Säulengang befinden sich 52 Bänke mit Mosaiken aus typisch andalusischen Mosaikfliesen (sog. azulejos), die die 52 spanischen Regionen repräsentieren sollen. Auf dem kleinen Kanal rund um den Platz kann man mit einem Tretboot fahren und die schöne Atmosphäre des Platzes mit Brunnen und Pferdekutschen genießen.
Gleich daneben lohnt ein Abstecher in den Parque María Luisa. Vor allem Kinder haben Spaß an den vielen Schwänen, Enten und Puten, die beim Wasserbecken und am See zu finden sind. Als wir um 20:30 Uhr da waren, waren immer noch ganz viele Kinder unterwegs und der nahegelegene Spielplatz voll. Es gab so viel zum Schauen, dass meine Tochter keinerlei Müdigkeitsanzeichen zeigte.

Auf dem Rückweg durch die Parkanlagen sind wir noch an einem Café mit stimmungsvollem Live-Flamenco vorbeigekommen und satt an Eindrücken zurück zur Unterkunft.
Bummel durch Triana
Den nächsten Vormittag haben wir mit einem Bummel durch das Viertel Triana, auf der anderen Uferseite des Flusses Guadalquivir, verbracht. Hier kann man in das ursprüngliche Sevilla eintauchen abseits von klassischen Sehenswürdigkeiten und Touristenmassen. Obwohl das Arbeiterviertel Triana außerhalb der Stadtmauern lag, ist es eines der ältesten Quartiere der Gegend. Durch die vielen dort lebenden Gitanos wurde auch der Flamenco sehr populär. Heute ist es ein sehr lebendiges Viertel mit vielen bunten Häusern, schmalen Gassen und einer Reihe von Bars und Restaurants.

Von dieser Seite oder von der Brücke Puente de San Telmo kann man auch den besten Blick auf den Torre del Oro (übersetzt: Goldturm) werfen. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Teil der alten Stadtmauer, sondern um einen militärisch genutzten Turm. Gegenüber auf der anderen Flussseite des Guadalquivir befand sich früher ein weiterer Turm, der Torre de la Fortaleza. Zwischen beiden Türmen war unterhalb des Wasserspiegels eine schwere Kette gespannt, die den Hafen von Sevilla gegen feindliche Schiffe schützen sollte.

Flamenco-Show – nicht immer ein Highlight
Nach einem ausgiebigen Essen und anschließendem Spielplatzbesuch haben wir uns abends noch eine Flamenco-Show angesehen. Ich war sehr gespannt, ob meine Tochter das eine Stunde mitmachen würde. Aber sie fand das Gestampfe offensichtlich so spannend, dass sie die meiste Zeit fasziniert zuschaute, und wenn sie genug hatte, sich ihrem Malzeug widmete.
Ich fand die Vorstellung leider nicht so spektakulär. Zuerst habe ich mich noch gefragt, ob es Teil der Show sei, dass der männliche Tänzer so gelangweilt wirkte, bis ich zu dem Schluss kam, dass er tatsächlich gelangweilt war. Die Tänzerin gab sich alle erdenkliche Mühe, hatte aber einfach getanzt mit der Ausstrahlung der armen Stiefschwester, die immer zu kurz kommt und sich deswegen ganz besonders anstrengt. Es wollte einfach kein Funke überspringen. Der Gitarrist wirkte bestenfalls durchschnittlich, stimmte permanent an seiner Gitarre herum. Lediglich der Sänger hat mir wirklich gut gefallen, eine sehr kraftvolle Stimme gepaart mit viel (echtem) Pathos.
Das war wohl eine Vorstellung der Art, dass das Niveau für Touristen schon genügen werde. Einige Tage später bin ich in Madrid an einem Werbeplakat für eine Flamenco-Show vorbeigekommen, und selbst das starre Bild drückte mehr Feuer aus als diese müde Kombo. Bei Interesse an einer solchen Show lohnt es sich offensichtlich, im Vorfeld etwas besser zu recherchieren.
Abschluss unserer Rundreise in Madrid
Die Rundreise hätten wir in Sevilla beenden können, ich wollte aber dank der Schnellzugverbindung nach Madrid mit dem AVE noch ein paar Tage in meiner unangefochtenen Lieblingsstadt Madrid verbringen. Dort war ich bereits für ein Jahr während des Studiums und es hätte nicht viel gefehlt, dass ich hier hängengeblieben wäre. Ernsthaft überlegt habe ich es jedenfalls.
In Madrid herrscht ein einzigartiges Lebensgefühl, was die Stadt – zumindest nach meinem Empfinden – auch sehr von Barcelona unterscheidet. Barcelona ist natürlich auch eine tolle Stadt und liegt direkt am Strand. Aber es fehlt irgendwie das gewisse Etwas. Madrid ist viel lebhafter und spanischer. Hier gibt es immer etwas zu entdecken. Wer noch nicht da war, sollte sich unbedingt ein verlängertes Wochenende Zeit nehmen und das nachholen. Und damit war unsere Auszeit leider auch schon wieder vorbei.